Gap, Zalando und die Kehrseite der Internationalisierung

Der Berliner Fashion-Versender Zalando kooperiert mit GAP und verkauft ab Mai 2015 erstmals Mode der US-amerikanischen Bekleidungskette. Dabei erhalten die Amerikaner einen eigenen Marken-Bereich im Zalando-Shop, den in so einer Form bereits Markenartikler wie Nike, Boss oder G-Star bei den Berlinern haben. Insofern ist die Kooperation mit GAP auf den ersten Blick keine bahnbrechende Neuerung. Sie steht dennoch stellvertretend für eine Entwicklung, die den Online-Handel in Deutschland in den kommenden Jahren wohl weiter prägen wird.

Topshop bei ZalandoDie UK-Marke Topshop hat bereits einen Store bei Zalando (Bild: Screenshot)

Denn bislang können deutsche Kunden die Mode von GAP nur über eine internationale Shopping-Seite kaufen, die zwar deutsche Infos und Preise in Euro enthält. Weil die Ware aber aus den Staaten kommt, sind bei einer Standardlieferung bis zu sieben Werktage üblich.

Durch die Kooperation mit Zalando will GAP seine Mode nun nach eigenen Angaben einer „größeren Kundenbasis in Europa“ schmackhaft machen, was nicht nur durch die Präsenz im Zalando-Shop gelingen sollte. Denn die Berliner kaufen die Ware auch ein und lagern sie direkt in ihren Logistikzentren, so dass man Kunden auch mit kürzeren Lieferzeiten beglücken kann.

Durch die Kooperation mit Zalando buhlt GAP also verstärkt um deutsche Kunden.

Damit befinden sich die US-Amerikaner in bester Gesellschaft, da immer mehr ausländische Händler wie der Weiße-Ware-Spezialist AO aus England oder Universalversender Fonq aus den Niederlanden in den deutschen ECommerce drängen. Das ist für einheimische Händler insofern doof, weil es in der Folge zu mehr Wettbewerb um (das begrenzte Budget der) Kunden führt.

Über diese Schattenseiten der Internationalisierung hatte ich daher erst vor zwei Wochen auf der Fachveranstaltung „Cross Border“ in Berlin referiert – und dabei zwei Trends aufgezeigt:

  • Der Konkurrenzdruck durch ausländische Online-Händler wird in Deutschland weiter zunehmen, da deutsche Verbraucher generell als versandhandelsaffin gelten und vor allem ausländische Fashion-Brands mit ihren Eigenmarken den deutschen Kunden ein sehr attraktives Sortiment liefern können, das sie so woanders (bislang) nicht bekommen.
  • Der zunehmende Wettbewerb ist für deutsche Händler auch eine Chance. Denn ausländische Marken müssen erst einmal investieren, wenn sie deutsche Kunden erreichen wollen. Die Kosten für Lokalisierung, Marketing und Shop-Betrieb entfallen dagegen, wenn sie sich einen deutschen Partner suchen. Der heimische Händler wertet dadurch wiederum sein Sortiment auf, so dass beide Parteien von einer Partnerschaft profitieren.

Vor diesem Hintergrund dürften deutsche Online-Händler in absehbarer Zeit noch stärker als heute mit ausländischen Markenartiklern kooperieren. Ein Pionier ist in diesem Zusammenhang der Otto-Versand aus Hamburg, der bereits seit Dezember 2010 in seinem Online-Shop die Mode der britischen Fashion-Marke Next verkauft. Diese Kooperation bringt den Beteiligten nur Vorteile, wie Michael Heller (Foto, Vorstand Categories) gegenüber neuhandeln.de erklärt:

Otto-Sprecher Michael Heller„Dass immer mehr internationale Anbieter ihre Fashion-Sortimente auch in den deutschen Markt bringen, stört uns gar nicht. Ganz im Gegenteil: Viele von ihnen schätzen die Reichweite von otto.de und sind bereits als Partner bei uns gelistet. Sie profitieren von unserer Plattform und sparen sich unter anderem die Investition in ein eigenes CRM und Performance-Marketing. Im Gegenzug bereichern sie die Sortimentsvielfalt, die wir unseren Kunden bieten.“

Zalando listet seit diesem Sommer übrigens auch schon die beiden UK-Brands Topshop und Topman in seinem Online-Shop. Parallel betreibt Top-Shop auch einen deutschsprachigen Online-Shop. Das hatte bis vor kurzem auch die britische Kaufhaus-Kette Debenhams getan. Doch der deutsche Shop wurde nach nur zwei Jahren gerade wieder eingestampft.

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Über Stephan Randler 2731 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.