Shop-Kritik: Neues Männer-Portal von dm enttäuscht zum Start

Ende Januar wurde es angekündigt, nun ist es soweit: Ab sofort betreibt die deutsche Drogeriemarkt-Kette dm unter dem Namen Seinz.com einen zusätzlichen Online-Shop, der sich aber im Gegensatz zu dem Kernangebot dm.de ausschließlich an Männer richtet und als Nischen-Shop für „Pflege, Rasur und Styling“ positioniert wird. Doch zum Start offenbart der neue Sub-Shop Seinz.com einige Schwächen.

dm Seinz
Startseite von Seinz (Bild: Screenshot)

Los geht es mit der Domain. Denn Seinz.com führt Nutzer nun direkt zu Seinz.dm.de, wodurch also der neue Männer-Shop vollständig in das Online-Kernangebot von dm integriert ist. Das zeigt sich auch beim Logo, wo unter „Seinz“ jetzt steht: „powered by dm“.

Kann man machen. Um Vertrauen aufzubauen, indem man einen neuen Online-Shop an eine etablierte Marke anlehnt. Aus diesem Grund sind zum Beispiel auch Spezial-Shops von Otto wie der Möbel-Shop YourHome.de immer „powered by Otto“.

Bei Seinz hätte ich aber auf so einen prominenten Verweis zu dm in URL und Logo verzichtet. Denn mit ihrer Hauptmarke haben sich die Karlsruher ja nach eigenen Angaben in erster Linie „bei Kundinnen etabliert“, wie es noch im Januar hieß. Mit dem neuen Nischen-Shop dagegen kann dm nun gezielt männliche Kunden erreichen, die sich nicht von der Kern-Marke angesprochen fühlen. Doch dann macht es wenig Sinn, offensiv mit der Marke „dm“ in dem Sub-Shop zu werben. Sonst kann man das Online-Sortiment des Sub-Shops einfach nur im gewohnten Umfeld bei dm.de bewerben, wo Männer-Produkte von Fremdmarken und der neuen dm-Eigenmarke Seinz parallel ohnehin erhältlich sind.

Hier müssen Kunden die Männer-Produkte aber im Drogerie-Sortiment suchen, während diese Artikel bei Seinz gebündelt angeboten werden. Passend dazu heißt es daher auch: „Über 700 Pflegeprodukte für dich ausgewählt.“ Doch ist das nun viel oder wenig Auswahl? Dabei könnte dm doch das kuratierte Sortiment ganz einfach über ein passendes Kundenversprechen eindeutig beschreiben. Etwa mit einer eindeutigen Aussage wie: „Der größte Beauty-Shop für Männer“ (falls das denn zutreffen würde).

Luft nach oben gibt es auch bei den redaktionellen Inhalten. So nennt dm zum Beispiel die Bart-Trends 2019, um rund um diesen Content dann passenderweise Rasierer, Schaum und Klingen zu bewerben. An sich eine gute Idee, doch fehlt den Texten oft Substanz. Beispiel gefällig? So steht bei Koteletten:

„Lang, kurz, dick, dünn, eckig oder rundlich: Die Form deiner Koteletten bestimmst du. Die restlichen Barthaare fallen dem Rasierer zum Opfer. Und nicht vergessen auch die andere Wange hin zu halten!“

Ach, wirklich? Mit solchen Inhalten dürfte es dm jedenfalls schwer haben, das neue Online-Angebot als „Anlaufstelle für Themen rund um Pflege, Rasur und Styling“ am Markt zu platzieren. Doch auch beim Checkout gibt es noch Luft nach oben. Wer nämlich bei Seinz bestellen will, muss das gewohnte Marken-Umfeld dann verlassen und die Bestellung auf dm.de tätigen. Das ist ein harter Bruch mitten im Checkout, der die Konversionsraten nach unten drücken dürfte. Vor allem, wenn Kunden vor dem Kauf dann noch diesen Hinweis lesen: „Shoppen läuft bei uns – bezahlen leider noch nicht“ (siehe Grafik).

dm seinz Checkout

Beim Online-Kauf auf dm.de an sich können Nutzer zwar gleich unter neun Zahlarten wählen, so dass potenzielle Kunden auch ihre liebste Payment-Methode finden sollten. Die Versandkosten sind aber mit 4,95 Euro pro Paket bei dm weiter mäßig attraktiv. Gut gelöst ist dagegen, dass es zum Start einen „10 Prozent Willkommensrabatt“ gibt. Dafür fehlt im Gegenzug für Kunden eine Registrierung für einen Newsletter, um Adressen einzusammeln und so Interessenten neue Angebote schicken zu können.

Was bleibt? An sich ist es eine gute Idee, eine männliche Klientel über eine Zweitmarke anzusprechen. Es fehlt aber die letzte Konsequenz und auch der Mut dazu, was sich in zahlreichen Querverweisen zum Haupt-Shop dm.de zeigt. Schwach sind die Inhalte und die Tatsache, dass es keinen Newsletter gibt.

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Über Stephan Randler 2270 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr