Kurskorrektur: Vente Privée setzt erstmals auf Werbung

Der französische Shopping-Club Vente Privée will jetzt sein schwaches Geschäft in Deutschland ankurbeln. Aus diesem Grund haben die Franzosen gerade eine Werbekampagne gestartet, die deutsche Verbraucher verstärkt auf die Abverkaufsangebote des Shopping-Clubs aufmerksam machen soll. Insgesamt wurden zwölf verschiedene Anzeigenmotive erstellt, die ab sofort als klassische Banner-Werbung auf Online-Portalen und mobil-optimierten Seiten zu sehen sind.

Vente Privée Anzeigenmotiv

Mit seiner ersten Kampagne will der Shopping-Club seine Marke hierzulande bekannter machen. Dafür investieren die Franzosen zum allerersten Mal überhaupt in Werbung in ihrer inzwischen rund 14-jährigen Geschichte.

In der Vergangenheit hatte man vor allem darauf vertraut, über Mundpropaganda neue Kunden zu akquirieren. In Deutschland habe Vente Privée aber damit zu kämpfen, dass sich Nutzer mit dem Namen schwer tun und ihn beispielsweise nicht richtig aussprechen können.

Zusätzlich zu den Anzeigen gibt es daher einen 30-sekündigen Videoclip, in dem der Name des Shopping-Clubs zu hören ist.

Ansprechen soll die Kampagne eine Zielgruppe von Männern und Frauen zwischen 25 und 49 Jahren. Hinter den Werbe-Spendings steht wiederum eine „ehrgeizige Wachstumsstrategie„, wie der neue Deutschland-Chef Matthias Nentwich erklärt, der seit Dezember 2014 an Bord ist.

Erklärtes Ziel der Franzosen ist, in den nächsten fünf Jahren den Jahresumsatz in Deutschland auf 250 Mio. Euro auszubauen. Konkrete Zahlen zum Geschäft in Deutschland nennt Vente Privée bislang zwar nicht. Laut dem Firmengründer Jacques-Antoine Granjon komme man hierzulande aber erst auf einen Jahresumsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2013 haben die Franzosen insgesamt einen Brutto-Umsatz von 1,6 Mrd. Euro erwirtschaften können (inkl. MwSt.), der über Verkaufsaktionen in acht europäischen Ländern erzielt wurde. Den Löwenanteil vom Geschäft machte der Shopping-Club dabei nach wie vor in Frankreich, wo im Jahr 2013 rund 80 Prozent vom Gesamtumsatz erzielt wurden – obwohl Vente Privée in Deutschland auch schon seit 2006 aktiv ist.

Kampagnen-Kritik: Was Vente Privée hätte besser machen können

Dass die neue Kampagne den Franzosen hierzulande den Durchbruch beschert, ist aber längst nicht gesagt. Denn bei näherem Hinsehen offenbart die Kampage doch einige Schwächen.

So ist auf einem Motiv beispielsweise der Name des Shopping-Clubs mit dem Zusatz „Aus Liebe zu Marken“ zu sehen (siehe Foto). Das soll „die spezielle Brand-DNA des Shoppingclubs“ deutlich machen. Besser wäre aber wohl eine Unterzeile mit einem Leistungsversprechen wie „Der Shopping-Club mit den beliebtesten Marken“ gewesen. Denn viele Verbraucher kennen ja den Namen Vente Privée bislang nicht, weswegen man das Angebot exakt beschreiben sollte.

Wenn Vente Privée schon viele Marken führt, wären beispielhaft ein paar passende Namen auf den Motiven auch nicht schädlich gewesen. Stattdessen sieht man einzelne Produkte wie eine Uhr in Seifenblasen. Das soll die zeitlich limitierten Verkaufsaktionen umschreiben, die – wie eine Seifenblase – nicht von Dauer sind. Auch hier wäre eine konkrete Handlungsaufforderung wohl besser gewesen – beispielsweise der Hinweis: „Jetzt bestellen, bevor es andere tun„.

Vente Privée gilt als der Erfinder des Geschäftsmodells der Shopping-Clubs, bei dem immer nur registrierte Mitglieder die Aktionsangebote sehen dürfen. So können Marken ihre Reste losschlagen, ohne dass günstige Preise sofort sichtbar sind und ihr Image online schädigen.

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Über Stephan Randler 2265 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr