Zalando-App: Warum die Foto-Suche kein Killer-Feature ist

Der Berliner Mode-Versender Zalando hat seiner iPhone-App vor wenigen Tagen eine interessante neue Funktion spendiert, um Impulskäufe anzustoßen. So können Anwender mit ihrem Smartphone nun unterwegs Mode fotografieren, anschließend gibt es passende Kaufvorschläge aus dem Sortiment der Berliner. Nutzer können so zum Beispiel interessante Outfits anderer Menschen in der Fußgängerzone oder in der U-Bahn scannen und vergleichbare Mode direkt bei Zalando online einkaufen – was im ersten Moment auch durchaus schlüssig klingt.

Zalando iPhone AppBildquelle: Screenshot

Denn mit der Foto-Suche bietet die App einen (weiteren) Mehrwert zum mobil-optimierten Online-Shop, der lediglich eine klassische Shop-Suche enthält. Zudem liegt es auf der Hand, die ohnehin vorhandende Smartphone-Kamera in eine Shopping-Anwendung zu integrieren. Ein Killer-Feature ist die Foto-Suche dennoch nicht, wie Erfahrungswerte von Stylight zeigen.

Unter dem Motto „Fashion Agent“ hatten die Macher der Mode-Suchmachine (Motto: „Entdecke Mode, die du liebst“) jedenfalls bereits vor fast fünf Jahren eine vergleichbare Foto-Suche in ihrer iPhone-App angeboten (siehe Foto). Auch damals konnten Nutzer beispielsweise die Kleidung von Passanten abfotografieren, um passende Mode aus dem Sortiment der an Stylight angeschlossenen Online-Shops zu erhalten. Doch in der aktuellen Version der Stylight-App ist die Foto-Suche inzwischen überhaupt nicht mehr enthalten. Aus gutem Grund, wie Gründer und Geschäftsführer Benjamin Günther auf Nachfrage von neuhandeln.de verdeutlicht (via Mail):

Stylight Fashion-AgentBildquelle: Stylight

„Technisch gesehen hat die Anwendung zwar sehr gut funktioniert. Unser Problem war aber, dass damals Smartphones noch weniger verbreitet waren und Nutzer das Feature nicht so angenommen haben wie wir uns das vorgestellt hatten. Im Feedback haben wir damals oft zu hören bekommen, dass Kunden nicht zum Stalker werden wollen, wenn sie jemanden abfotografieren. Das Konzept hörte sich also auf dem Papier gut an, ging aber am echten Bedarf der Kunden vorbei.“

Was damals galt, ist auch heute noch aktuell. Zalando droht daher mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass viele Kunden die Foto-Suche im Alltag doch nicht nutzen – weil sie mit dem Smartphone schlichtweg keine Passanten abfotografieren möchten. Erschwerend kommt obendrein hinzu, dass die Foto-Suche ersten Tests zufolge auch noch ungenaue Treffer liefert und lediglich ähnliche Produkte listet. So bemängelt die Fachzeitschrift Computer Bild beispielsweise, dass Scans von Kleidung nicht direkt zu den gesuchten Outfits führen.

Da Zalando auch künftig kaum alle Klamotten dieser Welt listen wird, dürften weiter viele Scans das Wunschprodukt verfehlen. Mit so einem Problem könnte prinzipiell auch Amazon zu kämpfen haben, das eine vergleichbare Scan-Funktion („Firefly“) in seinem hauseigenen Smartphone anbietet. Das Feature von Amazon halte ich aber aus zwei Gründen für nachhaltiger als die Foto-Suche von Zalando. Zum einen sollen Kunden von Amazon auch Bücher, CDs oder DVDs fotografieren, die der E-Commerce-Riese in den meisten Fällen führen dürfte. Zum anderen dürften Nutzer solche (Medien-)Produkte wohl auch scannen, ohne sich wie ein Stalker zu fühlen – was wiederum dafür spricht, dass Amazons Firefly-Feature häufig genutzt wird.

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Über Stephan Randler 3153 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.