Nachgefragt: Warum DaWanda sein Store-Format verändert

Unter dem Namen Snuggery („gemütliche Stube“) betreiben die Macher des Online-Marktplatzes DaWanda bereits seit September 2012 in Berlin ihr erstes stationäres Ladengeschäft:

DaWanda SnuggeryBildquelle: DaWanda

„Über 500 handgemachte Produkte aus dem großen DaWanda-Sortiment können in der DaWanda Snuggery bestaunt, angefasst und anprobiert werden. […] Die Besucher können zudem bei den regelmäßig stattfindenden, kostenlosen Do it yourself-Workshops ihrer eigenen Kreativität freien Lauf lassen und immer neue Materialien und Techniken ausprobieren.“

Diese Woche wird das Geschäft neu eröffnet und der Showroom dabei zum Concept Store:

In dem Ladengeschäft des Online-Marktplatzes für Selbstgemachtes rückt die kreative Erlebniswelt noch stärker in den Vordergrund. […] Dafür wird die Snuggery um ein urbanes Café erweitert. […] Für eigene DIY-Projekte stehen Werkzeug und Geräte wie beispielsweise eine Glasschneide- und eine Nähmaschine bereit. Ergänzend wird das ehemalige Klick Filmtheater, das sich in den hinteren Räumlichkeiten der Snuggery befindet, in den Betrieb integriert und steht künftig für Präsentationen und private Filmvorführungen zur Verfügung.“

Neben dem gewohnten Showroom mit rund 500 Produkten gibt es künftig also auch Kaffee und Werkzeug, das bisher nur bei den Workshops zur Verfügung stand. So will DaWanda erreichen, dass Besucher der Snuggery künftig jederzeit ihre Kreativität ausleben können (via Mail):

Der Community-Gedanke ist sehr wichtig. […] Daher möchten für all den Kreativen und DIY-Begeisterten einen inspirierenden Ort bieten, an dem sie dauerhaft gemeinsam kreativ sein können, aktuelles aus der DIY-Welt erfahren, bei Kaffee und Snacks gemütlich beisammen sitzen und auch Materialien oder Maschinen ausprobieren können, die nicht jeder hat.“

Auf dem Papier wirkt der Ansatz sinnvoll. Denn selbst wenn vor Ort ein Sortiment von 500 Produkten zu sehen ist, das alle drei Monate wechselt: In einem Showroom kann DaWanda immer nur einen Bruchteil seines Sortiments zeigen, da momentan auf dem Online-Marktplatz für Selbstgemachtes etwa 4,3 Mio. Artikel von 270.000 Herstellern erhältlich sind. Insofern scheint es sinnvoll, den Schwerpunkt im Showroom zunehmend auf solche Aspekte zu legen, die auf das (Einkaufs-)Erlebnis vor Ort einzahlen und damit das Online-Angebot sinnvoll ergänzen.

DaWanda wurde 2006 gegründet, aktuell ist der Online-Marktplatz in acht Sprachen verfügbar. Im vergangenen Jahr hat das Handelsvolumen auf dem Marktplatz (Wert der gehandelten Ware) nach eigenen Angaben über 100 Mio. Euro (inkl. MwSt.) betragen. DaWanda verdient an Angebotsgebühren und Verkaufsprovisionen. Umsätze verrät DaWanda nicht, laut Unternehmensregister gab es 2012 einen Jahresfehlbetrag von -4,9 Mio. Euro. Hintergrund ist, dass DaWanda damals nach einer neuen Finanzierungsrunde in weiteres Wachstum investiert und dabei Büros in mehreren Ländern eröffnet hatte (Spanien, Italien, Polen, Holland und Frankreich).

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr