Hawesko-Bilanz: Marktplatz-Geschäfte pushen den Versandhandel

Die Hawesko-Gruppe hat über den Distanzhandel im Geschäftsjahr 2017 einen Netto-Umsatz von 170,5 Mio. Euro eingefahren. Damit steht für den Wein-Spezialisten zwar ein Wachstum von 4,8 Prozent in den Büchern. Bei den einzelnen Versendern hat sich das Geschäft dennoch unterschiedlich entwickelt.

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WirWinzer.de ist neu dabei (Bild: Screenshot)

Keine Veränderung gab es daher zum Beispiel bei der Kernmarke Hawesko, wo der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr konstant geblieben ist. Für den Konzern kann sich die Entwicklung dennoch sehen lassen, da der gesamte Weinmarkt parallel um fünf Prozent zurückgegangen sei. Dazu habe man mit einem Plus im Vorjahr „eine anspruchsvolle Vergleichsbasis“ geschaffen.

Konkrete Zahlen zu Haswesko.de nennt der Konzern nicht, bei den anderen Versendern lässt sich die Gruppe dafür tiefer in die Karten blicken. So ist beim Spanienwein-Spezialisten Vinos.de der Netto-Umsatz um knapp fünf Prozent auf 48,2 Mio. Euro gestiegen (Vorjahr: 46,0 Mio. Euro).

Grund dafür ist, dass hier die Werbung auf eine breitere Basis gestellt und die Auflage des gedruckten Weinkatalogs erhöht worden war. So konnte Vinos mehr Kunden erreichen und zum Kauf animieren.

Positiv verlief auch das Geschäft bei dem auf Spitzenweine spezialisierten Versender Carl Tesdorpf, der seinen Umsatz um zwölf Prozent auf 11,4 Mio. Euro steigern konnte. Das liegt auch mit an höheren Auslieferungen von vorverkauften Bordeaux-Subskriptionsweinen. Diese werden kurz nach der Lese vorverkauft und etwa zwei Jahre später ausgeliefert, nachdem der Wein in Flaschen abgefüllt wurde.

Bei der Wine Company (Distanzhandel nach Schweden) gab es ebenfalls ein Wachstum, das Plus fällt in Euro mit rund einem Prozent überschaubar aus. Wegen negativen Währungseffekten (Schwedische Kronen zu Euro) ist der Konzern mit der Entwicklung dennoch zufrieden. Das gilt auch für das Geschäft bei dem Online-Marktplatz WirWinzer.de, der seit Herbst 2016 zum Konzern gehört. Hier können Verbraucher deutsche Weine bei regionalen Weingütern bestellen, die direkt an Endkunden liefern.

Mit diesem Geschäftsmodell konnte der Online-Marktplatz im vergangenen Jahr einen Netto-Umsatz von sechs Mio. Euro erzielen. Im Jahr 2016 hatte WirWinzer.de allerdings noch kein volles Jahr zum Konzerngeschäft beigetragen. Ohne den Online-Marktplatz kommt die Versandsparte daher auf einen Netto-Umsatz von 164,5 Mio. Euro, der sich zum Vorjahr damit nur um 2,1 Prozent erhöht hat. Nicht zuletzt der Zukauf von WirWinzer.de hat daher das Versandgeschäft im vergangenen Jahr gepusht.

Hawesko Umsatz
Quelle: Hawesko-Geschäftsbericht für das Jahr 2017 (eigene Angaben in Mio. Euro)

Generell waren über alle Versendermarken die Maßnahmen zur Neukundenakquise erfolgreich. Online konnte der Konzern über Banner-Platzierungen und Newsletter neue Kunden gewinnen, offline waren gedruckte Beilagen erfolgreich. Verbessert hat sich neben dem Umsatz der Versandsparte auch das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT), das von zuvor 9,4 Mio. auf nun 10,2 Mio. Euro gestiegen ist. Ein Grund ist, dass ein Jahr zuvor umstrukturiert worden war. Dabei wurden zum Beispiel Backoffice-Funktionen aus den Händlermarken herausgelöst und in eine zentrale Service-Gesellschaft überführt.

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Über Stephan Randler 2288 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr