Spreadshirt: Retourenquote bei Amazon doppelt so hoch

Interessante Zahlen hat in dieser Woche der deutsche Mass-Customization-Dienstleister Spreadshirt veröffentlicht. Demnach beträgt die Retourenquote bei dem T-Shirt-Bedrucker durchschnittlich drei Prozent, wenn Kunden direkt über die Online-Plattform der Leipziger ordern. Anders sieht es dagegen aus, wenn Kunden die Produkte bei Amazon bestellen:

Retourenquoten bei SpreadshirtBildquelle: Spreadshirt

Amazon-Kunden senden Produkte doppelt so häufig zurück wie Kunden, welche auf den Spreadshirt-Marktplätzen oder in angeschlossenen Online-Shops bestellen. Die Amazon-Retourenquote ist mit etwas weniger als sechs Prozent im Branchenvergleich dennoch niedrig.“

Der Hintergrund: Spreadshirt produziert seine Produkte immer „on Demand“ – also nach Bestelleingang. Das sei aber vielen Kunden bei Amazon nicht bewusst, weswegen freimütiger retourniert werde (obwohl in den Produktbeschreibungen deutlich steht, dass T-Shirts erst nach der Bestellung bedruckt werden). Während Kunden bei Amazon zudem nur Shirts mit vorgegebenen Designs ordern können, lassen sich direkt bei Spreadshirt auch vorhandene Designs individualisieren oder T-Shirts mit komplett eigenen Motiven anfertigen.

Vor diesem Hintergrund muss die Retourenquote eigentlich zwangsläufig bei Spreadshirt direkt geringer ausfallen, wenn Kunden dort individualisierte Ware bestellen können. Denn nach Kundenwünschen angefertige Ware ist ja zunächst einmal vom Widerruf ausgeschlossen, wie das bürgerliche Gesetzbuch (BGB) besagt. Konkret heißt es dort in §312 g Absatz 1:

„Das Widerrufsrecht besteht, soweit die Parteien nichts anderes vereinbart haben, nicht bei […] Verträgen zur Lieferung von Waren, die nicht vorgefertigt sind und für deren Herstellung eine individuelle Auswahl oder Bestimmung durch den Verbraucher maßgeblich ist oder die eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse des Verbrauchers zugeschnitten sind.“

Spreadshirt bietet nach eigenen Angaben aber faire Rückgaberegeln, so dass Kunden prinzipiell auch individualisierte Ware aus dem hauseigenen Online-Shop zurückschicken können: wenn sie beispielsweise zu groß sind, optisch nicht gefallen oder sich ein Rechtschreibfehler in das eigene Design eingeschlichen hat. Damit das aber nicht zu häufig passiert, appelliert Spreadshirt durchaus an das gute Gewissen seiner Kunden:

„Jede Bestellung bei Spreadshirt ist ein Einzelstück, das für Dich ganz persönlich hergestellt wird. Umgetauschte Ware können wir nicht einfach wieder ins Lager legen und dem nächsten Kunden verkaufen. Was zurück kommt, fliegt raus oder in die Spendenkiste. Allerdings musst Du auch mithelfen, damit wir dieses Versprechen halten können, also: Mach keine größere Bestellung, ohne uns vorher zu testen und bestelle möglichst frühzeitig, wenn Du Dein Shirt für einen bestimmten Termin benötigst.“

Trotz einer höheren Retourenquote bleibt auch Amazon als Absatzkanal sehr attraktiv:

„Spreadshirt-Verkäufer, deren Produkte zusätzlich auf Amazon angeboten werden, verzeichnen eine Verdopplung, teils eine Verdreifachung ihres Umsatzes. Der Erfolg ist auf das veränderte Nutzungsverhalten der Online-Shopper zurückzuführen. Laut einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Forrester Research beginnt fast ein Drittel von ihnen die Suche nach einem Produkt auf Amazon und nicht bei einer Suchmaschine.“

Aktuell verkauft Spreadshirt über Amazon in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und in den USA. Zur Zeit sind rund 3.000 Spreadshirt-Verkäufer auf Amazon vertreten, deren Angebote dort gebündelt unter der Marke Spreadshirt angeboten werden. Im Angebot sind Bestseller, die sich im hauseigenen Online-Shop bewährt haben. Die Auswahl trifft Spreadshirt, Verkaufspartner können ihre Produkte nicht einfach selbst bei Amazon einstellen. Um Lagerhaltung, Druck und Retouren kümmert sich ebenfalls der Mass-Customization-Dienstleister.

Übrigens: Wer prinzipiell mehr über rechtliche Rahmenbedingungen im Online-Handel erfahren möchte, findet aktuelle News und Analysen auch bei den Kollegen vom Versandhandelsrecht.

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Über Stephan Randler 2318 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr