eBook-Flatrate: Amazon-Modell wäre in Deutschland zulässig

Zu Beginn der Woche hatte ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht, was die eBook-Flatrate von Amazon generell für den Online-Handel bedeuten könnte. Dabei kam ich zu dem Schluss, dass Amazon sehr wahrscheinlich sein Flatrate-Modell für digitale Bücher auch nach Deutschland bringen und damit die Konkurrenz noch stärker unter Druck setzen wird.

eBook-Flatrate von AmazonBildquelle: Screenshot

Gestern hat mich ein Artikel von iBusiness aber aufhorchen lassen, indem die in Deutschland übliche Buchpreisbindung als möglicher Stolperstein für eBook-Flatrates genannt wird:

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird eine deutsche Buchflatrate durch die Buchpreisbindung rechtlich anfechtbar sein. Wenn sie nicht sogar in der von Amazon geplanten Form scheitern muss; die Meinungen der Juristen gehen auseinander.“

Tatsächlich gibt es in den USA ja keine Buchpreisbindung, was kreative Geschäftsmodell deutlich erleichtert. Wäre die Buchpreisbindung also wirklich ein Hindernis für Amazon, um in Deutschland ebenfalls eine eBook-Flatrate anzubieten und damit ein mediengerechtes Bezahlmodell für digitale Bücher im Mainstream zu verankern?

Diese Frage habe ich dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestellt und eine interessante Antwort erhalten. Demnach muss sich Amazon zwar an die deutsche Buchpreisbindung halten, wenn der US-Händler deutschsprachige Bücher an Kunden in Deutschland ausliefert. Eine eBook-Flatrate nach amerikanischem Vorbild wäre aber durchaus denkbar (via Mail):

Preisbindungsrechtlich sind Flatrate-Modelle für den zeitlich begrenzten Zugriff durch den Kunden zulässig, da die Buchpreisbindung nur beim Verkauf von Büchern anwendbar ist. Wird das Buch nur für einen bestimmten Zeitraum genutzt, ist dies mit der Vermietung eines Buches vergleichbar. Eine Flatrate als monatlicher, vierteljährlicher oder jährlicher Mietpreis für eine definierte Zahl downgeloadeter E-Books ist also zulässig.“

Einem Mietmodell müssen demnach lediglich die Verlage zustimmen. Das dürften zwar nicht alle wollen – aus Furcht, durch eine Flatrate weniger zu verdienen als durch den traditionellen Verkauf. Hier bleibe ich aber bei meiner These: Wer nicht mitzieht, ist draußen. Und das kann sich wohl auf Dauer kein Verlag bei der momentanen Marktmacht von Amazon erlauben.

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Über Stephan Randler 2265 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr