Apple Watch: Wieso Shopping-Apps die Ausnahme bleiben

QVC macht es, Vente Privée ebenfalls und Amazon sowieso: Immer mehr Big Player aus dem internationalen Versandhandel investieren in Shopping-Apps für die Apple Watch, damit sie ihre Kunden nun auch über die Smartwatch des Apfel-Konzerns bequem erreichen können.

Vente Privée AppEinheimische Händler bieten bislang allerdings noch keine Apps für die Apple Watch an. Das mag daran liegen, dass der Verkaufsstart des neuen Apple-Gadgets hierzulande noch bevor steht und es damit – Stand heute – noch gar keine Kunden gibt, die solche Apps nutzen könnten. Man kann aber davon ausgehen, dass deutsche Online-Händler auch in Zukunft nur in absoluten Ausnahmefällen eigene Apps für die Apple Watch programmieren werden. Dafür sprechen zur Zeit jedenfalls einige Gründe.

Das wohl entscheidenste Argument ist: Damit eine App auf dem Handgelenk wirklich sinnvoll ist, sollte sie dem Kunden auch einen (Zusatz-)Nutzen bieten. „Eine 08/15-Lösung führt bei Apps schnell zu Ernüchterung oder im schlimmsten Fall zu verärgerten Kunden„, warnt Christian Lupp, der sich mit CodeDifferent auf die App-Entwicklung spezialisiert hat. „Nur wer den direkten Draht zum Kunden intelligent nutzt, kann sich wirklich einen echten Wettbewerbsvorteil erarbeiten.

Bei Vente Privée können sich Kunden zum Beispiel informieren lassen, wenn eine der zeitlich limitierten Verkaufsaktionen startet (siehe Foto). QVC wiederum zeigt, welches Produkt denn gerade live im Verkaufsfernsehen zu sehen ist. Der Hintergedanke ist jeweils, dass Nutzer durch die Nachricht am Handgelenk nicht mehr leer ausgehen und keine Verkäufe verpassen.

Apps für die Apple Watch: Hohe Einstiegsbarrieren für Versender

Das klingt durchdacht. Denn eine Info am Handgelenk kann ein echter Mehrwert gegenüber einer klassischen Push Notification sein, die Nutzer auch auf ihrem iPhone erhalten können.

Christian LuppHier kann der Verbraucher unter Umständen aber eine Meldung verpassen, weil er die Benachrichtigung nicht hört – wenn das iPhone etwa in der Tasche steckt. Doch es droht auch, dass einige Versender das Rad auf der Apple Watch überdrehen und Kunden mit Infos zuballern. „Die Watch-Apps sind noch näher an den Nutzern als klassische Smartphone-Apps„, weiß Lupp (siehe Foto links). „Das birgt die Gefahr, dass Verbraucher nach der zwanzigsten Notification eine App wutentbrannt von ihrer Watch löschen.“

Manche Experten malen sogar noch ein schwärzeres Bild. „Für klassische Online-Händler gibt es für die Apple Watch kaum einen Mehrwert, der nicht schon über eine Smartphone-App abgedeckt werden könnte„, befürchtet Karl Hecker, Sales Director bei dem auch auf App-Entwicklung spezialisierten Münchner Dienstleister w&Co, der neuhandeln.de als Sponsor unterstützt.

Was den Weg zum Handgelenk des Kunden ebenfalls erschwert: Eine App für die Apple Watch kann man nur anbieten, wenn es bereits eine bestehende Anwendung für das iPhone oder iPad gibt. Denn Apps für die Apple Watch sind immer nur Add-Ons einer bestehenden App.

QVC AppAus diesem Grund müssen Kunden von QVC zum Beispiel auch das iPhone aus der Tasche kramen, wenn sie das aktuelle TV-Produkt ordern wollen (siehe Foto). Denn abschließen kann man den Online-Einkauf auf der Apple Watch nicht. Deutsche Händler beschränken sich aber gerne darauf, ihren Online-Shop für mobile Seiten zu optimieren. Eine App als Basis gibt es dann nicht und Versender müssten erst eine klassische App als Voraussetzung entwickeln, um überhaupt auf der Apple Watch präsent sein zu können.

Diese Investitionen dürfte aber kaum ein mittelständischer deutscher Online-Händler auf sich nehmen. „Für Markenhersteller sehr ich mehr Potenzial„, analysiert Hecker. „Aber auch die werden wohl erst einmal abwarten, wie sich der Markt für Smartwatches entwickelt und im Zweifelsfall eher Apps für die klassischen Mobile-Devices wie Smartphone entwickeln.“ Kein Wunder: Hier ist aktuell das Potential durch die Marktabdeckung größer, so dass sich Investitionen schneller rechnen.

Schon gewusst? Jeden Freitag erscheint der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de – so erhalten Sie alle Beiträge bequem in Ihr Postfach und verpassen keine Artikel mehr – hier geht’s zum Abo.

close

Keine News mehr verpassen?

Unser kostenloser Newsletter liefert jeden Freitag alle neuen Beiträge in Ihr E-Mail-Postfach.

Aktuell. Bequem. Zuverlässig.

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung. Meine Einwilligung kann ich in jeder Mail widerrufen.

Über Stephan Randler 3045 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar

  1. Im stationären Bereich dürfte es in der Tat spannend werden. Netto ermöglicht bereits die Zahlung via Apple Watch: http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Discounter-Netto-Zahlung-auch-mit-Apple-Watch-2618121.html

    Ob tatsächlich eine größere Anzahl an Kunden auf dem Mini-Display der Apple Watch Schuhe bei Zalando einkauft ( http://etailment.de/thema/news/Amazon-lokale-H%C3%A4ndler-Zalando-Apple-Watch-3275 ), ist sicherlich mehr als fraglich.

    Die Frage ist einmal mehr, ob dem Kunden ein *echter* Mehrwert (nicht nur ein Pseudo-Mehrwert für die Powerpoint-Folien) geboten wird. Hier finde ich Überlegungen in Richtung Concierge Dienste im mobilen Kontext wesentlich spannender als eine Mini-Version der Website, bzw. der App (dazu auch: http://www.nicozorn.com/das-phaenomen-gobutler-200-000-anfragen-in-acht-wochen/ ).

    D.h.: Siri nimmt auf meiner Uhr Wünsche entgegen und gibt sie an GoButler weiter – das funktioniert und Bedarf noch nicht einmal einer (Smartwatch) App.

Kommentare sind deaktiviert.