Weihnachtsgeschäft gesichert: Idealo Direktkauf wird mittelfristig eingestellt

Vor mehr als sieben Jahren hat das Preisportal Idealo seine Online-Plattform um eine Direktkauf-Funktion erweitert. Seitdem können Internetnutzer bei Idealo nicht nur vergleichen, was ein Produkt bei verschiedenen Online-Händlern kostet. Ausgewählte Produkte lassen sich auch direkt über das Online-Preisportal bestellen, ohne dass Kunden dazu einen externen Online-Shop besuchen müssen – wie es bei Preisportalen üblich ist.

Jörn Rehse
Co-CEO Jörn Rehse (Bild: Idealo Internet GmbH)

Mittelfristig allerdings soll der Idealo-Direktkauf wieder eingestellt werden. Einen entsprechenden Bericht bestätigt die Idealo Internet GmbH aus Berlin auf Nachfrage von neuhandeln.de. Demnach sei bei Kunden das Bedürfnis für den Service „nicht mehr im bisherigen Maß“ vorhanden. Der Preisportal-Betreiber hat daher entschieden, sich wieder stärker auf seine Kernkompetenz zu fokussieren.

„Der Preisvergleich ist das Szenario, mit dem Idealo bereits in der Vergangenheit erfolgreich war und auch in Zukunft wachsen wird“, argumentiert daher jetzt auch stellvertretend Jörn Rehse (siehe Foto links), Co-CEO von Idealo.

Gestartet wurde der Direktkauf, um Nutzern von Idealo einen zusätzlichen Service zu bieten. Denn an sich sind Preisportale wie Idealo nur dafür ausgelegt, dass Nutzer dort online Produktpreise vergleichen können. Wer sich für ein Angebot interessiert und bei einem Händler kaufen möchte, muss dazu den Online-Shop des entsprechenden Shop-Betreibers aufsuchen. Anders läuft es beim Direktkauf: Hier können Nutzer direkt bei Idealo.de ihre Lieferanschrift angeben und anschließend ein Zahlungsmittel auswählen. Danach lässt sich dann der Online-Kauf direkt auf Idealo.de abschließen – ohne dass dazu ein Kundenkonto erforderlich ist.

Idealo-Nutzer wollen vor allem Preise checken

Verbraucher profitieren daher zum einen davon, dass sie kaufen können, ohne Idealo.de zu verlassen. Dazu müssen Internetnutzer auch kein Kundenkonto bei einem angeschlossenen Online-Shop anlegen, um dort die Bestellung aufzugeben. Diese Vorteile für Verbraucher hätten in den letzten Jahren aber immer mehr an Relevanz verloren, wie Idealo erklärt. So zeigen neue Nutzerbefragungen, dass die meisten Internetnutzer auf Idealo.de in erster Linie online Preise vergleichen möchten. Kaufen dagegen möchten die Befragten zum Großteil aber lieber beim entsprechenden Online-Händler. Das verwundert Idealo nicht. Denn inzwischen sei das Einkaufen in nahezu jedem Partner-Shop „einfach und schnell“ möglich, was Idealo wiederum mit einer „großartigen Arbeit der Händler, Shopsystem- und Payment-Dienstleister“ in den letzten Jahren begründet.

Zum Start dagegen sollten vor allem kleinere Händler von dem Direktkauf profitieren. Die Funktion hatte sich deshalb primär an Händler gerichtet, die zwar mit ihren Preisen absolut konkurrenzfähig sind, aufgrund von begrenzter technischer Ressourcen aber nicht mit den komfortablen Zahlungsmöglichkeiten großer Online-Händler mithalten können. So ist beispielsweise beim Direktkauf möglich, dass Händler auch Zahlverfahren wie den Kauf auf Rechnung anbieten – selbst wenn sie dieses Zahlungsmittel im eigenen Shop nicht haben.

Chancen und Risiken beim Direktkauf

Mit zusätzlichen Zahlverfahren lassen sich auf Idealo.de dann prinzipiell auch solche Kunden gewinnen, die sonst vielleicht nicht im Online-Shop des Händlers einkaufen würden. Im Gegenzug ist für Händler aber zum Beispiel auch kein Cross-Selling möglich, wenn Kunden den Kauf bei Idealo.de abschließen. So verpufft eine wichtige Chance, um Kunden weitere Produkte zu empfehlen und den Warenkorbwert zu erhöhen. Insofern bietet der Direktkauf sowohl Chancen als auch Risiken für die Online-Händler, die dieses Feature nutzen.

Online-Händler können sich kostenlos bei Idealo.de registrieren, um ihre Produkte in dem Preisvergleich zu listen. Wenn Internetnutzer auf ein Angebot klicken und den Online-Shop eines Handelspartners besuchen, wird eine Gebühr fällig. Dieser Cost per Click (CPC) beträgt standardmäßig 51 Cent. Beim Direktkauf dagegen entstehen für Händler nur Kosten, wenn Internetnutzer auch kaufen. Der Kaufvertrag kommt dabei zwischen dem Händler und dem Käufer zustande, für die Vermittlung kassiert Idealo eine Provision. Wie hoch dieser Cost per Order (CPO) ausfällt, wird mit Partnern individuell vereinbart. Bei Idealo sind nach eigenen Angaben derzeit rund 50.000 Händler gelistet. Rund 1.800 Partner davon nutzen den Direktkauf.

Wann genau der Direktkauf eingestellt wird, ist aktuell offen. Idealo prüft nach eigenen Angaben gerade verschiedene Zeitpunkte. Das aktuelle Weihnachtsgeschäft sei für Partner aber auf jeden Fall gesichert.

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Über Stephan Randler 3203 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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