Fire Phone: Amazon löst ein Kernproblem des M-Commerce

Das hauseigene Smartphone von Amazon („Fire Phone“) birgt reichlich Sprengkraft. Denn über das integrierte Shopping-Feature Firefly können Nutzer unterwegs Produkte scannen und mobil kaufen („Die Idee von der ultimativen Verkaufsmaschine“). Kurioserweise wird bislang aber in erster Linie thematisiert, dass stationäre Einzelhändler unter dem Fire Phone leiden dürften:

Amazon Firefly FeatureBildquelle: Screenshot

„Was Amazon mit dem Fire Phone vorgestellt hat, könnte zahlreiche Einzelhändler in den Ruin treiben. Der Grund ist das so genannte Showrooming. Beim Showrooming handelt es sich um Kaufwillige, die sich Produkte in Ruhe beim lokalen Händler anschauen, dann aber günstiger online kaufen. Mit dem Fire Phone ist das in bisher nicht gekannter Form möglich.“

Wenn Kunden aber schon mit dem Fire Phone die Produkte in Ladengeschäften scannen, dürften in einem zweiten Schritt auch Online-Händler bluten, die mit stationären Einzelhändlern und/oder Amazon konkurrieren. Warum, verdeutlicht Thomas Lang im Carpathia-Blog:

„Mit dem Fire Phone manövriert sich Amazon elegant an den Anfang jedes Kaufprozesses, beim Entdecken und der Bedarfsweckung. Und damit schaltet Amazon auch alle nachfolgenden Prozesse unter Umständen genau so elegant aus – nämlich die Recherche (ua bei Google) und den Vergleich.“

Das ist in der Tat realistisch. Denn Kunden dürften nach einem Smartphone-Scan auch deshalb direkt bei Amazon kaufen, weil es schlichtweg bequem ist. Nehmen wir folgendes Beispiel: Ein Verbraucher ist nach Ladenschluss unterwegs in der Innenstadt und entdeckt in einem Schaufenster einen Laufschuh, den er sofort haben möchte. Um den Schuh zu kaufen, sucht er vor Ort mit seinem Smartphone einen Anbieter über Google. Im Online-Shop des Händlers bricht er den Kauf aber wieder ab, weil er kein Bestandskunde ist und sich nicht mühsam auf einem kleinen Touchscreen-Disply durch das Registrierungsformular quälen will. Einfacher geht es, wenn der Kunde bereits eine Shopping-App auf seinem Smartphone installiert hat und seine Kundendaten hinterlegt sind. So kann er den Kauf im Idealfall mit wenigen Klicks abschließen. Diese Variante setzt aber voraus, dass eine App im Vorfeld installiert worden ist.

In beiden Fällen gibt es also Zugangsbarrieren, die Kunden den spontanen Einkauf unterwegs erschweren (Registrierung oder App-Download). Das Fire Phone dagegen macht Mobile Shopping barrierefrei, da die Kauffunktion quasi in der DNA des Smartphones steckt.

Möglicherweise kommt Amazon dabei zu Gute, dass Hardselling beim Fire Phone gar nicht im Vordergrund steht und das Firefly-Feature deshalb nicht zwangsläufig verkaufen muss:

„Gerade der informative Teil des Firefly-Features bieten einen direkten Kundennutzen, der schleichend zu einer Gewöhnung an das Feature führen kann: Schnell mal eine Internet-Adresse von einem Plakat im vorübergehen abzuscannen, macht das Leben leichter. Das verkauft im ersten Schritt noch kein Produkt bei Amazon, gewöhnt aber an die Firefly-Nutzung. Und die prominente Platzierung des „Kaufen-Buttons“ (ver)führt früher oder später nach der reinen Informationsvermittlung zum Kauf.“

Wie das Firefly-Feature im Detail funktioniert, veranschautlicht Jeff Bezos in diesem Videoclip.

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Über Stephan Randler 2933 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.