Otto-Konzern will drei Versender auf einmal verkaufen

Der Otto-Konzern will das Portfolio der französischen 3SI-Gruppe weiter ausdünnen. So sollen mit Becquet, Blancheporte und Venca gleich drei Versendermarken parallel an einen neuen Eigentümer verkauft werden, wie die französische Versendergruppe mitteilt. Hintergrund ist, dass man sich bei der 3SI-Gruppe künftig verstärkt auf Kernaktivitäten konzentrieren will.

Becquet.frDer Anbieter Becquet hat keine Zukunft im Otto-Universum (Bild: Screenshot)

Becquet ist als Spezialversender für Heimtextilien in Frankreich aktiv. Blancheporte wiederum konzentriert sich auf Mode für Frauen über 45 Jahren und verkauft in Frankreich und Belgien sowie der Tschechischen Republik und der Slowakei. Mit der Mode-Marke Venca ist man vor allem in Spanien und Portugal aktiv, wobei man die Mode auch in Deutschland kaufen kann.

Alle Versender der französischen 3SI-Gruppe stammen aus dem klassischen Kataloggeschäft und werden von der Otto-Gruppe derzeit kräftig umgebaut, um im ECommerce-Geschäft mit aufstrebenden Online-Pureplayern mithalten zu können. Vor diesem Hintergrund werden zum Beispiel keine klassischen Kataloge mehr verschickt, was zu Umsatzeinbußen führt. Deshalb gab es im vergangenen Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 28. Februar) ein Umsatzminus von 11,8 Prozent auf 851 Mio. Euro netto bei der französischen 3SI-Gruppe. Die Kosten für die Restrukturierung belasteten zudem das Ergebnis. Auch aus diesem Grund hat der gesamte Otto-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von -196 Mio. Euro eingefahren.

„Vom Papierkatalog ins Online-Business“: Umbau erfolgreich abgeschlossen

An der französischen Versendergruppe 3SI hatte sich der Otto-Konzern in den 1980er Jahren beteiligt und bis vor einem Jahr die knappe Mehrheit gehalten. Zur Gruppe zählen zahlreiche Service-Dienstleister und Versendermarken, darunter auch die Kernmarke „3Suisses„.

Anfang 2014 wurden die Versender und Service-Gesellschaften der 3SI-Gruppe komplett vom Otto-Konzern gekauft. Als alleiniger Gesellschafter restrukturiert der Otto-Konzern seitdem die einzelnen 3SI-Marken zu ECommerce-Unternehmen. Das sei sowohl bei Venca als auch bei Blancheporte und Becquet gelungen, die den Schritt „vom Papierkatalog ins Online-Business“ erfolgreich geschafft hätten und nach eigenen Angaben wieder kostendeckend arbeiten.

Der Konzern trennt sich dennoch von den drei Marken, weil man bei den Gesellschaften unter einem anderen Eigentümer bessere Perspektiven sieht. Mit einer ähnlichen Begründung hat sich der Konzern erst gerade eben vom Content-Produzenten Cité Numérique getrennt, der als Dienstleister ebenfalls bei der 3SI-Gruppe angesiedelt war. Nicht mehr zum Portfolio zählt auch der deutsche Shop der französischen Versendermarke 3Suisses, der vor einem Jahr eingestellt wurde – um sich auf das Kerngeschäft in Frankreich und Belgien zu konzentrieren.

Verkauft wurde inzwischen auch der Direktmarketing-Dienstleister Taylormail, dazu hat man das Geschäft von 3Pagen und Vitrine Magique verschmolzen. Geschlossen wurde zudem der Online-Marktplatz LeChouchou.com, der organisatorisch bei 3Suisses aufgehängt war. Dazu trennt man sich von Magnet, das zu Blancheporte gehört. Von den Versendermarken sind so noch 3Suisses, Unigro, Helline, Witt, 3Pagen, Exédence sowie Vitrine Magique und Otto Office übrig – wobei sich der Konzern ja auch bald noch von Otto Office trennen will.

Auf Dienstleisterseite baut man noch auf Mondial Relay (Transport) und Dispeo (Fulfillment) sowie Mezzo (Call Center). Laut dem aktuellen Geschäftsbericht der Otto-Gruppe wird die Neuausrichtung der 3SI-Gruppe auch das laufende Geschäftsjahr noch „erheblich belasten„.

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Über Stephan Randler 2295 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr