Zalando-Zahlen: Sattes Umsatzplus, schlechteres Ergebnis

Der Online-Modehändler Zalando schwimmt weiter auf der Erfolgswelle. Nachdem bereits im zweiten Quartal 2015 der Netto-Umsatz um 34,1 Prozent auf 733,0 Mio. Euro gesteigert wurde, gab es im dritten Quartal 2015 jetzt sogar ein sattes Plus von 42,2 Prozent auf 713,1 Mio. Euro.

Zalando ZahlenZalando konnte in allen Ländermärkten deutlich zulegen (Bild: Screenshot)

So stark wachsen konnte Zalando, weil zum einen die Zahl der aktiven Kunden (mindestens ein Kauf in den vergangenen zwölf Monaten) von zuvor 14,1 Mio. (Q3/2014) auf 17,2 Mio. erneut deutlich angestiegen ist. Dazu haben Kunden von Zalando im dritten Quartal im Schnitt 3,0 Bestellungen bei dem Online-Händler getätigt, während es im Vorjahresquartal 2014 erst 2,8 Orders waren. Die durchschnittliche Warenkorbgröße hat sich aber von 64 auf 63 Euro leicht verringert im Jahresvergleich (Definition: inkl. MwSt. und nach Retouren und Stornos). Das liegt aber auch mit daran, dass Zalando verstärkt preisgünstige Mode-Marken im Angebot hat.

Umsatztreiber: Mehr Marketing, schnellere Lieferung, einfachere Retouren

Dass mehr Kunden öfter bestellten, hat ebenfalls seine Gründe. Zum einen konnte Zalando im Juli und August viel Saisonware aus der Frühjahr-/Sommer-Kollektion zu vergünstigten Preisen abverkaufen. Zum anderen gab es einen frühen Start in die aktuelle Herbst-/Winter-Saison, so dass Zalando bereits von Geschäft profitieren konnte, das im vergangenen Jahr erst im vierten Quartal 2014 verbucht wurde. Die Vergleichsbasis aus dem Vorjahr ist zudem gering, weil die Berliner im dritten Quartal 2014 nur um 24,2 Prozent zulegen konnten. Auch das schwächere Vorjahresquartal ist daher ein Grund, warum Zalando nun über 40 Prozent zulegen konnte.

Wachsen konnte Zalando zudem, weil man das Sortiment um Marken wie Mango und Gap erweitert hatte, die das Online-Angebot sowohl für neue Verbraucher als auch bestehende Kunden attraktiver machen. Zusätzlich konnte Zalando das Einkaufserlebnis verbessern.

In Holland, UK und Frankreich erhalten Kunden nun ihre Pakete meist schon nach drei Tagen, während die Lieferzeit zuvor vier bis sechs Tage betragen hatte. Zusätzlich beinhalten nun auch die Pakete für ausländische Kunden von vornherein einen Retourenschein, um Rücksendungen einfacher zu ermöglichen. Befeuert wurde der Umsatz außerdem noch durch lokale Marketing-Kampagnen, die unter anderem in Polen und Italien geschaltet wurden. Zusätzlich hatte man in die Vermarktung der Mobile-Apps investiert, um mehr Downloads der Apps zu erzielen.

Zalando ZahlenDie Marketing- und Fulfillment-Kosten sind jetzt gestiegen (Bild: Screenshot)

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass sich im dritten Quartal die Ausgaben für das Marketing erhöht haben (siehe Tabelle oben). Die Bruttomarge ist einerseits zwar konstant geblieben, dafür aber sind wiederum die Fulfillment-Kosten deutlich gestiegen. Hier wirkt auch die Betrugswelle aus dem zweiten Quartal 2015 nach, als bei Zalando vermehrt auf Rechnung bestellt wurde und diese Forderungen nicht bezahlt wurden. Mit einem Teil der Forderungen hatte man im dritten Quartal 2015 gerechnet, in dem die Einnahmen aus den Mahnverfahren nun aber geringer ausfielen als erwartet – was Zalando so begründet, dass man es mit professionellen Betrügern zu tun hat, die sich auch Mahnverfahren entziehen.

Unterm Strich steht nun ein negatives EBIT von -27,8 Mio. Euro im dritten Quartal 2015, was im Vergleich zum Vorjahresquartal ein deutlich schlechterer Wert ist (Q3/2014: -2,6 Mio. Euro).

Diese Talfahrt schockt das Management allerdings nicht, weil das schlechtere Ergebnis durch den starken Abverkauf beeinflusst wurde und damit saisonal bedingt ist. Im gesamten Jahr 2015 werde man zudem klar profitabel sein, da schon in den ersten neun Monaten 2015 ein positives EBIT von 23,0 Mio. Euro erreicht wurde (9M/2014: 1,0 Mio. Euro). Für das ganze Jahr 2015 rechnet Zalando nun übrigens beim Umsatz sogar mit einem Plus von 33 bis 35 Prozent, was dadurch einem Netto-Umsatz von bis zu rund drei Mrd. Euro entsprechen könnte.

Zu Jahresbeginn hatte die Berliner erst mit einem Plus von 20 bis 25 Prozent kalkuliert, nun aber in den ersten neun Monaten 2015 mit 2,1 Mrd. Euro Netto-Umsatz fast schon so viel Geschäft gemacht wie im ganzen vergangenen Jahr 2014 (Netto-Umsatz: 2,2 Mrd. Euro).

Zalando verkauft aktuell in Deutschland und 14 weiteren europäischen Ländern online.

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Über Stephan Randler 3071 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.