„In-Home-Delivery“: Zalando liefert Pakete direkt in die Wohnung

Die Paket-Zustellung an Privatadressen ist zeitaufwändig und teuer. Denn Zusteller müssen nicht nur jedes Paket bei einem anderen Empfänger abliefern, während sich in Paket-Shops viele Sendungen auf einmal abladen lassen. Im dümmsten Fall ist der Empfänger bei der Zustellung gar nicht zu Hause, so dass ein Paket erneut zugestellt oder woanders abgegeben werden muss. Doch damit dieses Szenario künftig der Vergangenheit angehört, hat Zalando kürzlich ein interessantes Logistik-Projekt gestartet.

Zalando Delivery
Zalando liefert Pakete bis in die Wohnung (Bild: Zalando SE)

Der grundlegende Gedanke: Paketdienste sollen künftig bei der Zustellung an eine Privatadresse die Lieferungen auch dann abgeben können, wenn die Kunden einmal nicht zu Hause sind. Wie das in der Praxis funktioniert, hat Zalando in Belgien mit dem Zusteller bpost und Probanden getestet.

Bei diesen wurde die Haustür mit einem internetfähigen Schloss aufgerüstet, das sich über eine Smartphone-App öffnen und schließen lässt. Wenn der Paketbote klingelt, wird der Kunde benachrichtigt und kann von der Ferne aus die Haustür öffnen. Und sobald das Paket abgegeben wurde, lässt sich die Tür über die App schließen – damit niemand mehr in die Wohnung kann.

Das intelligente Türschloss verfügt zudem über eine Video-Kamera, die Bilder auf das Smartphone des Empfängers streamt. So kann der Kunde erkennen, dass auch wirklich der Paketbote vor der Haustür steht. Eine zweite Kamera befindet sich zudem im Haus. Damit lässt sich überwachen, wie der Bote die Lieferung abstellt. Deshalb soll man keine Angst haben, dass der Paketbote nebenbei die Wohnung ausräumt. Doch wie sicher das System in der Praxis ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn Probanden haben nicht zuletzt bereitwillig die Wohnungstür geöffnet, weil immer wieder „ein vertrauenswürdiger Postzusteller“ davor gestanden hat. In der Praxis können aber Zusteller schon einmal wechseln – und will man dann einen Fremden in die Wohnung lassen, den man vielleicht noch nie zuvor gesehen hat?

Im Pilotprojekt jedenfalls hat der Service nun neun von zehn Personen gefallen. Doch überbewerten sollte man das nicht. Denn Smart-Home-Anwendungen bergen in der Praxis noch weitere Fallstricke. So müssen Verbraucher meist in Vorleistung gehen und sich die passende Technik anschaffen. Doch: „Eine Tür wird nicht einfach so gegen ein neueres Modell ausgetauscht“, weiß auch Zalando. Damit sich die Investition für die Kunden lohnt, muss ein System zudem von allen Zustellern unterstützt werden.

Sonst droht ein Wildwuchs wie bei den Paketkästen. So gibt es in Deutschland mit DHL-Paketkästen und dem ParcelLock-System von Hermes & Co. zwei konkurrierende Systeme, weil sich beim System von DHL immer nur Sendungen von DHL einliefern lassen. Dieses Problem droht im Zalando-Case nicht, da hier ja immer der Kunde entscheidet, wer in die Wohnung darf. Welcher Zusteller auf der Matte steht, sollte daher keine Rolle spielen. Nicht vergessen sollte man dann aber auch, was auf die Paketboten alles zukommen kann. So reagiert vielleicht nicht jeder Hund freundlich, wenn plötzlich ein Fremder in sein Revier eindringt. Beim Pilotprojekt waren daher Haushalte mit Haustieren außen vor.

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Über Stephan Randler 2079 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

2 Kommentare zu „In-Home-Delivery“: Zalando liefert Pakete direkt in die Wohnung

  1. „So gibt es in Deutschland mit DHL-Paketkästen und dem ParcelLock-System von Hermes & Co. zwei konkurrierende Systeme“ – Die Zahl der Anbieter geht darüber hinaus: https://bdkep.de/Paketbox-Anbieter.html

    Problem ist jedoch, dass die drei großen Paketdienste, die fast alle Pakete an Verbraucher zustellen, sich den jeweils „fremden“ Alternativen bis auf wenige Ausnahmefälle verschließen.

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