Wie stationäre Geschäfte wohl Amazon noch mächtiger machen

In den Staaten experimentiert Amazon bereits seit geraumer Zeit mit stationären Ladenflächen. Nun expandiert der Versandriese auch hierzulande erstmals offline. Los geht es in zwei Wochen in Berlin, wenn Amazon einen Pop-up-Store eröffnet. In diesem Ladengeschäft finden Verbraucher für fünf Tage in prominenter Lage (Kurfürstendamm 26a) eine Auswahl an Produkten aus dem Online-Sortiment.

Jan Korves
Jan Korves (Bild: Amazon Deutschland)

Dabei präsentiert Amazon zum einen Produkte von Herstellern wie Samsung oder Lego, die es teilweise exklusiv beim Versandriesen gibt. Zum anderen zeigt Amazon vor Ort eigene Produkte wie den Lautsprecher „Echo“, über den man per Spracheingabe unter anderem bei Amazon bestellen kann.

Diese „Must-Have-Angebote“ können Kunden dann aber nicht direkt vor Ort mitnehmen, da Amazon im Store keine Ware bevorratet. Wer sich daher für ein Produkt interessiert, kann den Artikel zum Beispiel über die Smartphone-App von Amazon direkt noch im Geschäft bestellen.

„Wir wollen Inspiration bieten“, argumentiert Jan Korves, der als „Senior Manager Consumables“ bei Amazon für den Pop-up-Store verantwortlich ist. Vor diesem Hintergrund kann man vor Ort nicht nur Produkte bestaunen, sondern auch an Events wie Konzerten oder Lesungen teilnehmen. So gibt es unter anderem ein Winter-Workout samt einer Autogrammstunde mit Fitness-Bloggerin Sophia Thiel.

Mit diesem Ansatz liegt Amazon richtig – wenn man eine Marktanalyse der Unternehmensberater OC&C als Maßstab nimmt. Diese haben gerade 50.000 Verbraucher in Deutschland dazu befragt, wie sie 650 Handelsunternehmen bewerten. Bei diesem jährlich erhobenen Ranking schneidet Amazon.de zwar traditionell gut ab und gehört schon seit dem Jahr 2010 zu den beliebtesten Händlern in Deutschland. Die Umfrage legt dann allerdings auch nahe, dass selbst Amazon.de aktuell noch Potenzial verschenkt.

Denn laut der Studie kaufen die Deutschen am liebsten bei Händlern, zu denen sie eine emotionale Bindung haben. Hier sei der Trend: Die Marke werde immer wichtiger, der Preis hingegen verliere bei der Kaufentscheidung an Bedeutung. „Erfolgreiche Einzelhändler wachsen, weil sie eine starke und nachhaltige emotionale Bindung zu ihren Kunden aufbauen“, argumentiert Christoph Treiber, Partner bei OC&C. „Die Emotionalität des Leistungsversprechens ist ein Schlüssel für zukünftiges Wachstum.“

Amazon Umsatz

Mit dem Pop-up-Store dürfte Amazon.de seine Marke jedenfalls emotional aufladen können. Zum einen kann Amazon.de durch ein haptisches Einkaufserlebnis vor Ort eine Shopping-Erfahrung bieten, die sich online so nicht abbilden lässt – und gerade im Hinblick auf Inspiration heißt es ja oft, dass Amazon.de online kein tolles Einkaufserlebnis biete. Zum anderen war der Online-Händler bislang hierzulande vor Ort ja gar nicht greifbar. Erfahrungen von anderen Online-Händlern zeigen aber, dass Geschäfte für Vertrauen sorgen. So steigt meist auch der Online-Umsatz dort, wo Online-Händler eine Filiale eröffnen. Daher dürfte der neue Pop-up-Store dazu beitragen, dass Amazon.de seine Marktmacht ausbauen kann – obwohl im deutschen E-Commerce bereits heute schon fast jeder zweite Euro bei Amazon.de landet.

Amazon Go
„Amazon Go“ (Bild: Stephan Tromp)

In den USA betreibt Amazon schon in Seattle den kassenlosen Supermarkt „Amazon Go“. Betreten kann man den Supermarkt nur, wenn man vorher die Go-App heruntergeladen hat und mit seinem Amazon-Konto angemeldet ist.

Die App stellt dann einen QR-Code bereit, den man beim Check-In an einer Schranke scannen muss. Im Laden werden dann von Kameras und Sensoren alle Aktionen erfasst. Ist man mit seinem Einkauf fertig, verlässt man den Laden über eine Schranke. Danach wird sofort vom Amazon-Account ein Bon erstellt und der Einkaufswert über das Amazon-Konto abgerechnet.

Seit Herbst gibt es in New York zudem einen 4-Star-Store. Hier zeigt Amazon unter anderem Produkte aus seinem Sortiment, die im Online-Shop mit einer durchschnittlichen Kundenbewertung von mehr als vier von fünf Sternen ausgezeichnet wurden. Neben jedem Artikel gibt es daher ein elektronisches Preisschild, das neben dem Kaufpreis auch die durchschnittliche Kundenbewertung eines Artikels aufzeigt. Bei Interesse können Kunden dann gleich kaufen und ein Produkt direkt vor Ort mitnehmen.

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Über Stephan Randler 2293 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr