„Sell-Out“ oder „Zukunftsformat“? Die K5-Konferenz am Scheideweg

Immer wieder fragen mich Kollegen, welche Messen und Kongresse ich denn Online- und Multichannel-Händlern empfehlen kann. Kein Wunder. Denn der Veranstaltungsmarkt befindet sich im Umbruch. Die NEOCOM etwa war früher für viele Versender ein Pflichttermin, verliert aber zunehmend an Bedeutung. Die dmexco wiederum ist vielen zu aufgebläht. Bleibt die „K5“ in Berlin, die als Alternative zu NEOCOM & Co. einst gestartet war – heute mit dem frischen Format von früher aber nicht mehr viel gemein hat.

K5 Berlin
Die „K5“ Konferenz (Bild: K5 GmbH)

Zur Erinnerung: Erstmals veranstaltet wurde die „K5“ im Oktober 2011 von Jochen Krisch, der den Branchen-Blog „Exciting Commerce“ betreibt. Vor Ort waren damals rund 500 Teilnehmer, während zeitgleich in Wiesbaden die NEOCOM stattfand – damals noch als „Versandhandelskongress“.

Als Gegenpol dazu war die K5 konzipiert, die sich an wachstumsstarke Online-Händler richtete und damit eine andere Zielgruppe erreichen wollte als der Versandhandelskongress, wo nach eigener Wahrnehmung das „sinnstiftende Element vor allem die gemeinsame Vergangenheit“ gewesen sein soll.

Vor Ort waren zudem hauptsächlich Händler vertreten, Tickets wurden zudem auf Einladung verkauft. Dienstleister fand man damals auf der „K5“ dagegen nur in einer homöopathischen Dosis. So sollten sich auf einer Konferenz erstmals die „Händler über die Dienstleister austauschen und nicht die Dienstleister über die Händler„. K5-Gründer Krisch argumentierte, dass „viele der messeartigen Mammutveranstaltungen überdrüssig sind„. Und so wurde die „K5“ wirklich erfrischend anders.

Doch mit dem Konzept von damals hat die Veranstaltung heute kaum noch etwas gemein. Die „K5“ wird zunehmend zu einem austauschbaren Mainstream-Event – und damit ja eigentlich genau das, was die Konferenz doch niemals sein sollte. Beispiele gefällig? Während es früher einen selektiven Zugang gab, steht die Konferenz nun allen Zahlenden offen. Dienstleister sind auch nicht mehr außen vor und dürfen sich jetzt auf einer Ausstellung präsentieren. Dazu bekommt nun auch der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BEVH) einen Programmblock auf der Bühne – obwohl der Verband einst Veranstalter der NEOCOM war, gegen die doch die „K5“ als zeitgemäße Alternative positioniert wurde.

Branchen-Begleiter werten den neuen Weg als „absoluten Sell-out“ und kritisieren eine Partnerschaft mit dem „Endfeind“. „Kommerz vor Inhalt war bislang bei anderen Kongress-Formaten das Problem“, klagt ein Leser bei Exciting Commerce. „Die K5 macht eine Qualitäts-Nische frei.“ Die Veranstalter selbst stempeln solche Kommentare auf Nachfrage von neuhandeln.de lediglich als eine „Einzelmeinung“ ab.

K5 Berlin
Sven Rittau (Bild: K5 GmbH)

„Die Öffnung begreifen wir als Chance, ein umfassendes, inkludierendes und gleichzeitig zukunftsgerichtetes Konferenzformat anbieten zu können“, verteidigt sich Sven Rittau (siehe Foto), der die Konferenz seit dem Jahr 2014 mitveranstaltet. ​Mit der Einbindung des BEVH biete man nach eigenen Angaben vielmehr „einen alternativen Blick auf Markt und Möglichkeiten“.

Zielsetzung der „K5“ bleibe daher, die 500 größten Online-Händler zu versammeln. Tatsächlich waren im vergangenen Jahr zwar knapp 2.500 Teilnehmer vor Ort, was sicherlich eine stolze Leistung ist. Erwartet wurden im Vorfeld aber „bis zu 5.000 Teilnehmer aus Handel und Industrie„.

Die eigenen Ziele wurden dann also doch deutlich verfehlt. Kritische Stimmen gibt es zudem von Ausstellern. Hier habe man nach Informationen von neuhandeln.de zum Beispiel darunter gelitten, dass viele Teilnehmer „einfach nur auf den Kongress wollen“. Veranstalter Rittau will dennoch den Nerv der Aussteller getroffen haben, da die „K5 World Expo“ für dieses Jahr „auch schon fast ausverkauft“ sei.

Möglicherweise liegt das aber nicht daran, dass die „K5“ so überzeugen kann. Sondern weil schlichtweg die Alternativen fehlen. Bei der NEOCOM etwa gibt es in diesem Jahr gar keine begleitende Ausstellung mehr, nachdem das Multichannel-Event im Vorjahr bei Ausstellern sowie Besuchern verloren hatte.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr