Wish-Klon: eBay testet mit „Catch“ einen Marktplatz für junge Kunden

Neue Strategie bei eBay: Ab sofort betreibt das US-amerikanische E-Commerce-Unternehmen erstmals in Deutschland einen zweiten Marktplatz, der unter dem Namen „Catch“ firmiert. Ansprechen soll das neue Angebot junge Kunden, die eBay hier besser erreichen will als über seinen klassischen Marktplatz.

eBay Catch
„Catch“-Marktplatz (Bild: Screenshot)

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es bei „Catch“ zunächst einmal ein kleineres Sortiment, das junge Kunden mit „angesagten Trendprodukten“ ködern soll. Angeboten werden daher unter anderem Gadgets, Textilien und Beauty-Produkte. Diese Angebote stammen von gewerblichen eBay-Verkäufern.

Denn der Marktplatz-Riese wählt aus seinem klassischen Angebot aus, welche Produkte zur neuen Plattform passen. Entscheidend ist dabei auch der Preis. Denn punkten soll „Catch“ nicht zuletzt mit preisgünstigen Produkten, die sich junge Online-Shopper auch gut leisten können.

Generell gilt: Während es bei eBay immer auch gebrauchte Waren und Auktionen gibt, listet „Catch“ ausschließlich Neuware zum Festpreis, die zwar parallel auch auf eBay angeboten wird. Über ein anderes Shop-Frontend soll „Catch“ aber junge Kunden dazu einladen, im Sortiment zu stöbern und Impulskäufe zu tätigen. Optisch hat „Catch“ daher wenig mit dem bekannten eBay-Marktplatz gemein.

Denn bei „Catch“ werden bereits auf der Startseite fast ausschließlich Produktfotos gelistet, durch die sich Nutzer klicken sollen. Zwar kann man Produkte auch in einzelnen Kategorien suchen, wie man es auch von eBay kennt. Bei „Catch“ heißen die Rubriken aber nicht „Elektronik“ oder „Haus & Garten“ – sondern „Tech Gadgets“ und „Home Sweet Home“, um dadurch junge Kunden besser zu erreichen.

eBay Catch
Produktübersicht bei „Catch“ (Bild: eBay.de)

Diese Zielgruppe würde zwar durchaus auf dem bekannten eBay-Marktplatz einkaufen. Das neue „Catch“-Portal sei daher als komplementäre Plattform zu eBay konzipiert, bei der Inspiration im Vordergrund stehen soll. Deshalb wird die Zugehörigkeit zu eBay auch nicht verschwiegen, weshalb auf der neuen Plattform zum Beispiel mit einem „eBay-Käuferschutz“ geworben wird.

Gegen diese Herangehensweise ist prinzipiell nichts einzuwenden. So kann eBay über ein separates Online-Portal durchaus Kunden anders ansprechen als auf dem klassischen eBay-Marktplatz, der verschiedene Kundengruppen gleichzeitig bedienen muss.

Kunden könnte es dennoch verwirren, wenn beim Surfen auf „Catch“ plötzlich ein Käuferschutz für eBay auftaucht – zumal sie das Portal verlassen und bei eBay.de landen, wenn sie Infos dazu abrufen wollen.

Konsequent wirkt die Verknüpfung mit eBay trotzdem kaum. Einige Beispiele? Kunden müssen sich zum Einkaufen in jedem Fall neu registrieren – selbst wenn sie bereits über ein eBay-Konto verfügen und sich damit die Adresseingabe sparen könnten. Ebenfalls kurios: Bei Artikeln sehen „Catch“-Kunden zwar eine allgemeine Bewertung, die ein Verkäufer bei eBay bislang über alle Transaktionen erhalten hat (Beispiel: „98.4% Positives Feedback“). Einzelne Bewertungen lassen sich aber nicht einsehen, um die neue Plattform nach offizieller Aussage „so simpel, einfach und aufgeräumt wie möglich zu gestalten“.

Der größte Kritikpunkt aber ist: Neu ist das „Catch“-Konzept bei weitem nicht. Denn einen ähnlichen Online-Marktplatz mit Billigware bietet längst der US-Konkurrent Wish, der größtenteils Verkäufer aus Fernost auf seiner Plattform versammelt und auch in Europa immer beliebter wird. So gesehen ist es zwar legitim, dass sich eBay in Deutschland nun ähnlich aufstellt. Eine Innovation ist „Catch“ aber nicht.

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