TV-Offensive: Wo der Otto-Versand aktuell Potenzial verschenkt

Der Universalversender Otto konnte seinen Umsatz im vergangenen Kalenderjahr nicht zuletzt dadurch steigern, dass immer wieder im Fernsehen für das Online-Angebot der Hanseaten geworben wurde. Verständlich also, dass der Otto-Versand auch in diesem Jahr wieder auf TV-Werbung setzt. Richten sollen es zu Jahresbeginn gleich über ein halbes Dutzend an verschiedenen TV-Spots, in denen Otto jeweils für ein ganz konkretes Produkt trommelt. Die insgesamt acht Werbe-Clips sind jeweils zwölf Sekunden lang und laufen bis 29. Januar mehrmals täglich auf den reichweitenstarken Privatsendern.

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Das Muster bei allen acht aktuellen Werbe-Clips: Zum Start wird erst ein Produkt mit seiner zentralen Eigenschaft präsentiert. Der Werbeclip für einen Ultra-HD-Fernseher von Samsung startet daher zum Beispiel mit dem Kundenversprechen „spektakulär“ (siehe Video oben). Danach werden die einzelnen Vorteile vorgestellt, die sich Kunden bei einem Kauf des Produktes sichern – in diesem Fall sind es „3 Jahre Garantie“ sowie eine „Sprachsteuerung“. Im Anschluss daran wird ein Preis genannt („Jetzt ab 679,99 Euro“) und es folgt der Hinweis, wo Kunden das Produkt kaufen können („Gefunden bei Otto“).

Wobei das so eigentlich aber ja nicht stimmt. Denn Kunden erfahren ja nicht, wo sie das Produkt kaufen können. Sondern lediglich, wo der Artikel „gefunden“ wurde. Schlimmer wiegt aber: Verbrauchern erzählt Otto in seinen Clips zwar, welche tollen Eigenschaften ein Produkt hat und was für einen Kauf spricht (in diesem Fall „spektakuläre Bilder“). Die Hanseaten nennen aber am Ende der Clips keinen Grund, warum Verbraucher die Artikel eigentlich bei Otto.de kaufen sollten. So werden im dümmsten Fall zwar Verbraucher auf einen Artikel aufmerksam, gehen aber für einen Online-Kauf vielleicht gar nicht zu Otto – und suchen bei Online-Marktplätzen oder Preisportalen nach günstigeren Anbietern.

Dieses Szenario könnte Otto eigentlich geschickt vermeiden, wenn Kunden zentrale Vorteile bei einem Kauf auf Otto.de genannt werden. Mögliche Beispiele wären der günstigste Preis, der Verzicht auf Versandkosten oder Service-Vorteile wie eine kostenlose 24-Stunden-Lieferung. Gerade beim Service könnte Otto eigentlich punkten, da es sich bei der beworbenen Garantie im Clip um eine „Otto Langzeitgarantie“ handelt. Dieser Vorteil wird aber mitten im Clip im Kleingedruckten versteckt, anstatt Verbrauchern dadurch zum Ende des Clips offensiv den Kauf auf Otto.de schmackhaft zu machen.

Otto konnte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2017/2018 (Ende: 28. Februar) den Umsatz von Anfang März bis Ende August 2017 um rund sieben Prozent ausbauen. Profitieren konnten die Hanseaten demnach zum einen davon, dass Kunden immer mehr Artikel im Online-Shop kaufen können. So ist die Zahl der Handelspartner gestiegen, weil Otto seit diesem Frühjahr eine neue Marktplatz-Strategie verfolgt. Wachsen konnten die Hanseaten zudem, weil viel in TV-Werbung investiert wurde. Geworben haben die Hanseaten in den vergangenen Monaten unter anderem für Kollektionen, die Star-Designer Guido Maria Kretschmer exklusiv für die Hanseaten entworfen hat.

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Über Stephan Randler 2270 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

2 Kommentare zu TV-Offensive: Wo der Otto-Versand aktuell Potenzial verschenkt

  1. In dem Text wird sechsmal das Substantiv „Hanseaten“ genannt.
    Warum?
    Bessere Auffindbarkeit für die Websuche oder ist dem Verfasser der Duden mit den sinn- und sachverwandten Begriffen unbekannt?

Kommentare sind deaktiviert.