Sainsbury’s: Online-Wachstum schwächt sich erneut ab

Einen interessanten Geschäftsbericht hat in diesen Tagen die britische Supermarkt-Kette Sainsbury’s vorgelegt. Demnach hat das Online-Geschäft mit Lebensmitteln im kürzlich abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 14. März) zwar zum Vorjahr um sieben Prozent zugelegt. Ein Jahr zuvor war das Online-Wachstum aber fast doppelt so stark ausgefallen, vor zwei Jahren lag die Wachstumsrate sogar noch bei über 20 Prozent.

Sainsbury's KennzahlenBei Sainbury’s gab es im E-Commerce schon mehr Dynamik (Bild: Screenshot)

In absoluten Zahlen liest sich die Entwicklung dagegen anders. Denn trotz den deutlichen Rückgängen bei den Wachstumsraten in den vergangenen beiden Geschäftsjahren (siehe Grafik), steht in den Büchern nun ein Brutto-Umsatz von 1,1 Mrd. Pfund aus dem Online-Verkauf von Lebensmitteln. Zudem fallen die Wachstumsraten im E-Commerce meistens geringer aus, wenn man einige Jahre am Markt aktiv ist und der Umsatz bereits auf einem vergleichsweise hohen Niveau liegt. So gesehen überrascht die Entwicklung also nicht.

Man kann die Zahlen aber auch anders interpretieren. So wurde bei Sainbury’s über Online-Verkäufe von Lebensmitteln im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatz von 1,1 Mrd. Pfund erzielt, während der gesamte Handelsumsatz bei 25,8 Mrd. Pfund lag. Beachten muss man zwar, dass im Offline-Umsatz das Geschäft mit Treibstoff und Non-Food enthalten ist, was beim Online-Handel fehlt. Unterm Strich schwächt sich das Online-Wachstum aber zu einem Zeitpunkt erneut ab, wo das E-Commerce-Geschäft nach wie vor eine Randnotiz ist.

Schätzungen zufolge kommt der Online-Lebensmittelhandel in Großbritannien zudem auf einen Marktanteil von fünf Prozent, während hierzulande das Geschäft mit E-Food erst auf einen Marktanteil von einem Prozent kommt. Die aktuellen Zahlen von Sainsbury’s kann man vor diesem Hintergrund also auch so interpretieren, dass der Markt für E-Food allmählich an seine Grenzen stößt – obwohl der Marktanteil dabei nach wie vor überschaubar ausfällt.

Für diese These sprechen auch die Zahlen des britischen Online-Supermarktes Ocado, der als reiner Online-Pureplayer aktiv ist. Im vergangenen Geschäftsjahr 2013/2014 (Stichtag: 30. November) war der Umsatz zwar um 15,3 Prozent auf 972,4 Mio. Pfund gestiegen (ebenfalls inkl. MwSt.), so dass ein neuer Rekordumsatz erzielt wurde (siehe Grafik). Noch vor einigen Jahren gab es aber auch bei Ocado zweistellige Wachstumsraten von knapp 30 Prozent.

Ocado Kennzahlen 13/14Die eFood-Umsätze (zwei Spalte von links) steigen bei Ocado (Bild: Screenshot)

Trotz einem schwächeren Wachstum haben Sainsbury’s und Ocado in Summe aber deutlich zugelegt. Zudem ist die Online-Sparte längst nicht das Sorgenkind bei Sainsbury’s. Denn die Briten haben im vergangenen Jahr nicht nur beim Gesamtumsatz einen Rückgang von zwei Prozent verbuchen müssen. Die Supermarkt-Kette hat zudem Marktanteile verloren.

Denn auf der Insel machen den alteingessenen Playern zunehmend Discounter wie Aldi und Lidl zu schaffen, die sich zunehmend Marktanteile erobern und Kunden für günstige Preise sensibilisieren. Auch das könnte ein Grund sein, warum sich das Online-Wachstum derzeit abschwächt. Denn Aldi und Lidl verkaufen in Großbritannien überhaupt nicht online.

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Über Stephan Randler 3152 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.