„Sauberer Schnitt“: So beerdigt Bertelsmann den Buchclub

Die Bertelsmann Direct Group trägt gerade ihren Buch-Club zu Grabe – auch wenn es danach im ersten Moment gar nicht aussieht. Denn im Online-Shop deutet nichts darauf hin, dass der Club zum Jahresende eingestellt wird. Bestandskunden wurde aber nun per E-Mail mitgeteilt, dass man nach einer „sorgfältigen wirtschaftlichen Analyse“ den Club bald schließen werde.

Bertelsmann Buch-ClubIm Online-Shop merkt man nichts vom bevorstehenden Aus (Bild: Screenshot)

Konkret fällt der Vorhang einen Tag vor Weihnachten, denn Kunden können nur noch bis zum 23. Dezember um 10 Uhr beim Club bestellen. Bertelsmann verspricht, dass aber alle Kunden auch dann noch ihre Bestellungen bis Heiligabend bekommen. Bereits jetzt startet parallel ein Abverkauf, bei dem Verbraucher günstig an Lizenzausgaben von Büchern kommen können, die exklusiv für Bertelsmann produziert wurden und daher nur beim Buch-Club erhältlich sind.

Im Sortiment führt der Club zwar auch die üblichen Buchhandelsausgaben, die Kunden in dieser Form auch bei anderen Anbietern bekommen. Diese werden aber nicht vergünstigt angeboten, sondern an die Verlage zurück gegeben. Denn Bertelsmann will mit seinem Abverkauf nicht anderen Buchhändlern vor Weihnachten in die Parade fahren. Vielmehr gehe es bei der Abwicklung um einen „sauberen Schnitt„, wie es gegenüber neuhandeln.de heißt.

Zu dieser Strategie passt auch, dass Bertelsmann weder mit der Marke noch den Kunden des Clubs weitere Geschäfte machen will. Weitere Geschäfte im Konzern sind schon deshalb nicht möglich, weil Bertelsmann kein zweites Versandhandelsangebot betreibt. Und an Dritte wird man die Kundendaten wohl auch nicht vermarkten. Lediglich den Nutzern des eBook-Readers Tolino bietet man an, mit ihrem Account zu Hugendubel zu wechseln. Aus gutem Grund. So können Nutzer nämlich weiter ihre digitalen Bücher lesen, die sie beim Club gekauft haben.

„Keine Perspektive“: Club-Modell hat sich im Internet-Zeitalter überlebt

Bertelsmann hatte vor anderthalb Jahren angekündigt, den Buch-Club zum Jahresende 2015 zu schließen. Seitdem wurden bereits alle 52 Filialen geschlossen, die es vom Buch-Club im Juni 2014 noch gab. Die letzte Filiale hatte Bertelsmann dabei erst im März 2015 geschlossen.

Das Aus hatte Bertelsmann beschlossen, weil das Geschäft bereits seit Jahren zurück gegangen war. Dabei hatte sich gezeigt, dass es für das Geschäftsmodell des Clubs wirtschaftlich „keine tragfähige Perspektive“ gibt. Zu kämpfen hatte der Buch-Club unter anderem damit, dass sich Kunden im Internet-Zeitalter immer weniger an einen einzelnen Anbieter binden wollen.

Darauf basierte aber das Geschäftsmodell des Clubs. Denn hier konnten Kunden neben regulären Buchhandelsausgaben auch preisgünstigere Varianten kaufen, die es exklusiv bei Bertelsmann gab. Wer so eine Lizenzausgabe mit eigener Gestaltung und anderem Cover wollte, bekam den reduzierten Preis aber nur, wenn er Mitglied im Buchclub wurde. Im Gegenzug mussten sich Kunden verpflichten, mindestens vier Artikel im Jahr zu kaufen.

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Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

1 Kommentar zu „Sauberer Schnitt“: So beerdigt Bertelsmann den Buchclub

  1. Nun, der Vermarktung der Kundendaten dürfte ja schon der Streit wg der Provisionszahler an die Kundenwerber entgegen stehen. Man wird sich ja erst recht nicht vor Provisionszahlungen drücken können, wenn man die geworbenen Kunden weiter nutzt.

    Ist der Prozess eigentlich durch bzw entschieden? Ist irgendwie an mir vorbeigegangen.

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