Neue Smartphone-App als Zugpferd: So verdoppelt dm seinen Online-Umsatz

Bei der Drogeriemarkt-Kette dm boomt das Geschäft im E-Commerce. So konnten die Karlsruher im vergangenen Geschäftsjahr 2019/20 (Ende: 30. September) den Brutto-Umsatz verdoppeln, der über den deutschen Online-Shop erwirtschaftet wurde. Wieso das Online-Geschäft momentan so brummt, erklärt im Exklusiv-Interview Sebastian Bayer, Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung bei dm.

Sebastian Bayer
Sebastian Bayer (Bild: dm)

neuhandeln.de: Wie sehr befeuert Corona bei dm das Online-Geschäft?

Sebastian Bayer (siehe Foto): „Keine Frage: Das Coronavirus ändert auch bei uns die Art und Weise, wie Kunden einkaufen. So verlagern Verbraucher in der Corona-Krise generell mehr Käufe ins Internet, weil der Kauf vor Ort an Attraktivität verliert – zum Beispiel, weil die Maske manche Kunden beim Einkauf stört. Mehr als eine halbe Million Kunden besuchten im vergangenen Geschäftsjahr täglich den Online-Shop dm.de im Durchschnitt. Im Jahr zuvor waren es erst durchschnittlich rund 400.000 Kunden am Tag.“

neuhandeln.de: Dort finden Verbraucher inzwischen ja auch mehr Artikel als in einer Filiale.

Bayer: „In der Tat führt der deutsche Online-Shop dm.de aktuell mehr als 18.000 Artikel, während es vor Ort im Schnitt 12.500 Artikel gibt. Dass wir im Internet mehr anbieten, hat verschiedene Gründe. So testen wir im Online-Shop zum Beispiel, wie Kunden neue Artikel annehmen. Wenn die Ware ankommt, bringen wir die Artikel anschließend auch in die lokalen Märkte. Dort listen wir außerdem immer wieder Artikel aus, die vor Ort nicht stark genug nachgefragt werden. Online aber können wir solche Produkte trotzdem anbieten. Denn wir haben im Lager auch Platz für Artikel, die keine Schnelldreher sind. Bei manchen Sortimenten bieten wir zudem online ein tieferes Sortiment an – etwa bei Tiernahrung. Dazu gibt es Artikel wie Windeln online in weiteren Größen wie Monatspackungen. Wenn wir diese in einer Filiale anbieten würden, wären die Regale vor Ort bereits mit nur ein paar wenigen Packungen voll.“

neuhandeln.de: Gerade solche XXL-Packungen kaufen Kunden ja bevorzugt online.

Bayer: „Auch bei uns bestellen Kunden gerne große Produkte, die sie so nicht selbst aus einem Markt nach Hause tragen müssen. Der wesentliche Grund für unser Wachstum ist aber nicht das Sortiment, sondern ein verändertes Kundenverhalten. Wir wachsen online stark, weil einfach immer mehr Kunden bei dm.de einkaufen. Und hier ist Corona nur ein Treiber. So haben wir im vergangenen Jahr auch eine Shopping-App für das Smartphone veröffentlicht, die bei unseren Kunden sehr gut ankommt und für uns ein Zugpferd ist. Bereits mehr als eine Million Kunden haben sie zum Einkaufen genutzt. Fast die Hälfte unseres Online-Umsatzes basiert auf Bestellungen, die über die Mobile-App getätigt wurden.“

dm Umsatz
Brutto-Umsatz in Deutschland und Europa im Geschäftsjahr 2019/20 (Bild: dm)

Den deutschen Online-Shop auf dm.de hat die Drogeriemarkt-Kette im Sommer 2015 gestartet. Über alle Vertriebskanäle wurde im vergangenen Geschäftsjahr ein Brutto-Umsatz von rund 8,5 Mrd. Euro in Deutschland erzielt, was einem Plus von 2,1 Prozent entspricht (siehe Grafik oben). Konkrete Zahlen zum Online-Geschäft nennt dm auch auf Nachfrage nicht. Im vorletzten Geschäftsjahr 2018/19 hatte dm nach eigenen Angaben einen Brutto-Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe erreicht. Selbst bei einem doppelt so hohen Online-Umsatz bleibt das E-Commerce-Geschäft also weiter eine Randnotiz.

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Über Stephan Randler 2653 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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