Sanierung von Sport Voswinkel: 22 von 72 Filialen sollen schließen

Ende April 2019 hatte der Sportartikel-Spezialist Voswinkel ein so genanntes „Schutzschirmverfahren“ beantragt. Vor wenigen Tagen hat das Amtsgericht Dortmund die Fortführung des Unternehmens in Eigenverwaltung angeordnet. Damit geht die Restrukturierung nach eigenen Angaben „planmäßig“ weiter, der Sanierungsplan für Sport Voswinkel soll in Kürze beim Amtsgericht eingereicht werden.

Sport Voswinkel
Eigenes Ladengeschäft (Bild: Sport Voswinkel)

Dieser sieht die folgenden Punkte vor: 22 der aktuell insgesamt 72 Filialen von Sport Voswinkel sollen geschlossen werden. Hier beendet der Sportartikel-Spezialist bei den meisten der betroffenen Geschäfte die Mietverträge zum 31. Oktober 2019, während ein Store zum 31. März 2020 schließen soll.

Im Warenverteilzentrum (Bochum) und der Verwaltung (Dortmund) ist zudem jeweils eine „umfangreiche Reorganisation“ geplant. Von allen Maßnahmen sind insgesamt 275 Arbeitsplätze betroffen. Einen Interessenausgleich und Sozialplan hat die Geschäftsführung bereits mit dem Betriebsrat vereinbart.

„Die Schließung der Filialen und damit den Wegfall von Arbeitsplätzen bedauern wir außerordentlich“, betont nun Voswinkel-Chef Marcus Neul. „Aber wir müssen diesen Schritt gehen, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen und es zu erhalten.“ Löhne und Gehälter der Mitarbeiter werden jetzt wieder selbst von Voswinkel gezahlt, davor gab es drei Monate lang das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur.

Dass der Sportartikel-Händler in Schieflage geraten ist, hat verschiedene Gründe. So leidet der Sport-Spezialist nach eigenen Angaben unter anderem in Filialen unter Frequenzrückgängen und spürt einen „erhöhten Wettbewerbsdruck“ durch Konkurrenten aus dem Online-Handel und Discounter. So gab es im vergangenen Geschäftsjahr 2017/2018 (Ende: 30. September) zwar einen Umsatz von rund 139 Mio. Euro, der damit aber zum Vorjahr nach eigenen Angaben um rund fünf Prozent abgenommen hat.

Sport Voswinkel wurde 1904 in Bochum gegründet, der Firmensitz befindet sich in Dortmund. Seit dem Jahr 2003 gehört der Händler zu der Intersport-Gruppe. Zu Sport Voswinkel gehören hierzulande 72 Filialen und rund 1.200 Mitarbeiter, die meisten Ladengeschäfte befinden sich in Nordrhein-Westfalen.

Über ein Schutzschirmverfahren können sich Unternehmen neu aufstellen. Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die selbst die Sanierung steuert. Rechtlich wird das möglich, wenn Unternehmen bei Problemen frühzeitig selbst tätig werden und genug Spielraum für eine Lösung besteht. Dann kann der Schuldner maximal drei Monate einen Rettungsschirm beanspruchen und die Sanierung vorbereiten, indem er einen Sanierungsplan ausarbeitet. Das Verfahren soll zum 31. Oktober 2019 beendet sein.

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Über Stephan Randler 2292 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr