Multichannel statt Pureplay: Media-Saturn beerdigt 5 Redcoon-Shops

Die Media-Saturn-Gruppe setzt bei ihrer Tochter Redcoon den Rotstift an. So verabschiedet sich der auf das Geschäft mit Unterhaltungselektronik und weißer Ware spezialisierte Online-Pureplayer (Motto: „Elektronik günstig online kaufen“) gleich aus fünf Ländermärkten auf einmal, in denen Redcoon derzeit aktiv ist und Online-Shops in der entsprechenden Landessprache betreibt. Vor dem Aus stehen damit die Online-Shops für Kunden in Spanien und Portugal sowie Österreich, Belgien und Holland.

Redcoon Logistik
Blick in das Versandlager von Redcoon (Bild: Media-Saturn)

Wann die fünf Länder-Shops schließen, steht zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest. Denn nach Informationen von neuhandeln.de wurde erst gerade die Entscheidung getroffen, das Geschäft von Redcoon zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund stehen daher nun zunächst Gespräche in der Gruppe an – unter anderem mit den Arbeitnehmervertretern.

Sicher ist jedoch, dass durch das bevorstehende Aus von gleich fünf Online-Shops der Online-Pureplayer Redcoon nur noch in Deutschland, Polen und Italien am Markt aktiv bleiben soll. Aktuell werden noch acht Länder-Shops von dem Elektronik-Versender betrieben, den die Media-Saturn-Gruppe im März 2011 übernommen hatte.

Zu diesem Zeitpunkt waren die anderen Vertriebslinien Media-Markt und Saturn in Deutschland noch gar nicht im E-Commerce aktiv. Zur Erinnerung: Der deutsche Online-Shop Saturn.de startete gerade einmal im Oktober 2011, bei MediaMarkt.de ging der Online-Verkauf auch erst im Januar 2012 los.

„Kombination aller Vertriebskanäle das ideale Modell“

„Die Übernahme von Redcoon erfolgte mit dem strategischen Ziel, die zu diesem Zeitpunkt wenig ausgebauten Online-Aktivitäten der Media-Saturn-Gruppe als Ganzes voranzutreiben“, erklärt ein Sprecher des Handelskonzerns gegenüber neuhandeln.de. „Zu dieser Zeit war alles andere als klar, was das gewinnende Model in diesem Bereich wird.“ So war Redcoon als Online-Pureplayer zwar fokussiert auf den Internet-Vertrieb. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe dann aber doch gezeigt, dass „die Kombination aller Vertriebskanäle das ideale Modell“ für die Media-Saturn-Gruppe sei.

Durch das zunehmende Online-Geschäft der anderen Vertriebslinien würden sich nun auch die Kundengruppen von Redcoon, Media Markt und Saturn „zunehmend überschneiden“. Wegen diesen Erfahrungen habe man daher nun entschieden, die Geschäftstätigkeit von Redcoon in fünf Ländermärkten einzustellen – was die Gruppe nach eigenen Angaben aber gut verschmerzen kann. Denn in allen vom Aus betroffenen Ländermärkten bleibe Media-Saturn der „klare Marktführer“.

Media-Saturn Online-Umsatz
Media-Saturn konnte online erneut seinen Umsatz steigern (Grafik: Metro)

Die Media-Saturn-Gruppe hat im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2015/2016 (Stichtag: 30. September) einen Online-Umsatz in Höhe von 435 Mio. Euro netto über alle Online-Shops erzielen können (siehe Grafik). Im Vorjahreszeitraum (Anfang April bis Ende Juni 2015) kam Media-Saturn erst auf einen Online-Umsatz von 404 Mio. Euro netto, was ein Wachstum von rund 7,8 Prozent ergibt.

Bei den Online-Shops der Vertriebsmarken Media Markt und Saturn fällt das Wachstum sogar stärker aus. Hier gab es gleich ein Wachstum von 34,7 Prozent im dritten Quartal des Jahres 2015/16. Dieses starke Wachstum beruht unter anderem darauf, dass das Online-Sortiment weiter ausgebaut wird.

Während aber das Online-Geschäft bei Media-Markt und Saturn brummt, gehen die Internet-Umsätze bei dem Online-Pureplayer Redcoon aus der Handelsgruppe weiter zurück. Hintergrund ist, dass die Gruppe bei dem 2011 übernommenen Elektronik-Versender die Strategie geändert hat. Seit dem Start in das laufende Geschäftsjahr 2015/16 beschafft Redcoon daher keine Produkte mehr günstig auf dem Graumarkt. Dadurch kann der Händler keinen Preisvorteil mehr an Kunden weitergeben, wodurch der Elektronik-Versender nicht mehr so preisattraktiv ist. Durch die neue Strategie betreibt Redcoon auch keinen Großhandel mehr mit Graumarkt-Ware, über den zusätzliche Umsätze erzielt wurden.

Bereits Ende 2014 hatte Media-Saturn die Redcoon-Shops in Frankreich und Dänemark beerdigt.

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