Westwing & Home24: Mehr Umsatz bei höheren Verlusten

Leser von neuhandeln.de wissen bereits seit einigen Wochen, dass der Münchner Shopping-Club Westwing seinen Netto-Umsatz im Geschäftsjahr 2014 um 66 Prozent auf 183,3 Mio. Euro erhöhen konnte. Seit heute steht auch fest, wie sich das Ergebnis des Start-Ups entwickelt hat.

Westwing.deBei Westwing dürfen nur registrierte Mitglieder einkaufen (Bild: Screenshot)

Vorab hatte ich schon die nicht allzu kühne Prognose gewagt, dass alles andere als ein Verlust eine Überraschung wäre. Schließlich hatten sich bereits allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres beim Versender operative Verluste in Höhe von -44 Mio. Euro angehäuft.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2014 steht nun ein EBITDA von -60,7 Mio. Euro in der Bilanz. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Ergebnis damit deutlich verschlechtert, da Westwing zuvor erst auf ein negatives EBITDA von -46,4 Mio. Euro kam. Man kann diese Entwicklung allerdings auch anders bewerten. Denn im Verhältnis zum Umsatz gab es einen positiven Trend beim Ergebnis, da sich die EBITDA-Marge von zuvor -42,0 Prozent auf 33,1 Prozent verbessert hat – was die Macher bereits im April in Aussicht gestellt hatten und jetzt noch einmal betonen.

Westwing KennzahlenMehr Umsatz, weniger Ertrag: Das Jahr 2014 bei Westwing (Bild: Screenshot)

Wachsen konnte Westwing unter anderem, weil sich die Zahl der aktiven Kunden um 76 Prozent auf 788.000 Nutzer erhöht hat. Dafür wurde aber auch in TV-Werbung und insgesamt fünf neue Ländermärkte investiert (Belgien, Kasachstan und Tschechien, Slowakei, Ungarn), was sich beim Ergebnis niederschlägt. Im Jahr zuvor gab es zum Beispiel keine TV-Spots.

Home24.de: Günstigere Preise reduzieren den Rohertrag des Möbel-Shops

Höhere Umsätze bei einem schlechteren Ergebnis kennzeichnen auch die Bilanz des Online-Möbelhändler Home24.de, der wie Westwing zum ECommerce-Unternehmen Rocket Internet gehört und ebenfalls frische Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert hat.

Demnach gab es ein Plus von 72,5 Prozent auf einen Netto-Umsatz von 160,1 Mio. Euro, der in insgesamt acht verschiedenen Ländern erzielt wurde. Weitere Parallele zu Westwing: Home24 war auch im vergangenen Jahr in neuen Ländern an den Start gegangen (Schweiz, Italien und Belgien) und hatte in TV-Werbung investiert. Während bei Westwing aber vom Netto-Umsatz rund 79,3 Mio. Euro Rohertrag geblieben sind und sich die Rohertragsquote im Jahresvergleich so von 40,7 Prozent auf 43,3 Prozent verbessert hat, sieht es hier bei Home24.de anders aus.

Dem Online-Möbelhändler sind von 160,1 Mio. Euro Umsatz nur 58,9 Mio. Euro an Rohertrag geblieben, was einer Quote von 36,8 Prozent entspricht. Im Jahr zuvor lag der Vergleichswert noch bei 39,0 Prozent. Der Wert hat sich verschlechtert, weil Home24.de seinen Kunden im vergangenen Jahr attraktivere – also günstigere – Preise geboten hatte. Der Online-Möbelshop scheint sich also in einem preissensitiveren Wettbewerb zu bewegen als der Shopping-Club Westwing, dessen Angebote ohnehin nur registrierte Mitglieder einsehen können.

Kennzahlen Home24.deAuch bei Home24.de stiegen neben Umsätzen die Verluste (Bild: Screenshot)

Durch bessere Einkaufskonditionen und Eigenmarken konnte Home24.de dem Negativ-Trend nach eigenen Angaben aber etwas entgegensetzen. Die anderen variablen Kosten wie etwa für Fulfillment und Marketing hätten dagegen eine „positive Entwicklung“ gezeigt.

Positiv entwickelt hat sich auch die EBITDA-Marge, die von -40,9 Prozent auf -33,9 Prozent gestiegen ist. In absoluten Zahlen sieht die Entwicklung allerdings auch hier weniger positiv aus. Denn unterm Strich steht im Geschäftsjahr 2014 ein EBITDA von -54,2 Mio. Euro, was – wie auch bei Westwing – ein deutlich schlechterer Wert als im Vorjahr ist (2013: -37,9 Mio. Euro).

Westwing wurde 2011 gegründet, Home24.de ging bereits 2009 an den Start – damals aber noch unter dem Namen Möbel Profi. Seit 2012 verkauft man unter der Marke Home24.de.

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Über Stephan Randler 2626 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.