„Abenteuer Europa“: Vente Privée geht auf Expansionskurs

Nachdem Vente Privée im vergangenen Geschäftsjahr nur moderat wachsen konnte, dürfte der französische Shopping-Club in diesem Jahr wieder stärken zulegen. Für diese These spricht auf jeden Fall, dass die Franzosen gerade kräftig in Wachstum investieren. So hat Vente Privée den Wettbewerber Vente Exclusive übernommen, der aber hierzulande kaum bekannt sein dürfte.

Vente ExclusiveVente Exclusive ist eine Club-Kopie von Vente Privée (Bild: Screenshot)

Kein Wunder: Vente Exclusive wurde zwar bereits im Jahr 2006 gegründet, konzentriert sich bei seinem Geschäft aber ausschließlich auf die Ländermärkte Holland, Belgien und Luxemburg. In diesen Benelux-Staaten ist man mit demselben Geschäftsmodell aktiv, das Vente Privée bereits seit seinem Start im Jahr 2001 verfolgt und von Vente Exclusive damit letztlich kopiert wurde.

Das bedeutet: Jeden Tag starten neue Verkäufe, die drei bis fünf Tage dauern – oder solange der Vorrat reicht. Angeboten werden Restposten und Saisonware, die Kunden zu sehr hohen Rabatten bekommen. Erst nach dem Ende einer Aktion wird Ware beim Hersteller geordert.

Auf diese Weise können Marken ihre Überhänge auf einmal losschlagen. Weil die Verkäufe aber nur registrierte Mitglieder einsehen können, wird Ware nicht öffentlich verramscht. Der Shopping-Club wiederum kann Kunden bekannte Marken zu günstigen Preisen anbieten.

Umsätze von Vente PrivéeSeit dem Start hat Vente Privée stark zulegen können (Bild: eigene Grafik)

Mit diesem Geschäftsmodell konnte Vente Exclusive im vergangenen Geschäftsjahr einen Brutto-Umsatz von 90 Mio. Euro (inkl. MwSt.) erzielen. Addiert man nun diese Summe zum Gesamtumsatz von Vente Privée von 1,7 Mrd. Euro brutto im vergangenen Jahr, so könnten die Franzosen allein durch den Zukauf um sechs Prozent wachsen – vorausgesetzt, dass dabei das bestehende Geschäft zumindest stagniert. Da aber im Bestandsgeschäft von Vente Privée ein moderates Wachstum wahrscheinlich ist, dürfte das Umsatzplus wohl noch stärker ausfallen.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Vente Privée den Umsatz um sechs Prozent von 1,6 Mrd. auf 1,7 Mrd. Euro brutto erhöhen. Ein Jahr zuvor gab es noch ein Plus von 23 Prozent (siehe Grafik). Warum sich das Wachstum abschwächte, verrät man aber nicht.

Im vergangenen Jahr haben sich die Franzosen zwar aus dem US-Markt zurückgezogen. Die Umsätze in den Vereinigten Staaten waren aber nie in dem kommunizierten Gesamtumsatz enthalten, weil der Shopping-Club als „vente-privee by American Express“ betrieben wurde und damit das Geschäft in den Vereinigten Staaten unabhängig vom Geschäft in Europa lief.

Vente Privée AnzeigenmotivKein Geheimnis ist allerdings, dass sich Vente Privée mit seinem französischen Namen in Deutschland schwer tut. Obwohl der Shopping-Club hierzulande bereits seit dem Jahr 2006 aktiv ist, kam man 2013 gerade einmal auf einen Jahresumsatz in einem niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Zum Vergleich: Im Heimtland Frankreich wurden im selben Zeitraum etwa 80 Prozent von dem Gesamtumsatz des Shopping-Clubs in Höhe von 1,6 Mrd. Euro brutto erzielt – also knapp 1,3 Mrd. Euro allein in Frankreich.

Um das Geschäft in Deutschland anzukurbeln, haben die Franzosen in diesem Sommer eine Image-Kampagne gestartet (siehe Foto). Seitdem wird der Shopping-Club außerdem mit dem deutschen Claim „Aus Liebe zu Marken“ beworben, um das Angebot besser zu beschreiben.

„Tor zu Nordeuropa“: Expansion nach Skandinavien steht offenbar bevor

Bei diesen Investitionen wird es nicht bleiben. So plant Vente Privée eine weitere Expansion in Europa, nachdem der Shopping-Club bislang in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, UK und Österreich sowie Belgien und Holland aktiv ist. Obwohl die Franzosen bereits in Benelux vertreten sind, soll der gerade eben übernommene Wettbewerber Vente Exclusive mit seiner bestehenden Marke aktiv bleiben. Vente Privée will das Online-Angebot des ehemaligen Konkurrenten um Marken erweitern, mit denen man bereits beim Kerngeschäft kooperiert.

Details zur weiteren Europa-Expansion verrät Vente Privée nicht. Es steht aber offenbar der Schritt nach Skandinavien an. So bezeichnet Gründer Jacques-Antoine Granjon die Übernahme von Vente Exclusive als „Tor zu Nordeuropa„, wobei man das „Abenteuer Europa“ angehen will.

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Über Stephan Randler 2295 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr