„Konsequenzen aus Corona-Pandemie“: myMuesli schließt fast alle Geschäfte

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Die myMuesli GmbH schließt fast all ihre Filialen im Einzelhandel dauerhaft. Hier betreibt ja der Müsli-Spezialist aus Passau momentan mehr als 20 eigene Ladengeschäfte in der DACH-Region, von denen sich der Großteil in Deutschland befindet. Übrig bleiben sollen davon lediglich das eigene Geschäft am Firmenstandort Passau sowie die zwei Läden in München und in Geislingen (südöstlich von Stuttgart).

MyMuesli Filiale
Filiale von myMuesli (Bild: myMuesli GmbH)

Begründet wird dieser Kahlschlag damit, dass myMuesli nun „Konsequenzen
aus der Corona-Pandemie“ für seine Ladengeschäfte ziehen müsse. Zwar waren die Geschäfte zum Beispiel im Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 ja geöffnet, weil der Verkauf von Lebensmitteln vor Ort weiter gestattet war.

Bei seinem Filialgeschäft habe myMuesli dennoch unter dem „versiegenden Publikumsverkehr“ gelitten. Selbst nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 waren die Umsätze in den Monaten danach um bis zu 80 Prozent geringer ausgefallen als im Vorjahr – obwohl der Shutdown vorbei war.

„Ob sich das Umsatzniveau wieder stabilisiert, können wir nicht einschätzen“, argumentiert daher nun Philipp Kraiss, einer der beiden Geschäftsführer von myMuesli. Einen Teil der Umsatzausfälle aus dem stationären Einzelhandel habe myMuesli im vergangenen Jahr unter anderem noch über sein Online-Geschäft kompensiert. Doch in diesem Jahr müssten „nachhaltigere Konsequenzen gezogen“ werden.

Aus strategischer Sicht ist das Aus wohl zu verschmerzen. Zum einen macht myMuesli ja bereits den Löwenanteil von seinem Umsatz über den E-Commerce, die eigenen Filialen hatten zuletzt nur rund zehn Prozent zum Gesamtumsatz beigesteuert. Und während online Kunden ein individuelles Müsli mischen lassen können, müssen Kunden in den Filialen mit vorgefertigten Müslis vorlieb nehmen.

Filialnetz wurde schon einmal deutlich verkleinert

Der Hintergrund ist, dass die Passauer nicht alle Zutaten für individuelle Mischungen in ihren Filialen bevorraten können. Damit geht das Filialgeschäft eigentlich schon immer am Kern des Unternehmens vorbei. Und das Aus der eigenen Filialen bedeutet auch nicht, dass Kunden die Produkte nur noch im Internet bekommen. Denn vorgefertigte Müsli-Mischungen finden Verbraucher auch bei Partnern aus dem Lebensmittel-Einzelhandel wie Supermärkten, wo es die Angebote ja auch weiterhin geben wird.

myMuesli war im April 2007 als Online-Pureplayer gestartet, die erste Filiale hat man aber bereits 2009 am Firmensitz Passau eröffnet. In den folgenden Jahren kamen immer wieder neue Standorte dazu, bis es dann im Jahr 2018 erstmals eine deutliche Kurskorrektur gab. Denn damals wurde das Filialnetz das erste Mal restrukturiert und bereits zahlreiche Geschäfte von damals 50 eigenen Stores geschlossen.

Dass nun erneut Läden schließen, betrifft rund 130 Mitarbeiter. Nur einigen Angestellten davon könne man Alternativen an den zwei Unternehmensstandorten in Passau (Manufaktur) und Berlin (Marketing-Büro) anbieten. Insgesamt arbeiten momentan rund 500 Mitarbeiter für den Lebensmittel-Hersteller.

Die betroffenen Standorte will MyMuesli in den nächsten zwölf bis 24 Monaten schließen. Aktuell sind in Deutschland die Filialen ohnehin zu. Zwar dürfen Müsli-Läden als Lebensmittelgeschäfte an sich ja öffnen. Aber die Frequenz ist an den Filial-Standorten durch den Lockdown so stark eingebrochen und dadurch der Publikumsverkehr letztlich so gering, dass myMuesli die Geschäfte auch geschlossen hat.

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Über Stephan Randler 2893 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.