Marktplatz-Marketing: Kaufland.de fehlen Vorteile, die Kunden wirklich überzeugen

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„Kaufland eröffnet die größte Filiale aller Zeiten“: Mit diesen Worten bewirbt der Supermarkt in seinem aktuellen Prospekt den brandneuen Online-Marktplatz, der erst vor wenigen Tagen auf Kaufland.de gestartet wurde. Hier bietet Kaufland seinen Kunden nach eigenen Angaben bereits 25 Mio. Artikel an.

Kaufland.de
Der neue Marktplatz (Bild: Kaufland)

Zum Vergleich: Vor Ort führt Kaufland in seinen Märkten durchschnittlich 30.000 Artikel an Lebensmitteln und Gütern für den täglichen Bedarf. Im Vergleich dazu ist das Angebot im Internet geradezu gigantisch – und der Online-Marktplatz in der Tat die bisher größte Filiale der Supermarkt-Kette.

Passend dazu fordert Kaufland die Verbraucher im aktuellen Prospekt nun auch dazu auf, jetzt „25 Millionen Artikel“ auf Kaufland.de zu shoppen. Und das ist auch wichtig. Denn beim Marketing im Distanzhandel sollten Händler immer darauf achten, so eine Handlungsaufforderung zu formulieren.

Denn dadurch kann man Kunden geschickt einflüstern, was sie eigentlich tun sollen – nämlich online bei Kaufland kaufen. Die Handlungsaufforderung – oder auch Call-to-Action genannt – ist aber das eine. Wichtig ist nämlich auch, mit zentralen Kundenvorteilen zu werben. Denn diese sagen letztlich, warum der Kunde ausgerechnet bei einem Online-Anbieter kaufen sollte. Bei Kaufland.de etwa kann sich jeder Verbraucher ja fragen, wieso er nun ausgerechnet hier shoppen soll. Denn ein großes Angebot erhalten Kunden im Internet ja schließlich auch auf anderen Online-Marktplätzen wie Amazon.de oder eBay.de.

Doch Kaufland fallen in seinem aktuellen Prospekt leider nur diese folgenden sechs Vorteile ein:

  • Viele Angebote und exklusive Rabatte
  • Schneller Bestellprozess
  • Vielfältige Zahlungsarten
  • Bequem nach Hause liefern lassen
  • Professionelle Service-Mitarbeiter
  • Einfache Retouren-Abwicklung

Doch sind das wirklich überzeugende Vorteile, die für einen Kauf bei Kaufland.de sprechen? Ich denke nicht. Vielmehr drängt sich ja der Eindruck auf, dass dem Marketing nicht wirklich etwas Sinnstiftendes eingefallen ist. Einen professionellen Service zum Beispiel darf wohl jeder Verbraucher bei einem Shop erwarten. Es ist auch kein Alleinstellungsmerkmal, verschiedene Zahlarten anzubieten. Bei Kaufland.de gibt es unter anderem als Option Sofortüberweisung, Lastschrift, Paypal oder den Kauf auf Rechnung.

Doch das ist alles längst Standard im deutschen E-Commerce. Was mit einem „schnellen Bestellprozess“ gemeint sein soll, erschließt sich mir nicht. Der Kauf bei Kaufland.de unterscheidet sich – zumindest für mich – nicht von der Bestellung in irgendeinem anderen Shop: Ich lege einen Artikel in den Warenkorb, gehe zur Kasse, gebe meine Lieferadresse ein, wähle das Zahlverfahren und schicke die Bestellung ab.

Kaum Gründe, die wirklich für den Kauf bei Kaufland.de sprechen

Noch kurioser ist, dass Kaufland mit einer bequemen Lieferung nach Hause wirbt. Dass die Bestellung per Post kommt, sollte ja Kunden bei einem Online-Kauf im Jahr 2021 nun wirklich bewusst sein. So bleiben aus der Liste als Vorteile nur noch die „vielen Angebote und exklusiven Rabatte“ sowie die einfache Retouren-Abwicklung. Wie diese in der Praxis abläuft, kann ich nicht beurteilen – schließlich habe ich bislang nicht bei Kaufland.de bestellt. Fehlt für mich doch ein Anreiz, warum ich das tun soll.

Denn einfach nur „viele Angebote“ oder „exklusive Rabatte“ sind für mich zu wenig. Die bekomme ich schließlich auch bei anderen Marktplätzen wie Amazon und eBay. Die Kaufland-Werbung dagegen ist hier viel zu allgemein formuliert und liefert daher keinen konkreten Anreiz wie es bei „Zehn Prozent Rabatt bei ihrer ersten Bestellung“ der Fall wäre. Doch ohne diese Details bleibt es bei Phrasen. Dazu passt, dass Kaufland im Prospekt zusätzlich mit dem Hinweis wirbt: „24 Stunden geöffnet“. Doch das ist ja nun wirklich nichts Neues mehr im E-Commerce – und als Kundenvorteil fast schon etwas peinlich.

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Über Stephan Randler 2926 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar

  1. In meinen Augen ist die einzige Chance für kaufland zu punkten, wenn der Shop ein „besseres“ User-Interface als Amazon oder Otto bekommt. Aktuell ist es auf jeden Fall noch stark verbesserungsbedürftig. Und ja, mit den im Artikel genannten Selbstverständlichkeiten kann Kaufland keinen Blumentopf gewinnen – zumal die Lieferzeiten in der Realität mit denen von Amazon (noch?) nicht mithalten können.

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