Otto-Bilanz: Aboutyou.de boomt, Bonprix schwächelt, SportScheck stagniert

Seinen Konzernabschluss präsentiert der Otto-Konzern zwar immer erst Mitte Mai. Vorab verraten die Hanseaten aber traditionell vorläufige Zahlen zur Geschäftsentwicklung – so auch dieses Jahr. Dabei ist in erster Linie interessant, wie sich die einzelnen Versender aus dem Konzernverbund entwickeln. Hier fällt die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18 (Ende: 28. Februar) recht unterschiedlich aus.

Otto Alexander Birken
Alexander Birken (Bild: Otto Group)

Positiv verlief das Geschäft zum einen beim Otto-Versand, wo man jetzt den Umsatz um 8,5 Prozent auf knapp 3 Mrd. Euro netto steigern konnte (siehe Extra-Meldung aus der vergangenen Woche). Eine „überplanmäßige Entwicklung“ gab es zudem beim Fashion-Versender AboutYou.de, mit dem die Otto-Gruppe seit Mai 2014 jüngere Mode-Käufer adressiert.

Hier hat sich der Netto-Umsatz mit einem Plus von 110 Prozent auf 283 Mio. Euro mehr als verdoppelt (+110 Prozent), womit man nach eigenen Angaben das Ziel von 250 bis 280 Mio. Euro übertreffen konnte.

Profitieren konnte das Otto-Startup unter anderem davon, dass Promis ausgewählte Mode in ihren Social-Media-Kanälen beworben haben. Dazu hatte das Start-Up mit TV-Werbung geworben. Denn seit Herbst 2016 ist mit SevenVentures der Media-Investor der ProSiebenSat.1-Gruppe beteiligt, der auf das Beteiligungsmodell „Media for Equity“ setzt, bei dem statt Geld eine Medialeistung geboten wird.

Ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr gab es zudem bei der Witt-Gruppe, die mit mehreren Marken die Zielgruppe der Best Ager anspricht (u.a. Witt Weiden, Sieh an!, Création L). Hier erhöhte sich der Umsatz um rund acht Prozent auf 818 Millionen Euro. Profitieren konnte Witt davon, dass erstmals das kürzlich gestartete US-Geschäft über ein volles Geschäftsjahr zum Umsatz beitragen konnte. Dazu gilt die Witt-Gruppe als „Fokus“-Unternehmen, in die seit dem Geschäftsjahr 2017/18 verstärkt investiert wird.

Zu den konzerninternen „Fokus-Unternehmen“ zählt auch der Mode-Versender Bonprix, der im vergangenen Geschäftsjahr dennoch nur einen Umsatz leicht über dem Vorjahresniveau von 1,5 Mrd. Euro erzielen konnte. Denn die Otto-Tochter hatte im abgelaufenen Jahr weniger in Marketing investiert, nachdem Bonprix zuvor sein 30-jähriges Bestehen in Deutschland stark beworben hatte.

Otto Group Umsatz
Mehr Wachstum: Die Otto-Gruppe will den Konzernumsatz bis 2022 deutlich ausbauen (Grafik: Otto Group)

Ein deutliches Plus gibt es jetzt dagegen bei der Baur-Gruppe, wie ich auch schon ausführlich auf neuhandeln.de berichtet hatte. Bei der myToys-Gruppe wiederum erhöhten sich die Umsätze um rund elf Prozent auf 617 Mio. Euro. Hier honorieren Verbraucher unter anderem zunehmend das Kombi-Shopping-Modell, bei dem Kunden parallel in vier verschiedenen Online-Shops einkaufen können, dazu aber nur eine einzige Bestellung benötigen. Zur Gruppe gehört zudem der Shopping-Club Limango, der Sortiment als auch Verkaufsaktionen ausgebaut hat (siehe Extra-Meldung).

Bei der Schwab-Gruppe gab es dagegen einen Umsatzrückgang von 14,8 Prozent auf 173 Mio. Euro. Hier wird zum einen nicht mehr groß in das Geschäft des Universalversenders Schwab investiert und stattdessen das vorhandene Kundenpotenzial ausgeschöpft. Zudem ging das Geschäft der Plus-Size-Marke Sheego zurück, das nach einem durchwachsenen Vorjahr momentan neu ausgerichtet wird.

Wenig Bewegung gibt es dagegen bei dem Sport-Fachhändler SportScheck, wo der Netto-Umsatz im Geschäftsjahr 2017/18 mit 286 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahr liegt. Hier zieht das Online-Geschäft zwar an, weil man durch eine bessere Sortimentierung das Angebot für Kunden attraktiver machen konnte und dazu die Verfügbarkeit von Bestsellern erhöht wurde. Beim Filialgeschäft leidet die Otto-Tochter aber unter anderem darunter, dass es bei der Verkaufsleistung noch Luft nach oben gibt und die Frequenz in den Innenstädten zurückgeht. Nachdem die SportScheck-Umsätze vor einem Jahr aber von 319 Mio. auf 291 Mio. Euro eingebrochen waren, scheint der Absturz jetzt immerhin gestoppt.

Insgesamt kommt der Otto-Konzern über alle Aktivitäten auf einen weltweiten Netto-Umsatz von 13,7 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2017/18. Das entspricht einem Plus von neun Prozent, das man aber relativieren muss. Denn die Geschäftsjahre aller Töchter wurden auf den 28. Februar harmonisiert. Dadurch kommen manche Gesellschaften auf ein um ein oder zwei Monate verlängertes Geschäftsjahr, wenn dieses bislang am 31. Dezember oder 31. Januar zu Ende ging. Ohne diesen Effekt haben sich die Umsätze nur um knapp sieben Prozent erhöht, was aber ebenfalls ein „überplanmäßiger“ Wert sei.

„Um unser Umsatzziel von 17 Milliarden Euro bis 2022 auf vergleichbarer Basis zu erreichen, müssen wir jährlich mit etwa 5 Prozent wachsen“, verdeutlicht der Vorstandsvorsitzende Alexander Birken (siehe Foto). „Im zurückliegenden Geschäftsjahr ist uns das mehr als gut gelungen – und auch für 2018/19 rechnen wir mit einem anhaltend hohen Umsatzwachstum.“ Das Wachstum der Gruppe gehe ihm zufolge einher mit einer verbesserten Profitabilität, konkrete Zahlen dazu gibt es aber erst im Mai.

Der Otto-Konzern ist mit seinen drei Sparten Multichannel-Einzelhandel, Service (u.a. Paket-Zusteller Hermes) und Finanz-Dienstleistungen mit derzeit über 120 Unternehmen in 30 verschiedenen Ländern vertreten. Zu den bekanntesten Handelsfirmen gehören in Deutschland neben dem Otto-Versand unter anderem SportScheck, AboutYou, Limango und Witt Weiden sowie Crate & Barrel in Nordamerika.

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Über Stephan Randler 2101 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr