Finanzen: Delticom wächst trotz rückläufigem Markt

Der Reifen-Versender Delticom hat im dritten Quartal 2015 einen Netto-Umsatz von 104,0 Mio. Euro eingefahren. Damit konnte der Multishop-Konzern im Vergleich zur Vorjahresperiode um 18,1 Prozent wachsen (Q3/2014: 88,1 Mio. Euro). Bereits in den beiden Vorquartalen in diesem Jahr war Delticom um 18 Prozent (Q1/2015) beziehungsweise 5 Prozent (Q2/2015) gewachsen.

Delticom KennzahlenDie aktuellen Quartalszahlen der Delticom AG im Überblick (Bild: Screenshot)

Insgesamt kommt der Reifen-Versender nun auf ein Wachstum von 12,7 Prozent auf einen Netto-Umsatz von 354,2 Mio. Euro in den ersten neun Monaten diesen Jahres. Erfreulich ist diese Entwicklung für das Multishop-Unternehmen nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Delticom damit gegen den Markttrend wachsen konnte. So habe sich generell das Geschäft mit Ersatzreifen im ersten Halbjahr rückläufig entwickelt, was auch im dritten Quartal 2015 zu beobachten gewesen sei. Schätzungen zufolge wurden zum Beispiel in Deutschland in den ersten neun Monaten diesen Jahres spürbar weniger Sommer- und Winterreifen verkauft.

Wachsen konnte Delticom dennoch, weil immer mehr Kunden ihre Reifen in einem Shop von Delticom kaufen. Ein Selbstläufer scheint das Geschäft dennoch nicht zu sein. So wurden im dritten Quartal beispielsweise 5,2 Mio. Euro für Marketing ausgegeben, um „einen frühen Start in das Wintergeschäft zu unterstützen“ (Q3/14: 3,8 Mio. Euro). In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist der Marketingaufwand um 3,0 Prozent auf 15,9 Mio. Euro gestiegen.

Verringert hat sich in den ersten neun Monaten 2015 dagegen die Marge – von zuvor 25,2 auf 23,9 Prozent. Denn der Materialaufwand hat sich in diesem Zeitraum mit einem Plus von 14,6 Prozent auf 269,4 Mio. Euro stärker erhöht als der Umsatz. Kein Wunder: Um mehr Reifen zu verkaufen, hat die Delticom AG bereits im ersten Halbjahr 2015 auf günstige Preise gesetzt.

Gestiegen sind im Gegenzug wiederum die Transportkosten für die verkauften Ersatzreifen. Hier haben sich die Ausgaben von 28,1 Mio. auf 34,1 Mio. Euro erhöht, der Anteil am Umsatz ist von 8,9 auf 9,6 Prozent gestiegen. Als Gründe nennt Delticom neben einem gestiegenen Geschäftsvolumen einen anderen Länder-Mix. Demnach haben also mehr Kunden bestellt, die weiter entfernt von Deutschland wohnen, was längere Transportwege für die Ware bedeutet.

Insgesamt hat sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) daher nur um 7,3 Prozent auf 8,6 Mio. Euro verbessert. Nach Abschreibungen sank das EBIT sogar um 10,3 Prozent auf 1,6 Mio. Euro. Hintergrund ist, dass die Delticom AG eines von drei Lagern in Deutschland zum Jahresende aufgibt und es damit zu einer außerplanmäßigen Abschreibung der an diesem Lagerstandort eingesetzten Sorter und Verpackungsmaschinen gekommen ist.

Zu Beginn des vierten Quartals 2015 konnte Delticom übrigens von einem frühen Start in die Wintersaison profitieren. Denn kalte Temperaturen und erster Schnee in Deutschland hatten viele Autofahrer veranlasst, neue Winterreifen zu kaufen. Aufgrund eines „beschleunigten Umsatzwachstums“ wurde daher im November die Umsatzprognose für das gesamte Jahr nach oben korrigiert. So rechnet der Konzern nun mit einem Netto-Umsatz von 530 bis 540 Mio. Euro in diesem Jahr. Ursprünglich hatte man für 2015 erst einen Umsatz prognostiziert, der etwa auf der Höhe des vergangenen Geschäftsjahres liegen sollte (2014: 501,7 Mio. Euro).

Der Delticom-Konzern ist derzeit mit über 200 Online-Shops in weltweit 41 Ländern aktiv. Zu den bekanntesten Shop-Marken gehören unter anderem Tirendo.de und Reifendirekt.de. Die meisten Umsätze werden in der EU erzielt. Hier wurden in den ersten neun Monaten diesen Jahres insgesamt 272,9 Mio. Euro erlöst (Wachstum: +14,7 Prozent), in den Ländern außerhalb der EU waren es dagegen nur 81,3 Mio. Euro (Wachstum: +6,7 Prozent).

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Über Stephan Randler 2933 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.