Wegen Fressnapf: Baur-Gruppe muss 138 Stellen streichen

Ende Februar hatte ich auf neuhandeln.de berichtet, dass bei der Baur-Gruppe bis zu 300 Jobs auf der Kippe stehen. Hintergrund ist, dass der Tierfutter-Händler Fressnapf zum 30. Juni 2015 die Zusammenarbeit mit dem Tochterunternehmen Baur Fulfillment Solutions (BFS) gekündigt hatte. Die Baur-Tochter war seit dem Start im Jahr 2009 für das Fulfillment des deutschen Web-Shops von Fressnapf verantwortlich, um das sich nun die Arvato Distribution GmbH kümmert.

Baur Fulfillment SolutionsDie Baur-Tochter BFS verschickt nicht mehr für Fressnapf (Bild: Screenshot)

Immerhin fallen dem Abschied von Fressnapf bei BFS aber wenigstens weniger Stellen zum Opfer als zunächst befürchtet worden war. Demnach gibt es für 138 Mitarbeiter über den 30. Juni hinaus keine Möglichkeit mehr für eine Beschäftigung. Diesen Mitarbeitern kündigt BFS nun betriebsbedingt, Geschäftsführung und Betriebsrat haben einen Sozialplan vereinbart.

Zur Erinnerung: Bedroht waren bei BFS zunächst die Stellen von 280 Mitarbeitern, die fast nur oder ausschließlich für Fressnapf tätig waren. Von den insgesamt 1.600 Mitarbeitern bei der Baur-Tochter waren im Kundenservice dazu rund 30 Mitarbeiter fast nur für Fressnapf tätig.

Dass nun weniger Stellen gestrichen werden, hat mehrere Gründe. So habe sich zum einen die Zahl der betroffenen Mitarbeiter in den letzten Wochen durch Versetzungen reduziert, zum anderen hätten einige Mitarbeiter selbst gekündigt oder wurden in der Probezeit gekündigt.

Eine Kurzarbeit kam für die verbliebenen Mitarbeiter nicht in Frage. Denn dazu hätte man bei kurzfristige Ersatzaufträge gebraucht, um die speziell auf Tierbedarf ausgelegte Infrastruktur nutzen zu können. Vor drei Monaten war die Baur-Gruppe zwar noch optimistisch, den Verlust von Fressnapf durch neue Großkunden abfedern zu können. Und auch jetzt heißt es, dass man sich in in aussichtsreichen Verhandlungen befinde. Allerdings dauere die Akquise bei BFS – vom ersten Kundenkontakt bis zum Vertragsabschluss – in der Regel mindestens ein Jahr.

Kaum Zuwächse im vergangenen Geschäftsjahr für die Baur-Gruppe

Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 28. Februar) war der Netto-Umsatz der Baur-Gruppe lediglich um ein Prozent auf 674 Mio. Euro gestiegen, nachdem es im ersten Halbjahr noch ein Plus von drei Prozent gegeben hatte. Neben dem Geschäft der Marke Baur ist in diesen Zahlen auch der Handelsumsatz der Baur-Marke I’m Walking enthalten sowie das Geschäft der österreichischen Unito-Gruppe, die ein Tochterunternehmen von Baur ist.

Zusätzlich enthält der Gesamtumsatz auch Einnahmen aus dem Service-Geschäft, die über den Fulfillment-Dienstleister BFS und den Online-Marketing-Dienstleister Octobo erzielt werden. Zu den Umsätzen der einzelnen Sparten macht Baur keine Angaben, die Renditen sollen bei den einzelnen Gesellschaften aber einen Wert zwischen vier und sechs Prozent erreicht haben.

Nach eigenen Angaben hatte der Baur-Versand unter einem schwierigen Modemarkt gelitten, was für das vergangene Jahr viele Versenderkollegen bereits berichtet hatten. Auch wenn das Geschäft mit Möbeln und Heimtextilien anzog, blieb Baur in Deutschland beim Umsatz deshalb zwei Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Abschied von Fressnapf hatte zudem bereits seine Schatten vorausgeworfen und damit auch das vergangene Geschäftsjahr 2014/2015 belastet.

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Über Stephan Randler 3071 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.