Premiere mit Schwächen: Galaxus.de verschickt erstmals Print-Katalog

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Über gedruckte Kataloge lassen sich Kunden nach wie vor geschickt zu Käufen inspirieren. Schließlich blättern Verbraucher ja gerne durch Magazine, wenn sie es sich zum Beispiel auf dem Sofa gemütlich machen. In diesem Kontext eröffnen sich für Händler daher Chancen auf zusätzliche Impulskäufe, die sie über ihren Online-Shop vielleicht nie erzielen könnten. Denn gerade in Online-Shops stöbern viele Verbraucher ja erst, wenn sie bereits ein sehr konkretes Kaufinteresse haben. Über gedruckte Kataloge kommen Händler dagegen weg von der Bedarfsdeckung – und können Bedarf auf Kundenseite wecken.

Galaxus Katalog
Das Cover zeigt Artikel – aber ohne jegliche Info

Kein Wunder also, dass immer mehr Online-Shopbetreiber in Print-Kataloge investieren. Passend dazu hat in diesen Tagen auch der bisherige Online-Pureplayer Galaxus seinen ersten Katalog drucken lassen. Der Erstling hat eine Auflage von 25.000 Exemplaren, zeigt die Bestseller aus dem Online-Sortiment auf 100 Seiten und geht per Post an Stammkunden, die seit dem Marktstart von Galaxus.de hier bislang am häufigsten bestellt haben.

Doch bei der Analyse zeigt der Katalog eklatante Schwächen, die Galaxus bei den Nachfolgern beheben sollte. Das zeigt gleich die Titelseite.

Denn ein Katalog-Cover bietet eine ideale Verkaufsfläche. Schließlich können hier Händler ja Produkte bereits den Kunden schmackhaft machen, ohne dass diese dazu im Katalog blättern müssen. Gute Kataloge zeichnen sich daher dadurch aus, dass Händler auf dem Titel direkt verkaufen. Zwar zeigt Galaxus ein Smartphone, eine Drohne und ein Bügeleisen (siehe Foto). Es fehlen aber weitere Infos.

Doch wer es geschickt anstellt, zeigt nicht nur einen oder mehrere Artikel aus dem Sortiment – sondern liefert auch Infos, was die Produkte kosten, welchen Vorteil sie bieten und wo der Kunde sie im Katalog finden kann. Bei Galaxus bleibt das offen und der Kunde darf selbst suchen, wo die Artikel im Katalog vorgestellt werden. Vielen Interessenten dürfte das aber zu aufwändig sein. Zumal ja eine Info fehlt, warum nun ausgerechnet diese drei Artikel präsentiert werden. Mögliche Gründe wären, dass es die Waren exklusiv bei Galaxus gibt, sie jetzt im Angebot sind oder von Kunden gut bewertet wurden.

Galaxus Katalog
Galaxus zeigt viele Produkte – aber nennt bei Artikeln keine Gründe, die für einen Kauf sprechen

Genauso nichtssagend sind auch die Produktseiten konzipiert. Auf der Doppelseite 10/11 zum Beispiel gibt es eine Auswahl an 16 Artikeln zum Thema TV und Heimkino – vom Fernseher bis zum Beamer.

Doch warum nun ausgerechnet diese Artikel präsentiert werden und welche Vorteile sie den Kunden bieten, wird leider nicht erklärt. Generell hält sich Galaxus mit Infos extrem zurück. So wird zwar pro Artikel der Preis, das Modell und die Artikelnummer genannt (siehe Abbildung oben). Doch handelt es sich bei dem Fernseher von LG nun um ein Smart-TV oder um ein Gerät ohne eine Internetfunktion?

Galaxus schweigt dazu. Auch fehlt eine Artikelbeschreibung. Doch warum sollte sich der Kunden für ein Gerät interessieren, zu dem der Händler nicht einmal sagt, was denn dieses Gerät besonders macht?

Kundenvorteile nennt Galaxus erst auf der vorletzten Seite

Gut gelöst ist immerhin, dass es Artikelnummern gibt. Diese kann der Kunde direkt im Online-Shop in die Suche eingeben und so das gewünschte Produkt ausfindig machen, um es zu bestellen. So lassen sich Käufe im Online-Shop dem Katalog als Marketing-Kanal zuweisen (wenn die Artikelnummer denn exklusiv für den Katalog vergeben wurde). Aber: Man muss den Kunden auch sagen, dass man Artikel über die Nummer einfach online bestellen kann. Doch das passiert im Katalog von Galaxus auch nicht.

Es fehlt auf den Artikelseiten oder dem Katalog-Cover auch generell ein Hinweis dazu, warum denn nun Kunden bei Galaxus bestellen sollten und was sie bei einem Einkauf für Vorteile bekommen. Denn diese gibt es durchaus. Dazu zählen etwa Benefits wie 100 Tage Rückgaberecht oder eine versandkostenfreie Lieferung ab einem Bestellwert von 30 Euro. Doch diese Goodies versteckt Galaxus auf der vorletzten Seite (!) im Katalog. Wer aber Kunden wirklich ködern will, packt solche Vorteile direkt auf das Katalog-Cover und nennt sie auch auf Produktseiten immer wieder – etwa oben oder unten am Seitenrand.

Auf 100 Seiten zeigt der Erstling so zwar eine bunte Mischung mit Produkten aus Elektronik, Haushalt, Baumarkt oder Beauty. Es bleibt aber bei einer nichtssagenden Aneinanderreihung von Produktfotos. Das ist besonders schade, weil sich Galaxus ja als Einkaufsratgeber positioniert. Deswegen gibt es im Katalog auch redaktionelle Artikel. Ein Beitrag etwa soll Kunden helfen, den passenden Bildschirm für das Home-Office zu finden. Doch im Artikel werden gar keine konkreten Geräte als Kaufempfehlung genannt. Eine Seite später folgen dann auf der Artikeldoppelseite zwar mehrere Bildschirme, doch ein Bezug zum Ratgeber auf der Seite zuvor fehlt völlig. So wird es schwierig, Galaxus.de als Online-Shop, Community und Ratgeber zu positionieren. Auch bei Stammkunden, die den ersten Katalog erhalten.

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Über Stephan Randler 2910 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.