Creatrade-Chef Breitfeld: „Der Katalog funktioniert nach wie vor“

Im vorletzten Geschäftsjahr 2015 konnte die Versendergruppe Creatrade zwar einen Konzernumsatz von insgesamt 230,6 Mio. Euro netto erzielen. Im Vergleich zum Vorjahr hat damit aber das Geschäft des Multishop-Unternehmens (bekannteste Marken: Conleys, Impressionen, Schneider) um rund fünf Prozent abgenommen, da der Handelskonzern ein Jahr zuvor noch 242,5 Mio. Euro erzielen konnte. Im Gespräch mit neuhandeln.de nennt Geschäftsführer Marc Breitfeld die Hintergründe für das Minus.

Marc Breitfeld Creatrade
Marc Breitfeld (Bild: Creatrade Holding)

neuhandeln.de: Ursprünglich hatte die Creatrade-Gruppe für das Jahr 2015 ein Umsatzplus von drei bis fünf Prozent geplant. Warum wurde diese Prognose in der Praxis dann doch verfehlt?

Marc Breitfeld (48): „Die Entwicklung fällt etwas differenzierter aus, wenn man unsere einzelnen Produktgruppen für sich betrachtet. So konnten wir bei Möbeln und Deko-Artikeln erneut wachsen, während das Geschäft mit Mode tatsächlich rückläufig war. Auch bei unserem B2B-Versender Schneider sind die Umsätze zurückgegangen.“

neuhandeln.de: Was waren die Hintergründe für diese Entwicklung?

Breitfeld: „Beim B2B-Geschäft haben wir uns von einzelnen Produktgruppen getrennt, die für uns nicht mehr rentabel sind. So verkaufen wir keine Elektronik-Produkte wie Toaster mehr, weil Kunden hier einfach Preise vergleichen können und daher der Wettbewerbsdruck sehr hoch ist.“

neuhandeln.de: Und beim Mode-Geschäft?

Breitfeld: „Zum einen war 2015 generell der Handel mit Fashion schwierig, weil Verbraucher allgemein weniger Geld für Mode ausgegeben haben. Dazu hatten wir Schwierigkeiten mit dem Sortiment, weil die Kollektionen unserer Eigenmarken von Kunden nicht so angenommen wurden wie zuvor.“

neuhandeln.de: Wie haben Sie auf diese Entwicklung reagiert?

Breitfeld: „Wir befinden uns in einem Transformationsprozess. Dazu gehört, dass wir das Geschäft mit unseren Eigenmarken in einer zentralen Einheit bündeln. Bislang lief das Geschäft hier beim Impressionen-Versand und Conleys getrennt. Jetzt bündeln wir das Eigenmarken-Geschäft beider Marken in einer internen Einheit, um zum Beispiel bessere Konditionen mit Lieferanten zu erzielen. Denn Eigenmarken sind für uns strategisch wichtig, weil wir uns damit aus der Vergleichbarkeit entziehen und Kunden exklusive Sortimente bieten. Durch die Umstellung hat sich das Mode-Geschäft im vergangenen Jahr bereits wieder stabil entwickelt.“

neuhandeln.de: Das traditionell über Print-Kataloge beworben wird.

Breitfeld: „Der Katalog funktioniert nach wie vor. Denn als Fashion- und Lifestyle-Anbieter leben wir davon, dass wir unsere Kunden über den gedruckten Katalog zu Käufen inspirieren. Dennoch investieren wir immer mehr Marketing-Budget in Online-Kanäle, wo wir in der Vergangenheit erst wenig gemacht haben. Erste Auswertungen zeigen aber, dass die Neukundenakquise über das Internet gut funktioniert. Bei den Katalogen stellt sich zudem generell die Frage, ob Kunden wirklich jeden Monat einen neuen Katalog brauchen – oder ob zwischendrin nicht vielleicht auch eine Postkarte reicht, um Kunden in den Online-Shop zu ziehen.“

neuhandeln.de: Investiert wurde zuletzt auch in einen weiteren Online-Shop.

Breitfeld: „Im Frühjahr 2014 haben wir mit MiaVilla.de einen Möbel-Shop gestartet, der das bestehende Angebot sinnvoll ergänzt. Mit der Entwicklung sind wir sehr zufrieden, da die Wachstumsraten über 300 Prozent liegen und wir mit MiaVilla.de bereits einen zweistelligen Millionen-Umsatz erzielen. Generell investieren wir massiv in unseren Transformationsprozess, nicht nur in neue IT-Mitarbeiter und Experten für das Online-Marketing.“

Vom Gesamtumsatz von 230,6 Mio. Euro wurden 2015 rund 185,4 Mio. Euro im Inland erzielt, die übrigen 45,3 Mio. Euro im Ausland. Zwei Drittel der Aufträge wurden über das Internet generiert. Das EBITDA beträgt rund 20,0 Mio. Euro, was einer Rendite von rund neun Prozent entspricht.

Zur Versendergruppe Creatrade gehören insgesamt sechs Vertriebsmarken. Im B2C-Geschäft zählen dazu neben Conleys, Impressionen und MiaVilla auch noch Gingar und Faibels (zuvor: Discovery). Im B2B-Geschäft ist der Konzern mit der Versendermarke Schneider aktiv. Mehrheitsgesellschafter ist die Beteiligungsgesellschaft Silverfleet Capital, die seit Oktober 2010 am Unternehmen beteiligt ist.

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