Shop-Aus nach acht Jahren: AO zieht sich aus Deutschland zurück

Vor wenigen Monaten hatte der britische Elektronik-Händler AO (Abkürzung für: „Appliances online“) angekündigt, sein Online-Geschäft in Deutschland einer strategischen Prüfung zu unterziehen. Jetzt steht das Ergebnis dieses Reviews fest. Denn die Verantwortlichen des Händlers haben entschieden, dass der Rückzug aus Deutschland nun die beste Vorgehensweise ist. Zu diesem Ergebnis ist man nach eigenen Angaben gekommen, nachdem zuvor eine Reihe strategischer Optionen bewertet wurden.

AO Lieferung
Der deutsche Online-Shop schließt (Bild: AO)

Begründet wird das Aus in Deutschland in einem aktuellen Statement erneut damit, dass sich das Handelsumfeld hierzulande verändert habe. Konkret hat AO in Deutschland nach eigenen Angaben zum einen damit zu kämpfen, dass Kosten für digitales Marketing „erheblich“ gestiegen sind. Zum anderen habe sich aber auch der Online-Wettbewerb verschärft, weil viele Verbraucher mit dem Abflachen der Corona-Pandemie wieder mehr offline kaufen würden.

Diese Gründe kennen Leser von neuhandeln.de bereits. Denn so hatte AO im Januar bereits erklärt, warum das Geschäft in Deutschland überprüft wird.

Ich gehe aber sogar noch ein Stück weiter. So mögen höhere Marketing-Kosten und ein zunehmender Wettbewerb durchaus gute Gründe sein, um das Geschäft in Deutschland wieder einzustellen. Doch ich hatte bereits zum Deutschland-Start von AO im Herbst 2014 davor gewarnt, dass es AO in Deutschland nicht einfach haben wird. Denn es stellte sich von Anfang an ja generell die Frage, warum Verbraucher hierzulande ihre Kühlschränke und Waschmaschinen ausgerechnet bei einem neuen Online-Händler kaufen sollten. Schließlich gab und gibt es mit Anbietern wie Amazon, Otto oder MediaSaturn ja genug Alternativen. Dazu ist der Markt sehr preissensibel und daher von vornherein für Händler undankbar.

Deutschland-Geschäft von Anfang an fragwürdig

Der Online-Pureplayer AO.com wurde 2000 gegründet und war bis Herbst 2014 nur in Großbritannien aktiv. Dann waren die Briten mit weißer Ware in Deutschland gestartet, heute bietet der Deutschland-Shop AO.de auch Elektronik-Produkte wie Haushaltskleingeräte, Staubsauger, TV- und Audio-Produkte. Im Gegensatz zu Wettbewerbern liefert AO.de seine Großgeräte über eine hauseigene Lieferflotte aus.

Das Geschäft in Deutschland wird nach eigenen Angaben für einen kurzen Zeitraum weitergeführt, um eine strukturierte und geordnete Schließung für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zu ermöglichen. Das Deutschland-Geschäft umfasst nach Angaben von AO rund 400 Personen, die nun von dem Shop-Aus betroffen sind. Seine Mitarbeiter in Deutschland will AO so gut wie möglich unterstützen. Künftig möchte sich AO World wieder verstärkt auf sein Online-Geschäft in Großbritannien konzentrieren.

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Über Stephan Randler 3210 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.