Insolvenz von Lesensart: Weltbild zeigt sich „überrascht“

Für die Buchhandlung Lesensart Rüdiger Wenk GmbH wurde beim Amtsgericht Münster ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das hat das Gericht auf Nachfrage von neuhandeln.de bestätigt. Nach einer offiziellen Mitteilung des Amtsgerichts (Aktenzeichen: 81IN36/15) wurde Betriebswirt Ulrich Zerrath zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Weltbild FilialeLesensart hatte kürzlich einige Weltbild-Filialen übernommen (Bild: Weltbild)

Bekannt wurde Lesensart vor allem dadurch, dass der Buchhändler in diesem Frühjahr einige Filialen von Weltbild übernommen hatte. Konkret wurden im März insgesamt 67 Filialen dieser Händlermarke rückwirkend zum 01. Februar 2015 an Lesensart verkauft. Weltbild trennte sich damals von diesen Standorten, weil sich bei den betroffenen Läden die “Erwartungen an die Entwicklung des Geschäfts aufgrund zu hoher Struktur- und Mietkosten nicht erfüllt“ hatten. Von der Insolvenz der Buchhandlung Lesensart ist man bei Weltbild nun „überrascht worden„.

Während es bei Lesensart kriselt, gibt sich Weltbild mit seinem Geschäft in den verbliebenen Filialen zufrieden. So hätte man zwar in der Vergangenheit in den Weltbild-Filialen mit einem zweistelligen Umsatzminus zu kämpfen gehabt. Aktuell aber liegen die Filialen nach eigenen Angaben „erfreulicherweise auf gutem Niveau„. In den Filialen der Zweitmarke Jokers läuft es scheinbar noch besser, hier übertreffe das Geschäft bereits die Umsätze aus dem Vorjahr.

Als Grund für diese Entwicklung nennt Weltbild, dass man das Filialnetz restrukturiere. In den Filialen der Marke „Weltbild“ bewerbe der Händler zum einen stärker als zuvor die Vorteile der eigenen Weltbild-Editionen von Büchern wie exklusive Titel oder günstigere Preise als bei den Originalausgaben. Dazu wirbt Weltbild in seinen Filialen zum Beispiel auf Tischen oder an Regalen mit einem weißen „W“ auf einem roten Lesezeichen („Weltbild Klammer“), um Kunden diese Vorteile mit einem einprägsamen Symbol sofort optisch bewusst zu machen („Weltbild-Vorteil“). Dazu werden Non-Media-Sortimente in den Buchhandlungen jetzt in Themenwelten auf Tischen und in Regalen präsentiert (Beispiel: „Praktisches für den Garten“). Durch diese Maßnahmen habe man eine Trendwende bei dem Filialgeschäft herbeiführen können.

Aktuell gehören 85 Filialen der Marken Weltbild und Jokers in Deutschland sowie weitere 55 Filialen von Weltbild in Österreich und der Schweiz zum Vertriebsnetz des Buchhändlers. Der Plan sieht zudem vor, jährlich bis zu zehn Filialen an attraktiven Standorten zu eröffnen. Bei Jokers beispielsweise befinden sich zwei neue Standorte jetzt schon in der Umsetzung.

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Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

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