Mehr Nachfrage: Hermes setzt doch auf Same-Day-Delivery

Der Paket-Versender Hermes liefert künftig schneller. So hat sich die Otto-Tochter nun mit 28,5 Prozent an der LieferFactory GmbH beteiligt, die auf Same-Day-Delivery spezialisiert ist. Das Start-Up kooperiert mit 2.500 Kurieren in 50 deutschen Städten, die Ware auf Wunsch der Kunden unter dem Motto „Liefery“ in 90 Minuten nach einer Bestellung zustellen. Mit der Beteiligung will Hermes diesen Service für Online- und Multichannel-Händler ermöglichen.

LieferyLiefery bringt Online-Bestellungen schneller zum Kunden (Bild: Screenshot)

So sollen künftig Same-Day-Delivery auch solche Händler anbieten können, die über Hermes versenden. Hintergrund ist, dass Hermes nach eigenen Angaben „eine steigende Nachfrage für die taggleiche Lieferung“ bemerkt – besonders bei Lebensmitteln, Technik und Sportartikeln.

Eine Option kann sein, dass Multichannel-Händler im Online-Shop eine Zustellung in den nächsten 90 Minuten anbieten und die Ware dazu von Kurieren aus dem Netzwerk der LieferFactory GmbH aus einer Filiale abgeholt und von dort zum Kunden geliefert wird.

Same-Day-Delivery: Hermes beobachtet „steigende Nachfrage“

Interessant ist der Einstieg von Hermes in den Markt für Same-Day-Delivery nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Hanseaten vor zwei Jahren noch längst nicht von diesem Service überzeugt waren. So hieß es noch im Sommer 2013, dass sich erst herausstellen müsse, ob Same Day Delivery das Zeug zum Megatrend habe oder nicht doch nur eine vorübergehende Erscheinung sei. Fraglich war für Hermes zudem, ob genügend Verbraucher dazu bereit sind, die zwangsläufig höheren Zustellkosten zu tragen, die für einen solchen Dienst anfallen.

Vor diesem Hintergrund gab es bislang kein Same-Day-Delivery bei Hermes. Nun investiert man doch in das Geschäft, weil sich der Markt verändert habe und die Nachfrage auch auf Seiten der Kunden steige – auch wenn Same-Day-Delivery noch ein Nischenprodukt sei. Am Start-Up habe man sich zudem beteiligt, weil Hermes das Geschäft auf Basis der eigenen Strukturen weder organisatorisch noch wirtschaftlich sinnvoll selbst betreiben könne.

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Dass es einen Markt für Same-Day-Delivery gibt, zeigt stellvertretend die Online-Apotheke Aponeo. Diese bietet in Berlin bereits eine Zustellung am selben Tag an, die bei Kunden gut ankommt. Der Service soll künftig daher auch Verbrauchern in Leipzig zur Verfügung stehen.

Aponeo verlangt für Same-Day-Delivery aber keine Extra-Gebühren und sieht die Ausgaben für die Express-Zustellung als Investition in den Kunden-Service. Ob Verbraucher tatsächlich in der breiten Masse für Same-Day-Delivery bezahlen, steht also auf einem anderen Blatt – vor allem, da immer mehr Versender auch so schon in ein bis zwei Tagen liefern. Studien zeigen zudem, dass Kunden ihre Pakete lieber versandkostenfrei möchten als innerhalb von 24 Stunden.

Same-Day-Delivery ist aktuell nicht das einzige Investment bei Hermes. Erst vergangene Woche hatte der Paketzusteller ein Pilotprojekt gestartet, bei dem die Bestellungen auf Wunsch zur Abholung in U-Bahnhöfe geliefert werden. Hermes ist zudem an einem Verbund beteiligt, der in diesem Herbst eine Alternative zum Paketkasten von DHL auf den Markt bringen will.

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Über Stephan Randler 2626 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.