SportScheck: Zweistelliges Wachstum, deutliche Verluste

Nach einigen Jahren mit spürbaren Umsatzrückgängen steuert die Otto-Tochter SportScheck im laufenden Geschäftsjahr 2015/2016 (Stichtag: 29. Februar) erstmals wieder auf ein deutliches Wachstum zu. Denn nach eigenen Angaben liegt der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr seit dem Start im März 2015 bislang 13 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresumsatz – und damit nach Informationen von neuhandeln.de bislang auch ein Prozent über der Planung.

SportScheck Online-ShopBei SportScheck können nun auch Drittanbieter verkaufen (Bild: Screenshot)

Wenn es bis zum Ende des Geschäftsjahres dabei bleibt, käme SportScheck nicht nur auf einen Netto-Umsatz von rund 335 Mio. Euro. Der Multichannel-Händler könnte in diesem Fall auch erstmals seit dem Geschäftsjahr 2011/2012 wieder einmal ein Wachstum für sich verbuchen.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 28. Februar) war der Netto-Umsatz von SportScheck um 7,2 Prozent auf 296 Mio. Euro gesunken. Bereits ein Geschäftsjahr zuvor (2013/2014) war der Umsatz schon um 5,1 Prozent auf 319 Mio. Euro geschmolzen. Ein Jahr davor (2012/2013) gab es einen Rückgang von 2,9 Prozent auf 336 Mio. Euro (siehe Grafik).

Das letzte Wachstum datiert daher aus dem Geschäftsjahr 2011/2012, als die Otto-Tochter um 5,9 Prozent auf 346 Mio. Euro netto zulegen konnte. Trotz einem bislang zweistelligen Plus im laufenden Geschäftsjahr würde der Umsatz von SportScheck – Stand heute – mit voraussichtlich 335 Mio. Euro aber weiter unter dem Umsatzniveau aus dem Geschäftsjahr 2011/2012 liegen.

SportScheck UmsatzBei SportScheck gingen die Umsätze zuletzt zurück (Bild: eigene Grafik)

Auch sonst ist längst nicht alles rosig bei der Otto-Tochter. So rechnet etwa Jan Kegelberg, Chief Digital Officer bei SportScheck, im Gespräch mit neuhandeln.de für das laufende Geschäftsjahr 2015/2016 mit einem “zweistelligen Millionenverlust“. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr 2014/2015 hatte es laut der Otto-Gruppe “deutliche Ergebnisverluste“ gegeben. Konkrete Zahlen nennt der Konzern nicht, SportScheck selbst veröffentlicht keinen eigenen Jahresabschluss.

Schuld an den Verlusten ist unter anderem, dass in den vergangenen Geschäftsjahren viel in IT und Logistik investiert wurde. So hatte man einerseits SAP eingeführt, zum anderen wurde die Logistik von Burgkunstadt nach Apfelstädt verlagert und mit Fiege ein neuer Dienstleister für das Fulfillment beauftragt. Dass es im laufenden Geschäftsjahr 2015/2016 nun beim Umsatz wieder nach oben geht, liege daher nicht zuletzt daran, dass SportScheck laut Geschäftsführer Markus Rech nun seine Kernprozesse “wieder im Griff” habe. So könne man zum Beispiel seit der Umstellung im Backend den Kunden mehr Service bieten – was man auch direkt im Online-Shop sehen kann. Denn seit der Umstellung auf SAP im vergangenen Juli können Kunden nun online überprüfen, welche Waren in einer Filiale vorrätig sind und diese direkt reservieren.

Anderthalb Jahre nach der Ankündigung: Plattformgeschäft jetzt gestartet

Dass SportScheck in den vergangenen Jahren immer wieder Umsatz verloren hatte, liegt aber nicht nur an der Technik. Auch beim Sortiment hat man augenscheinlich den Zielkunden ein wenig aus den Augen verloren. Denn ein wichtiges Ziel vom neuen SportScheck-Management und dem Vorsitzenden Markus Rech ist, das Sortiment im Online-Shop deutlich auszubauen.

Konkret sollen Nischen-Sortimente rund um die Sportarten Fußball, Laufen, Fitness/Training als auch Wandern und Klettern ein stärkeres und tieferes Profil erhalten als es aktuell der Fall ist.


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Vor diesem Hintergrund verkaufen ab sofort auch erstmals externe Anbieter über den Online-Shop von SportScheck, wo man den Start ins Plattformgeschäft bereits vor anderthalb Jahren angekündigt hatte. Aktuell stammen zum Beispiel bereits erste Artikel aus der Produktkategorie “Fußball” von Drittanbietern, wobei diese gegenüber Endkunden nicht selbst in Erscheinung treten und auch die Fremdware im Namen und auf Rechnung von SportScheck verkauft wird.

SportScheck betreibt damit also keinen Online-Marktplatz wie Amazon, wo mehrere Händler einzeln auftreten. Es handelt sich bei dem SportScheck-Modell um eine Vertriebsplattform in der Art von Real.de, wo immer nur der Portalbetreiber selbst für die Kunden ersichtlich ist.

Bei dem Plattformgeschäft kooperiert SportScheck übrigens mit der auf Marktplatz-Software spezialisierten Tradebyte Software GmbH, die neuhandeln.de auch als Sponsor unterstützt.

Bei SportScheck hatte sich erst in der vergangenen Woche der Geschäftsführer Stefan Herzog verabschiedet. Dadurch wurde in den vergangenen anderthalb Jahren das Management-Team komplett ausgetauscht. Bereits Ende Juli 2014 hatte mit Jürgen Habermann ein Geschäftsführer den Händler verlassen, der für Vertrieb und Personal zuständig war. Im Sommer 2015 hatte sich dann Finanz- und IT-Chef Guido Jaenisch verabschiedet. Im Gegenzug wurden mit Lars Schöneweiß (Finanzen) und Markus Rech (Vorsitz) zwei neue Geschäftsführer verpflichtet.

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2 Kommentare zu SportScheck: Zweistelliges Wachstum, deutliche Verluste

  1. Textilwirtschaft berichtete darüber schon gestern. Also eigentlich kommt hier nix neues bei rum. Richtig traurig ist die Werbung: “Bei dem Plattformgeschäft kooperiert SportScheck übrigens mit der auf Marktplatz-Software spezialisierten Tradebyte Software GmbH, die neuhandeln.de auch als Sponsor unterstützt.” Das stellt jedwede Unabhängigkeit mal hübsch in Frage.

  2. Liebe Tatjana,

    vielen Dank für Ihren Kommentar, zu dem ich kurz folgende Anmerkungen habe:

    1. Werbung und Redaktion sind bei neuhandeln.de strikt getrennt
    2. neuhandeln.de verzichtet prinzipiell auf “gekaufte” Beiträge wie Sponsored Posts
    3. Wenn Dienstleister an interessanten Projekten beteiligt sind, wird das für gewöhnlich erwähnt. Sollte ein Sponsor von neuhandeln.de darunter sein, wird das entsprechend klar kommuniziert.

    Im übrigen freue ich mich, dass die Kollegen von der Textilwirtschaft einen guten Job machen. Es wäre schließlich auch bedenklich, wenn über so ein wichtiges Unternehmen wie SportScheck nur neuhandeln.de berichten würde.

    In diesem Zusammenhang sollte man dann aber auch erwähnen, dass der Start der neuen Online-Vertriebsplattform bei den Kollegen mit keinem Wort erwähnt wird:
    http://www.textilwirtschaft.de/business/SportScheck-Auf-allen-Kanaelen-aus-der-Krise_100777.html?a=1

    Beste Grüße
    Stephan Meixner

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