VR-Anprobe: Wieso QVC mit seinem Projekt zufrieden ist

In den vergangenen beiden Monaten hatte der Teleshopping-Sender QVC ausgewählte Mode erstmals in deutschen Einkaufscentern beworben. Konkret waren die Düsseldorfer in fünf Shopping-Malls vertreten, wo QVC jeweils zwei Tage einen eigenen Stand betrieben hatte.

QVC virtuelle AnprobeBei QVC konnte man vor Ort virtuell Mode anprobieren (Bild: QVC Deutschland)

Das Besondere dabeI: Verbraucher konnten vor Ort ausgewählte Mode von QVC über eine virtuelle Ankleide anprobieren. Dazu mussten sich Interessenten lediglich vor einen 80 Zoll großen Bildschirm stellen, anschließend wurde ihr Körper über eine Kamera erfasst und auf dem Display dargestellt. Nun konnten Nutzer verschiedene Produktfotos von Mode auf ihr virtuelles Abbild legen und testen, welche der angebotenen Textilien ihnen stehen.

Ziel der Shoppingcenter-Tour war einerseits, QVC als einen innovativen Versandhändler zu positionieren. Andererseits wollte man vor Ort neue Kundengruppen erreichen, da man in deutschen Einkaufszentren prinzipiell auch die Zielgruppe der Fashion-Käufer gut erreiche.

Nach eigenen Angaben ist das Konzept aufgegangen, wie QVC zum Abschluss seiner 5-Städte-Tour versichert. Demnach fanden sich in den fünf „hochfrequentierten“ Einkaufszentren in Recklinghausen, Düsseldorf, Berlin, Leipzig und München schnell Modebegeisterte, die vor Ort die virtuelle Anprobe testen wollten. Insgesamt hätten daher 2.000 Verbraucher das Angebot von QVC genutzt. Bei fünf Einkaufszentren mit jeweils zwei Präsenztagen vor Ort haben im Schnitt dadurch also rund 200 Interessenten pro Tag die virtuelle Anprobe getestet.

Zum Vergleich: Die auf Planung und Management von Einkaufszentren spezialisierte ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG zählt aktuell 196 Shopping-Malls im Portfolio, in die zusammen jeden Tag rund 4,3 Mio. Besucher strömen – umgerechnet sind das also ungefähr 22.000 Besucher in einem einzelnen Shopping-Center an jedem einzigen Werktag.

Die von QVC gebuchten Einkaufszentren fehlen zwar im Portfolio von ECE, was zunächst einen Vergleich erschwert. Zum Auftakt waren die Düsseldorfer aber im Palais Vest in Recklinghausen vertreten, wo die Verantwortlichen im laufenden Jahr mit zehn Mio. Besuchern rechnen.

Bei 303 Werktagen im Kalenderjahr 2015 in Nordrhein-Westfalen würde das Einkaufscenter in Recklinghausen bei der aktuellen Prognose auf über 33.000 Besucher am Tag kommen. Dem gegenüber steht eine Zahl von durchschnittlich 200 Interessenten pro Tag, die QVC für seine virtuelle Anprobe begeistern konnte – was im direkten Vergleich sehr überschaubar wirkt.

2.000 Nutzer in zehn Tagen: QVC spricht von einem „vollen Erfolg“

Berücksichtigen muss man bei diesem Vergleich aber: Im Schnitt hatte sich jeder Nutzer rund fünf Minuten mit der virtuellen Ankleide beschäftigt. So musste QVC zunächst das Konzept erklären, bevor Nutzer sich selbst durch das Sortiment klicken konnten. Viel mehr Nutzer hätte QVC daher nach eigenen Angaben gar nicht bei seiner Shopping-Tour bedienen können.

QVC wertet seine Tour deshalb als einen „vollen Erfolg“ – auch weil das Projekt dem Versender an allen fünf Standorten viel Aufmerksamkeit und begeistertes Feedback beschert habe.

Nutzer konnten vor Ort übrigens auch solche Produkte direkt online bestellen, die ihnen bei der Anprobe gefallen haben. Wie viel Kunden diesen Service genutzt haben, verrät QVC aber auch auf Nachfrage nicht. Vielmehr heißt es, dass es bei dem Projekt in erster Linie um ein neues Einkaufserlebnis und innovative Technik gegangen sein. Das kann man daher durchaus so interpretieren, dass über die VR-Anprobe wenig direkte Bestellungen zustande kamen.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr