„Thalia Scan & Go“: So schlägt sich die neue Shopping-Funktion im Praxis-Test

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„In der Buchhandlung einkaufen, ohne an der Kasse anzustehen“: Mit diesem zentralen Kundenvorteil bewirbt Buchhändler Thalia gerade seine Smartphone-App. Kein Wunder. Denn seit dem vergangenen Herbst verfügt diese zusätzlich über eine neue Funktion mit der Bezeichnung Scan & Go. Und diese soll Verbrauchern den Einkauf in der Buchhandlung versüßen, weil hier der lästige Gang zur Kasse entfällt.

Thalia Scan & Go
Einkaufstasche für Scan & Go (Foto: privat)

In der Theorie funktioniert das so: Kunden laden die kostenlose Thalia-App auf ihr Smartphone, bevor sie ein Geschäft betreten. Anschließend gehen Kunden in der Buchhandlung zu einem Aufsteller, der die Funktion bewirbt.

Hier gibt es zudem Einkaufstaschen mit dem Schriftzug „Scan & Go“ (siehe Foto). Diese müssen Nutzer nehmen, um ihre Einkäufe zu verstauen. Denn mit der neuen Shopping-Funktion kann der Kunde ja das Geschäft verlassen, ohne an der Kasse zu bezahlen. Über die Tasche soll das Personal im Laden daher erkennen, dass der Kunde gerade mit „Scan & Go“ eingekauft hat.

So will Thalia vermeiden, dass Kunden mit der Shopping-App ihre Einkäufe in eigene Taschen packen. Denn dann verliert der Buchhändler irgendwann den Überblick, wer im Laden denn nun „Scan & Go“ nutzt – und daher das Geschäft mit Waren verlassen darf, ohne an der Kasse zu bezahlen. Damit das funktioniert, sollen Verbraucher nicht nur eine Einkaufstasche von Thalia nehmen. Nutzer müssen am Aufsteller im Geschäft auch einen QR-Code scannen, um in der Filiale einzuchecken. Jetzt lassen sich einzelne Bücher mit der Scan-Funktion in den Warenkorb der Thalia-App legen und dann bezahlen.

Praxis-Test: Bestellung als Gast möglich, aber kompliziert

Mögliche Zahlverfahren sind PayPal, Kreditkarte, Lastschrift und eine Geschenkkarte. Nicht einmal ein Kundenkonto ist nötig. Denn nutzen kann man „Scan & Go“ auch als Gast. Das ist in der Praxis aber mühseliger als gedacht. Und auch sonst kann die Funktion bei einem Test nicht wirklich überzeugen.

Denn zum Scannen braucht man eine Internetverbindung. Logisch. Sonst können ja keine Artikeldaten geladen werden, wenn Nutzer ein Buch scannen. Bei meinem Praxis-Test in Ulm ist aber meine mobile Datenverbindung im Geschäft so schlecht, dass ich beim Scannen eine Fehlermeldung bekomme. Ich will schon entnervt aufgeben. Eine Mitarbeiterin erklärt mir dann, dass ich doch das kostenfreie WLAN von Thalia nutzen soll. Leider fehlt aber dieser wichtige Hinweis auf dem Aufsteller im Geschäft, auf dem die Shopping-Funktion „Scan & Go“ ansonsten ausführlich und verständlich beschrieben wird.

WLAN
Beim Aufsteller fehlt die WLAN-Info (Bild: privat)

Dabei lassen sich die Artikel tatsächlich einfach scannen, wenn einmal die Internetverbindung steht. Für Stirnrunzeln sorgt dann aber das Wording in der App. Denn sobald ich einen Artikel mit der App einscanne, kommt der Hinweis: „Artikel prüfen und bezahlen“. Soll ich das Produkt jetzt etwa auf Mängel untersuchen? Gemeint ist wohl: Der Kunde soll doch bitte schauen, ob das Ergebnis des Scans auch zu dem gewünschten Produkt passt.

Anstrengend wird es aber erst beim Bezahlen. Denn ich habe kein Konto bei Thalia und will daher als Gast einkaufen und über PayPal bezahlen.

Leider aber muss ich nun als Gastbesteller meine Anschrift in ein Mini-Formular auf dem Smartphone tippen. Das ist bei der kleinen Bildschirmgröße nicht nur mühselig, sondern auch unnötig. Meine Daten sind schließlich ja schon bei PayPal hinterlegt. Andere Online-Händler bieten daher einen Check-out über PayPal an, bei dem Nutzer ohne Kundenkonto sich nur bei PayPal anmelden müssen. Dabei werden persönliche Daten an einen Shop übergeben. Das hätte ich mir auch von Thalia gewünscht.

Shopping-Funktion soll schneller und bequemer werden

Denn die Zeitersparnis ist dahin, wenn ich mühsam Daten in mein Smartphone tippen muss. Dann ist es weniger nervig, normal an der Kasse anzustehen. Besserung ist aber in Sicht. Denn perspektivisch soll der Bezahlprozess nach Angaben von Thalia so optimiert werden, dass „Scan & Go“ schneller und bequemer wird. Schließlich bemerke Thalia eine „kontinuierlich positive Entwicklung bei Nutzung und Akzeptanz“ der Anwendung. In Ulm ist davon allerdings nichts zu sehen. Denn in der Filiale verrät mir eine Mitarbeiterin, dass die Anwendung kaum genutzt werde. Das kann aber auch daran liegen, dass die Funktion wenig beworben wird. So gibt es im Geschäft zwar den Aufsteller mit den Taschen. Am Eingang oder Schaufenster fehlt aber ein prominenter Hinweis zu der neuen Funktion „Scan & Go“.

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Über Stephan Randler 2920 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar

  1. Die Zielgruppe für Scan&Go ist aus meiner Sicht nicht der „typische“ Gastkäufer, sondern eher der mit einem Thalia Online-Kundenkonto.

    Und ja, ohne Empfang ist ein Einkauf mit einer App schlecht. Hier ist aber die Politik gefragt, das darf man Thalia nicht ankreiden,

    Der Hinweis auf das Thalia Wlan sollte natürlich vorhanden sein.

    Ich persönlich finde das Konzept gut umgesetzt auch wenn die UX im Detail sicher verbessert werden könnte.

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