Neue Mini-Märkte: Saturn positioniert sich wie Cyberport

In dieser Woche hat die Media-Saturn-Gruppe angekündigt, bestehende Märkte mit modernen VR-Anwendungen aufzurüsten. Doch das ist nicht die einzige Neuerung in diesen Tagen. Denn unter dem Motto „Saturn Connect“ testen die Ingolstädter jetzt auch noch ein komplett neues Store-Format – das Erinnerungen an die Filialen des direkten Wettbewerbers Cyberport weckt.

Saturn Connect KölnDie Connect-Stores sind stylischer als klassische Märkte (Bild: Media Saturn)

Denn die neuen Märkte im Connect-Format fallen deutlich kleiner aus als klassische Saturn-Märkte. So verkauft der Elektronik-Spezialist in den Connect-Stores nur auf einer Fläche von 300 bis 700 Quadratmetern, während klassische Märkte im Durchschnitt auf einen Wert von 3.000 Quadratmetern kommen. Weil es vor Ort weniger Platz gibt, sind auch nur ca. 8.000 Artikel vorrätig – in einem klassischen Markt sind es zwischen 30.000 und 40.000 Produkte, im hauseigenen Online-Shop Saturn.de werden aktuell sogar rund 130.000 Artikel angeboten.

Doch nicht nur die Sortimentsbreite unterscheidet sich, auch der Schwerpunkt liegt in den neuen Connect-Stores woanders. So zeigt Saturn in seinen Mini-Filialen vor allem „digitale Lifestyle-Produkte“ wie Smartphones und Tablets samt dem passenden Zubehör. Damit will Saturn zur zentralen Anlaufstelle für technikaffine Kunden in den Innenstädten werden.

Ähnlich positioniert sich auch der Wettbewerber Cyberport, der seit Herbst 2014 mit dem Slogan “Digital Outfitters” um Kunden wirbt. Auch hier gibt es im Online-Shop mit über 40.000 Produkten deutlich mehr Ware als in dem guten Dutzend Stores, die im Schnitt zwischen 1.000 und 3.000 Produkte führen. In dem Münchner Store präsentiert Cyberport zum Beispiel seine Produkte ebenfalls auf offenen Tischen (siehe Foto unten), wie es nun auch Saturn beim neuen Connect-Format macht. Kein Zufall. Denn gegenüber neuhandeln.de argumentiert die Media-Saturn-Gruppe, dass die neuen Connect-Stores das Ergebnis dessen seien, was sich die Kunden wünschen. Dazu habe man analysiert, wie sich die Wettbewerber positionieren.

Cyberport MünchenCyberport positioniert sich als „Digital Outfitter“ für Kunden (Bild: Cyberport)

Im Hintergrund arbeiten die neuen Connect-Stores dann aber doch ein wenig anders als die Filialgeschäfte von Cyberport. Denn jeder neue Connect-Store hängt konzeptionell an einem klassischen Saturn-Markt, der sich im Idealfall in Fußnähe eines Connect-Stores befindet.

Der Hintergrund: In einem Connect-Store arbeiten in der Regel 15 Mitarbeiter, die sich nur auf den Kundenservice konzentrieren sollen. Diese Angestellten brauchen sich daher nicht darum zu kümmern, dass beispielsweise die Regale aufgefüllt werden – wie es bei den bekannten Saturn-Märkten der Fall ist. Stattdessen übernehmen solche Arbeiten die Mitarbeiter aus dem klassischen Saturn-Markt in der Nähe, an den ein Connect-Store angedockt wird. Diese Nähe hat auch einen zweiten Hintergrund: So kann zum Beispiel im neuen Connect-Store ein Kunde nach einem Produkt wie einer CD suchen, das in dem Mini-Markt gar nicht angeboten wird. In diesem Fall soll dann ein Service-Mitarbeiter aus dem Connect-Store die gewünschte Ware aus dem klassischen Markt in der Nähe holen, so dass der Kunde doch sein Produkt bekommt.

In den neuen Connect-Märkten gibt es aber auch Multichannel-Services, die Media-Saturn in den klassischen Geschäften bereits bietet. So haben die Mitarbeiter zum Beispiel ein iPad in einer Tragetasche, um auf Wunsch online ein Produkt zu bestellen, das es vor Ort nicht gibt. In den Connect-Märkten gibt es zudem einen Abholtresen, an dem Kunden – wie in den anderen Märkten – die Produkte abholen können, die sie zuvor im Online-Shop bestellt haben.

Das neue Connect-Format testet Media-Saturn seit gestern in einem neu eröffneten Store in Köln. Wenn das Konzept aufgeht, sollen im kommenden Jahr weitere Connect-Stores folgen.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr