Kein „Prime-Feeling“ mehr: Rakuten rasiert sein Club-Programm

Vor einem Jahr hatte der Online-Marktplatz Rakuten in Deutschland seinen „Rakuten Club“ gestartet, um seinen Kunden ebenfalls „ein wenig Prime-Feeling“ zu bieten. Für eine Pauschale von 19,90 Euro im Jahr gab es daher kostenlosen Versand und Retouren für alle Artikel, die Verbraucher auf dem Online-Marktplatz gekauft haben (ausgenommen Speditionsartikel). Davon kann nun keine Rede mehr sein.

Rakuten Club
Der Club wurde gerade erneuert (Screenshot)

Denn die Rakuten Deutschland GmbH hat ihr Kundenprogramm überarbeitet und dabei die Versandkosten-Flatrate gestrichen. Dafür können Kunden jetzt kostenlos Club-Mitglied werden. Die Kundenvorteile bestehen dann aber nur noch aus exklusiven Rabatt-Aktionen sowie aus Gewinnspiel-Teilnahmen des Fußballklubs FC Barcelona, bei dem Rakuten der Hauptsponsor ist.

Zusätzlich erhalten Club-Kunden bei Einkäufen auf Rakuten allerdings noch die dreifache Menge der hauseigenen „Superpunkte“, die Kunden dann bei weiteren Bestellungen einlösen können. So will der Online-Marktplatz seine Superpunkte als Treueprogramm in Deutschland bekannt machen.

Attraktiver wird das Club-Programm durch diese Strategie aber nicht. Im Gegenteil. Nicht nur, dass jetzt die Porto-Flatrate fehlt. Vor einem Jahr gab es außerdem noch die fünffache Menge an Superpunkten für Club-Mitglieder. Nutzer konnten zudem Filme kostenlos streamen auf Rakuten.tv. Vielleicht waren diese Anreize aber auch nicht stark genug, um Kunden in ein kostenpflichtiges Abo zu locken. Wieviele Kunden den kostenpflichtigen Club genutzt haben, verrät Rakuten auf Nachfrage jedenfalls nicht.

Rakuten hatte das kostenpflichtige Club-Programm im vergangenen Herbst in Deutschland gestartet. Wenn Club-Mitglieder sich Ware kostenlos liefern ließen, hatte die Versandkosten der Marktplatz für seine Händler übernommen. Dafür habe man sich entschieden, weil bei anderen Online-Marktplätzen aus dem Rakuten-Konzern vergleichbare Programme bereits die Kundenbindung gestärkt hatten. Das war konkret in Frankreich der Fall, wo das Club-Programm aber schon immer kostenlos gewesen ist.

„Wir haben für Deutschland damals einen anderen Weg gewählt, um die Marke schnell groß zu machen, was über die angebotenen Incentives sehr gut funktioniert hat“, argumentiert Rakuten im Gespräch mit neuhandeln.de. „Jetzt geht es mehr um Nachhaltigkeit und Erreichen eines breiteren Publikums.“

Vor sieben Jahren hatte das japanische Online-Unternehmen Rakuten das deutsche Shopping-Portal Tradoria übernommen und danach in Rakuten.de umbenannt. In Japan ist Rakuten bereits seit 1997 aktiv. Bei seinen Superpunkten schenkt Rakuten pro Euro einen Superpunkt im Wert von einem Cent. Wer für 30 Euro kauft, erhält so 30 Superpunkte – also einen Rabatt von 30 Cent beim nächsten Kauf.

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Über Stephan Randler 2288 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr