Amazon gibt Gas: Kostenlose Tablets, neues Versandlager

Während es für das Fire Phone wahrscheinlich keinen Nachfolger geben wird, gibt Amazon bei seinen Tablet-PCs weiter Gas. So erscheinen Ende September gleich mehrere neue Geräte des hauseigenen „Fire Tablets„, mit denen Amazon augenscheinlich (Bestands-)Kunden noch enger an sich binden will. Anders lässt es sich jedenfalls kaum erklären, dass Amazon nicht nur seine bisherigen Kampfpreise unterbietet – sondern die Fire-Tablets obendrein sogar verschenkt.

Fire TabletKlares Amazon-Versprechen: Günstiger Preis und mehr Leistung als das iPad

Zur Erinnerung: Bei der Markteinführung im Herbst 2012 konnte man hierzulande bereits die erste Generation des Fire-Tablets mit einem 7-Zoll-Display für 159 Euro bekommen. Jetzt hat Amazon die Preise noch einmal deutlich gesenkt und bietet das Einsteigermodell aus seiner Tablet-Familie für gerade einmal 59,99 Euro an (Motto: „Der neue Tablet-Standard für weniger als 60 Euro“). Doch damit nicht genug: Wer gleich sechs Einsteiger-Tablets kauft, bekommt von Amazon ein Gerät sogar umsonst. Um Nächstenliebe dürfte es Amazon dennoch nicht gehen.

So wirbt Amazon zwar damit, dass man Freunden mit einem Tablet die „grenzenlose Welt des Entertainments“ schenken kann. Tatsächlich dürfte es Amazon aber vor allem darum gehen, neue Kunden für Content-Angebote wie den hauseigenen Video-Streaming-Dienst „Amazon Instant Video“ zu begeistern und damit an das eigene Ökosystem zu binden. Schließlich gibt es für Prime-Kunden die Video-Streams umsonst, wenn sie im Jahr eine Pauschale von 49 Euro bezahlen – und dabei auch von einem kostenlosen Versand bei Amazon-Käufen profitieren.

Neues Lager: Die Amazonisierung des deutschen E-Commerce geht weiter

Ob Amazon-Kunden nun wirklich in großem Stil ihre Bekannten bescheren, bleibt zwar fraglich. Denn im direkten Vergleich dürfte ein iPad immer noch das stylischere Produkt sein, auch wenn Amazon zunehmend die Vorteile seiner Tablets im direkten Vergleich betont („1,8 mal so robust wie das iPad Air 2“). Wer also mit einem Geschenk auch wirklich Eindruck schinden will, dürfte daher zu einem Apple-Device greifen – das nötige Kleingeld für die deutlich teureren Geräte einmal vorausgesetzt. Wer aber für sich selbst ein günstiges Gerät für Video-Streams und eBooks sucht, dürfte Amazon eine Chance geben. Auch weil der weltgrößte Versender nun offensiv mit einer „30 Tage Geld-zurück-Garantie“ wirbt und so weitere Kaufhürden abbaut.

Im Gegensatz zum Amazon-Smartphone „Fire Phone“ braucht man auch keinen Datenvertrag abzuschließen, wenn man die Tablets nutzen will. So sind die Geräte für den Einsatz zu Hause per WLAN ausgerichtet, wo Amazon mit Angeboten wie den Video-Streams durchaus den Nerv der Couch-Surfer treffen sollte. Vor diesem Hintergrund hat die Tablet-Strategie von Amazon auch eine bessere Zukunftsperspektive als das gefloppte Fire Phone, bei dem Kunden einen neuen Mobilfunkvertrag abschließen mussten und Amazon keine handfesten Mehrwerte im Gegensatz zu anderen Herstellern bieten konnte. Bei den Fire-Tablets dürfte dagegen allein der günstige Preis für viele Interessenten ein Argument sein, um den Geräten zumindest einmal eine Chance zu geben. Bereits jetzt belegt das Einsteigermodell für knapp 60 Euro den ersten Verkaufsrang in der Produktkategorie Tablet-PCs bei Amazon – zehn Tage vor Verkaufsstart.

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Mit der zunehmenden Verbreitung der Fire-Tablets dürfte aber auch die Amazonisierung des deutschen Versandhandels voran schreiten. Oder anders formuliert: Warum sollten Kunden noch bei einem anderen Händler kaufen, wenn sie bei Amazon das Rund-um-sorglos-Paket mit eigenem Shopping-Device, Prime-Vorteilen, kostenlosem Versand, großer Auswahl und guten Preisen bekommen? Wer über exklusive Sortimente oder Eigenmarken keinen Kaufanreiz bieten kann, wird die wahre Marktmacht von Amazon daher erst noch zu spüren bekommen.

Für diese These spricht allein, dass Amazon schon wieder ein neues Logistikzentrum in der Bundesrepublik plant. Konkret soll ein neues Gebäude am Standort Werne im Münsterland entstehen, wo Amazon bereits seit fünf Jahren aktiv ist (siehe Video) und im Jahr 2017 in ein moderneres Gebäude umziehen will. Der Bau des neuen Versandlagers soll 2016 starten.

Aktuell betreibt Amazon in Deutschland bereits neun Logistikzentren an acht Standorten.

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Über Stephan Randler 3152 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.