Trotz Rückzug: Redcoon befindet sich auf Wachstumskurs

Der Online-Elektronikhändler Redcoon konzentriert sich beim ECommerce-Geschäft ab sofort auf seine Kernmärkte. Deswegen hat das Tochter-Unternehmen der Media-Saturn-Gruppe nun seine beiden Ländershops für Kunden in Frankreich und Verbraucher in Dänemark beerdigt.

Redcoon in FrankreichDer französische Online-Shop von Redcoon ist jetzt offline (Bild: Screenshot)

Wer die Online-Shops besuchen will, wird mit einem entsprechenden Hinweis vertröstet (siehe Foto). Trotz dieser Schließungen entwickelt sich das Geschäft nach eigenen Angaben positiv:

„Grundsätzlich sind wir mit unseren Online-Pure-Play-Aktivitäten auf Wachstumskurs. In Dänemark und Frankreich war redcoon noch in der Aufbauphase und sehr klein und hätte hier erheblich in den Markenaufbau und den Ausbau der Logistik investieren müssen, um eine marktrelevante Größe zu erreichen. Wir wollen uns zunächst auf Länder konzentrieren, in denen die Marke schon etabliert ist oder schnell eine relevante Größe erreichen kann.“

Die Begründung klingt plausibel. Denn die beiden Shops in Dänemark und Frankreich wurden erst 2009 beziehungsweise 2010 gestartet und gehörten damit zu den jüngsten Ablegern der bis dato neun verschiedenen Online-Shops für Kunden in verschiedenen Ländern Europas. Andere Angebote wie der spanische Shop werden dagegen bereits seit 2003 betrieben.

Frankreich-Geschäft lag bereits 2012/2013 unter Plan

Dass sich Redcoon aus ersten Ländern wieder zurückziehen wird, hatte sich übrigens schon angedeutet. So ist dem kürzlich veröffentlichten Jahresabschluss der Redcoon GmbH für das Geschäftsjahr 2012/2013 (Stichtag: 30. September) beispielsweise zu entnehmen, dass in den Ländern Niederlande, Belgien, Österreich und Frankreich die Entwicklung unter Plan lag.

Ob deswegen weitere Shops im Ausland schließen, will man nicht verraten. Stattdessen heißt es, dass man trotz dem Aus in Frankreich und Dänemark perspektivisch Interesse an einem Online-Shop in diesen Ländern haben, sich aber zunächst auf andere Länder fokussiere.

Ergebniserwartungen „deutlich verfehlt“ im Geschäftsjahr 2012/2013

Im Geschäftsjahr 2012/2013 hat die Redcoon GmbH übrigens den Netto-Umsatz um über 15 Prozent auf 401,8 Mio. Euro gesteigert, dabei aber ein negatives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von -19,8 Mio. Euro erzielt und die Ergebniserwartungen „deutlich verfehlt„.

Im Bericht heißt es, dass sich der Wettbewerb weiter verschärft habe und der Markt im Internet völlig transparent sei, wodurch die Margen unter Druck kamen – das zeigen auch die Zahlen.

Zieht man vom Umsatz von 401,8 Mio. Euro den Materialaufwand von rund 370,6 Mio. Euro ab, so verbleibt ein Rohertrag von 31,2 Mio. Euro beziehungsweise eine Rohertragsmarge von rund 7,8 Prozent. Im Vorjahr lagen diesen beiden Werte bei 348,0 Mio. Euro Netto-Umsatz und einem Materialaufwand von 318,8 Mio. Euro noch bei 29,2 Mio. Euro beziehungsweise 8,4 Prozent.

Im Geschäftsjahr 2012/2013 haben zudem hohe Marketing-Investitionen (unter anderem für TV-Werbung) das Ergebnis belastet, weswegen ebenfalls das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit deutlich schlechter ausgefallen ist als zuvor (Vorjahr: -0,9 Mio. Euro).

Der Jahresabschluss für 2012/2013 wurde übrigens im Mai 2014 festgestellt. Im Bericht findet sich daher auch eine Prognose für das kürzlich abgelaufene Geschäftsjahr 2013/2014, in dem damals nach eigenen Angaben mit „deutlich steigenden Umsätzen“ gerechnet wurde.

Prognose: Geschäftsjahr 2013/2014 mit Verlusten auf Vorjahresniveau

Bis Mitte Mai konnten die Umsätze zwar auch gesteigert werden, die Ertragslage hat sich laut dem Bericht aber nicht verbessert. Für das Geschäftsjahr 2013/2014 wurden daher im Mai noch Verluste auf Vorjahresniveau prognostiziert. Wie sich das gesamte Geschäftsjahr 2013/2014 tatsächlich entwickelt hat, will Media-Saturn auf Nachfrage nicht verraten. So heißt es nur, dass man „massiv in das Unternehmen investiere“ und „auf mittel- bis langfristigen Erfolg setze„.

Die Redcoon GmbH mit Sitz in Aschaffenburg gehört seit Juli 2011 zur Media-Saturn-Gruppe, die im Internet noch über die Online-Shops ihrer Multichannel-Marken Media-Markt und Saturn verkauft. Momentan baut die Unternehmensgruppe unter dem Namen „Electronics Online Group“ (EOG) eine interne Online-Einheit auf, in der künftig verschiedene Online-Pureplayer an den Start gehen sollen. Kern der neuen Pureplay-Gruppe ist dabei die Redcoon GmbH.

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Über Stephan Randler 2199 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr