Neue App: Otto schickt Schnäppchen auf die Apple Watch

Ab sofort bietet auch der Otto-Versand eine App für die Apple Watch an. Damit befinden sich die Hanseaten zum einen in guter Gesellschaft, da vor kurzem bereits Amazon, QVC und Vente Privée erste Apps für die Smartwatch des Apfel-Konzerns an den Start brachten. Zum anderen setzt Otto bei seiner neuen Anwendung auch auf ein Mobile-Konzept, das in einer ähnlichen Form bereits Amazon, QVC und Vente Privée bei ihren Apps für die Apple Watch nutzen.

Otto App für Apple WatchWeil der Platz auf der Apple Watch begrenzt ist, verzichtet Otto darauf, sein komplettes Universalangebot zu zeigen. Stattdessen können Nutzer auf der Smartwatch nur den „Deal des Tages“ sehen. Unter diesem Motto gibt es bei Otto jeden Tag ein anderes Produkt zum Schnäppchenpreis, das Kunden maximal einen Tag lang zu den günstigen Konditionen bestellen können oder solange der Vorrat reicht. Wenn ein Angebot startet, wird man auf der Apple Watch über eine Push Notification benachrichtigt.

Zum Vergleich: Bei Vente Privée können sich Kunden informieren lassen, wenn eine der zeitlich limitierten Verkaufsaktionen des Shopping-Clubs startet. QVC dagegen zeigt, welches Produkt denn gerade live im Fernsehen angeboten wird. Gemein haben diese Anwendungen mit der neuen Otto-App, dass Verbraucher auf der Apple Watch dann zeitnah informiert werden, wenn besonders günstige oder limitierte Angebote in den Verkauf kommen. Mit den Apps für die Apple Watch sollen Kunden also sicher stellen, dass sie keine Schnäppchen mehr verpassen – während der Versandhändler im Idealfall von (zusätzlichen) Impulskäufen profitiert.

Versender werben gern mit Schnäppchen – was den Nutzer ärgern könnte

Tatsächlich könnte es für Kunden ein Mehrwert sein, wenn sie über interessante Deals auf der Apple Watch direkt am Handgelenk informiert werden. Eine Push Notification kann man zwar auch auf dem Smartphone empfangen. Wenn das aber in der Hosentasche steckt, bekommt man eine Nachricht unterwegs eventuell nicht mit und verpasst ein interessantes Angebot.

Christian LuppDie Kehrseite ist allerdings: Watch-Apps sind noch näher an den Kunden als eine Anwendung auf dem Smartphone. Wenn daher die beworbenen Produkte nicht interessant sind oder den Nutzer auf der Apple Watch schlichtweg zu viel Werbung erreicht, kann der Schuss auch nach hinten losgehen. „Es besteht dann die Gefahr, dass Verbraucher nach der zwanzigsten Notification eine App wutentbrannt von ihrer Watch löschen,” warnt Christian Lupp (siehe Foto), der sich mit CodeDifferent auf die App-Entwicklung spezialisiert hat.

Dabei müssen einem Nutzer nicht einmal die Nachrichten eines einzelnen Versenders zuviel werden. Wenn nämlich weiter viele Versender auf der Apple Watch immer ihre Schnäppchen präsentieren, könnte das auch in Summe zu viel für die Nutzer werden – wenn ein Verbraucher zum Beispiel die Apps von verschiedenen Händlern auf seiner Smartwatch installiert hat.

Es gibt aber noch einen zweiten Fallstrick. Denn Apps für die Apple Watch kann man immer nur anbieten, wenn man bereits eine Anwendung für das iPhone zur Verfügung stellt. Denn auf der Apple Watch lassen sich zwar Angebote darstellen. Bestellen kann man sie aber nur über eine zweite Anwendung für das iPhone, das Nutzer mit ihrer Apple Watch koppeln müssen.

Die Apple Watch ist zudem erst seit kurzem erhältlich und dürfte daher noch eine geringe Verbreitung haben. Auch vor diesem Hintergrund dürften auf absehbare Zeit nur die großen Versender mit entsprechenden Apps experimentieren, während kleinere Player ihr Budget wohl lieber in andere Kanäle investieren. „Für uns ist es dennoch wichtig, dass wir uns mit neuen Technologien im E-Commerce befassen und deren Möglichkeiten testen„, argumentiert Marc Opelt, Otto-Bereichsvorstand für Vertrieb. Denn bei Smartwatches sehen die Hanseaten durchaus das Potenzial, dass diese Geräte ein relevanter Touchpoint für die Kunden werden könnten.

Schon gewusst? Jeden Freitag erscheint der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de – so erhalten Sie alle Beiträge bequem in Ihr Postfach und verpassen keine Artikel mehr. Über 1.900 Kollegen aus dem Versand- und Multichannel-Handel beziehen bereits den Newsletter – hier geht es zum Abo.

Über Stephan Randler 2265 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr