Pilotprojekt: Hermes macht U-Bahnhöfe zur Abholstation

Unter deutschen Logistik-Dienstleistern wütet der Kampf um die letzte Meile. Nachdem zuletzt Deutsche Post DHL mit Paketkästen für Aufsehen sorgte, erprobt auch Konkurrent Hermes einen neuen Zustellservice. In Hamburg hat die Otto-Tochter daher ein Pilotprojekt gestartet, das vor allem Pendlern und Berufstätigen in Zukunft das Online-Shopping erleichtern soll.

Hermes Bahn PilotprojektHermes lässt Kunden auf dem Arbeitsweg ihre Pakete holen (Bild: Hermes)

Das Konzept: In Hamburg können Verbraucher nun zum ersten Mal ihre Bestellungen an einen Kiosk in einem U-Bahn- oder Busbahnhof schicken lassen. Einzige Voraussetzung ist, dass der Online-Händler des Vertrauens über Hermes verschickt. Auch Retouren können Kunden in den Bahnhofskiosken abgeben, die im Pilotprojekt als ein „PaketShop“ gekennzeichnet werden.

Von diesen Shop-in-Shop-Kooperationen gibt es bundesweit zwar heute schon über 14.000 Geschäfte. In U-Bahn- oder Busbahnhöfen war Hermes bislang aber nicht direkt vertreten. Die neuen Annahmestellen befinden sich zudem in Kiosken, die teilweise unter der Erde liegen.

Mit dem neuen Service will Hermes erreichen, dass Verbraucher keine Pakete mehr verpassen. So lassen sich die Bestellungen beispielsweise auf dem Heimweg von der Arbeit abholen.  Die Kioske haben außerdem in der Regel von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend geöffnet, während Hermes-Paketshops in klassischen Geschäften meist deutlich früher schließen. Das können für Kunden daher gute Argumente sein, um den neuen Service zu nutzen. Denn wer werktags in der Arbeit ist, dürfte in vielen Fällen ja zu Hause den Paketboten verpassen.

Kampf der Systeme: Hermes & Co. bringen Alternative zu DHL-Paketkasten

Aus diesem Grund bietet die Deutsche Post seit einem Jahr auch ihre Paketkästen an, die sich Verbraucher an ihre Hauswand montieren oder im Garten aufstellen können. Wenn bei der Zustellung niemand zu Hause ist, werden Bestellungen im XXL-Briefkasten hinterlegt. Öffnen kann diesen nur der Zusteller und der Eigentümer des Paketkastens. Auch Retouren lassen sich in den Kästen hinterlegen, die der Zusteller dann einsammelt. Neben einer Variante für Einfamilienhäuser gibt es auch eine Version im Packstation-Style für Mehrfamilienhäuser.

Sowohl die Paketkästen von DHL als auch das U-Bahn-Projekt von Hermes bieten Kunden also den Vorteil, dass sie ihre Pakete auch dann ohne unnötige Wege bekommen, wenn sie bei der Zustellung nicht zu Hause sein sollten. Um Kunden diesen Komfort zu bieten, will Hermes mit DPD, UPS und GLS in diesem Jahr auch noch eine Alternative zum Paketkasten von DHL auf den Markt bringen – schließlich können Verbraucher dort nur Sendungen von DHL empfangen und abholen lassen, während Pakete von Hermes & Co. außen vor bleiben. Der Paketkasten von Hermes & Co. soll in diesem Herbst in den Handel kommen und günstiger sein als das Produkt von DHL, das monatlich ab 1,99 Euro (Miete) oder pauschal ab 99 Euro gibt (Kauf).

Partner von Hermes im aktuellen Pilotprojekt ist die Hochbahn Hamburg, die vor Ort die Infrastruktur für den öffentlichen Nahverkehr stellt. Diese will durch die Kooperationen mit Hermes ihren Kunden einen Mehrwert bieten und den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen. Wenn der Service angenommen wird, will Hermes das Angebot in weiteren Städten anbieten. Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Denn zum Start seien die Erwartungen bereits übertroffen worden, wie Hermes gegenüber neuhandeln.de durchblicken lässt.

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Über Stephan Randler 3155 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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