Bonprix-Strategie: Neustart in Spanien, Rückzug aus Türkei

Die Otto-Tochter Bonprix zieht es jetzt nach Spanien. Denn hier will der Mode-Versender im zweiten Halbjahr 2019 einen landeseigenen Online-Shop starten, nachdem Bonprix in Südeuropa bisher erst Verbraucher in Italien bedient. Für Spanien interessiert sich die Otto-Tochter nun, weil das Land nach eigenen Angaben ein sehr mode- und online-affiner Markt mit hohem Potenzial sei. Bedient werden dabei Kunden in Spanien künftig mit Ware, die Bonprix aus seinem Versandlager in Italien verschickt.

Kai Heck
Geschäftsführer Kai Heck (Bild: Bonprix)

Zuletzt war der deutsche Mode-Versender in Europa vor zwei Jahren nach Norwegen expandiert, wo der Markteintritt nach eigenen Angaben „positiv verlaufen“ ist. Kein Wunder also, dass die Otto-Tochter nun erneut einen weiteren Ländermarkt ins Visier nimmt. Schließlich haben nicht zuletzt die Geschäfte im Ausland im vergangenen Geschäftsjahr stark angezogen.

So gab es in der Berichtsperiode 2018/2019 (Ende: 28. Februar) sowohl in Polen als auch in Tschechien jeweils ein Umsatzplus von über 20 Prozent, in Rumänien und Ungarn lagen die Zuwächse sogar bei je über 30 Prozent.

„In den osteuropäischen Märkten haben wir zur Zeit günstige Rahmenbedingungen“, argumentiert Kai Heck (siehe Foto), der als Geschäftsführer bei Bonprix verantwortlich ist für IT, Finanzen und Service.

Allerdings muss man das Wachstum aus zwei Gründen relativieren. Zum einen nennt Bonprix selbst keine konkreten Zahlen dazu, wie hoch die Umsätze in Osteuropa und Skandinavien ausfallen. Zum anderen spricht Bonprix selbst etwa bei Rumänien und Ungarn von „den etwas kleineren Märkten“.

Über alle Ländermärkte hat Bonprix im vergangenen Geschäftsjahr dagegen einen Netto-Umsatz von rund 1,57 Mrd. Euro eingefahren und dadurch ein Wachstum von rund 3,4 Prozent erreichen können (2017/2018: 1,56 Mrd. Euro). Knapp die Hälfte vom Konzernumsatz erzielt die Otto-Tochter dabei in Deutschland, wo das Geschäft allerdings etwas abgenommen hat. So hatte zum einen der lange und heiße Sommer dazu geführt, dass der Absatz in Deutschland gesunken ist. Zum anderen wurde aber auch die IT-Landschaft umgestellt, wo Bonprix von einem Konzernsystem zu SAP gewechselt hat. Vor diesem Hintergrund hatte die Otto-Tochter ihre verkaufsfördernden Aktivitäten „bewusst“ reduziert.

Ganz den Stecker gezogen hat Bonprix sogar in der Türkei, wo der Mode-Versender in den vergangenen acht Jahren online verkauft hat. Hier hat sich die Otto-Tochter jetzt aber wieder zurück gezogen, weil vor Ort nach eigener Auffassung die „wirtschaftlichen Perspektiven“ fehlen. Das Geschäft in der Türkei wurde überwiegend aus Deutschland gesteuert, so dass nach eigenen Angaben bis auf Einzelfälle kein Personalabbau notwendig gewesen ist. Änderungen gibt es auch in Brasilien, wo die Otto-Tochter im Jahr 2014 mit einem eigenen Online-Shop gestartet war. Hier wurde das Geschäftsmodell nun in ein Franchise-Konzept umgestellt, wobei der überwiegende Teil der Belegschaft übernommen wurde.

Bonprix ist in 30 Ländern aktiv und verkauft über Print-Kataloge, Online-Shops und Filialen. Der Mode-Versender führt ausschließlich Eigenmarken wie bpc. Die Rendite hat im vergangenen Geschäftsjahr 2018/2019 nach eigenen Angaben über alle Ländermärkte zwischen drei und fünf Prozent betragen.

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Über Stephan Randler 2147 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr