Neue Deutschland-Strategie: AO.de wird auch Logistik-Dienstleister

Der britische Elektronik-Versender AO.com schraubt an seinem Geschäftsmodell in Deutschland. Denn hierzulande verkaufen die Briten seit inzwischen fünf Jahren weiße Ware und Unterhaltungselektronik, die – im Gegensatz zu Konkurrenten – über eigene Zusteller ausgeliefert wird. Und mit diesem Logistik-Netzwerk will sich der Elektronik-Spezialist in Deutschland nun eine zweite Einnahmequelle aufbauen.

AO Deutschland
Lieferwagen von AO.de (Bild: AO.com)

Konkret geplant ist demnach, dass AO Deutschland als Logistik-Dienstleister für Dritte tätig wird und Ware für andere Händler und Hersteller ausliefern soll. Nach eigenen Angaben befindet sich AO Deutschland in „konkreten Gesprächen“ mit potenziellen Partnern, erste Tests sind bereits gelaufen.

„Bei Elektro-Großgeräten sind wir Experten“, argumentiert Sascha Hubert, bei AO Deutschland als „Head of Logistics Services“ verantwortlich. „Partner suchen wir entsprechend in diesem Umfeld bei Retailern sowie Herstellern.“ Ebenso sehe AO.de ein großes Kunden-Potenzial in der Möbel-Branche.

Überraschend kommt es nicht, dass AO in Deutschland sein Logistik-Netzwerk für Dritte öffnet. Denn in Großbritannien ist der Elektronik-Spezialist bereits seit dem Jahr 2003 als Logistik-Dienstleister für Dritte tätig – parallel zum eigenen Online-Handel mit weißer Ware, der im Jahr 2001 gestartet wurde. Über das Service-Geschäft mit Logistik-Leistungen wurde im vergangenen Geschäftsjahr 2018/19 (Ende: 31. März) ein Netto-Umsatz von 15,3 Mio. Pfund erzielt. Zum Vergleich: Mit den Warenverkäufen über den Online-Shop AO.com wurde im selben Zeitraum gleich ein Netto-Umsatz von 628,4 Mio. Pfund erwirtschaftet.

Das Service-Geschäft ist so gesehen nur eine Randnotiz im AO-Business. Dennoch macht es Sinn, auch in Deutschland für Drittanbieter auszuliefern. Denn so kann AO seine Logistik besser auslasten, was dem Geschäft durchaus guttun dürfte. Schließlich haben die Briten im vergangenen Jahr beim Geschäft auf dem europäischen Festland (Deutschland und Holland) zwar einen Netto-Umsatz von 173,3 Mio. Euro erzielt. Parallel wurde aber ein Verlust von 31,3 Mio. Euro eingefahren (angepasstes EBITDA).

Basis des Logistik-Netzwerks von AO in Deutschland ist ein Zentrallager in Bergheim (bei Köln), von wo aus die Ware in LKWs mit 40 Tonnen Gesamtgewicht an 15 regionale Depots verteilt wird. Von hier aus wird die Ware dann mit kleineren LKWs (3,5 oder 7,5 Tonnen) an die Kunden zugestellt. Dabei nutzt AO mehr als 150 eigene Fahrzeuge, die künftig auch für Partner genutzt werden sollen. Ausgeliefert wird die Ware wahlweise in grünen AO-Vans (siehe Foto) oder in Fahrzeugen mit neutralem Branding. Denn einige Regional-Depots werden von Partnern betrieben. Punkten will AO bei Kunden aber nicht nur mit der Zustellung an sich, sondern auch mit Kunden-Services wie einem Zwei-Mann-Handling mit einem „freundlichen und kompetenten Auftreten“ sowie Installationsservices und Mitnahme von Altgeräten.

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Über Stephan Randler 2265 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

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