„Point of Emotion“: So profitiert Euronics vom Online-Handel

Seit drei Jahren verfolgt die Verbundgruppe Euronics ein Multichannel-Konzept. Mit Erfolg. So haben sich die Online-Umsätze der Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr 2016/2017 (Ende: 30. September) nicht nur mehr als verdoppelt (+153 Prozent). Das Online-Geschäft befeuert zudem den stationären Handel, wenn die Kunden ihre Ware vor Ort abholen und dort etwas zusätzlich kaufen. Wie das Multichannel-Modell im Detail funktioniert, erklärt Philipp Neuffer, Leiter Multichannel-Marketing.

Philipp Neuffer
Philipp Neuffer (Bild: Euronics)

neuhandeln.de: Verbundgruppen tun sich oft schwer mit E-Commerce. Wie konnten Sie denn Ihre Mitglieder überzeugen?

Philipp Neuffer: „Etwa 90 Prozent aller Kunden informieren sich vor dem Kauf im Internet. Unser Online-Marktplatz macht Euronics bei dieser Recherche sichtbar und sorgt für eine Relevanz bei den Kaufentscheidungen. Die Verknüpfung aus einem zentralen Online-Angebot und Verkaufsflächen zu einem „digitalen Point of Emotion“ ermöglicht uns eine wesentliche Differenzierung zu reinen Online-Händlern und Flächenmärkten.“

neuhandeln.de: Online-Verkauf bedeutet aber auch Aufwand – wie unterstützen Sie hier?

Neuffer: „Online-Marketing, Shop-Betrieb und Logistik werden über unsere Zentrale geregelt, wo es eigene Teams für Online-Marketing und Shop-Betrieb gibt. Einer der wichtigsten Bausteine ist eine reibungslose Logistik. Das Endkunden-Fulfillment läuft über das Zentrallager, jedoch lassen wir die Kundendaten und den -umsatz beim Händler. 

Händler haben die Möglichkeit, das komplette Zentrallagersortiment bei uns online zu listen und in ihren Webshop zu integrieren. Dabei besteht die Option, dass alles, was aus dem Zentrallager in Ditzingen kommt, logistisch auch hier abgewickelt wird – inklusive Versand an den Endverbraucher. Die beigelegte Rechnung kommt trotzdem vom Händler selbst. Und wenn der Kunde die Ware im Laden abholen will, schicken wir das Paket zum Händler.“

neuhandeln.de: Und wie profitieren Mitglieder nun konkret vom Multichannel-Modell?

Neuffer: „Durch das Marktplatz-Modell ist immer der lokale Händler der Verkäufer. Es ist sein Umsatz, doch die Abwicklung liegt in der Zentrale. So wollen wir größtmögliche Flexibilität bieten und unseren Kunden das beste Angebot machen. Als Verbundgruppe beherbergen wir verschiedene Betriebe und Ladengrößen mit individuellen Kapazitäten. Mit dem Marktplatz-Modell schaffen wir einen Rahmen.“

neuhandeln.de: Und wie nimmt man die Angst, dass E-Commerce das lokale Geschäft kannibalisiert?

Neuffer: „Im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass auf einen Euro Online-Umsatz im Schnitt zwei Euro Zuführungsumsatz kommen. Dabei beträgt der Anteil des Online-Umsatzes am Gesamtumsatz eines Mitglieds bis zu 20 Prozent. Die Preishoheit liegt beim Händler, nur Basisdaten und Prozesse geben wir vor. Bei bundesweiten Werbemaßnahmen werden aber die lokalen Preise des Mitglieds überschrieben und die entsprechenden Produkte – falls nötig – in den Shops ergänzt. Insgesamt sind schon 270 Standorte mit dem Online-Marktplatz verbunden – 35 Prozent mehr als im Vorjahr.“

Auf der Online-Plattform Euronics.de können Fachhändler einen Online-Shop betreiben, indem sie ein Profil erstellen und Produkte aus ihrem Sortiment anbieten. Bei einer Online-Suche werden Artikel des Händlers gezeigt, der seinen Standort geografisch nah beim Kunden hat. Auf den Artikelseiten ist immer nur ein Anbieter gelistet und es gibt keinen (Preis-)Wettbewerb zwischen verschiedenen Mitgliedern.

Der Kunde kann aber auch keinen anderen Anbieter wählen und muss das Produkt bei dem Händler kaufen, der ihm vorgeschlagen wird. Bei Suchanfragen können auf Übersichtsseiten mehrere Händler gelistet werden, die dasselbe Produkt anbieten. Versand kostet bei allen Händlern gleich, die Abholung ist portofrei. Aktuell zählt die Verbundgruppe in Deutschland 1.361 Mitglieder an 1.498 Standorten.

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Über Stephan Randler 2101 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr