Pilotprojekt mit Mehrwegtaschen: Otto zieht erstes Zwischenfazit

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Im vergangenen Sommer hatte Otto in einem Pilotprojekt damit begonnen, erstmals Bestellungen an ausgewählte Kunden in Mehrwegverpackungen zu versenden. Schließlich lässt sich im Online-Handel ja prinzipiell Müll reduzieren, wenn Verpackungen mehrmals zum Einsatz kommen. Daher wollte Otto testen, wie und ob sich wieder verwendbare Verpackungen im Versandhandel sinnvoll nutzen lassen.

Repack
Mehrwegverpackung (Bild: RePack)

Nun ziehen die Hanseaten ein erstes Zwischenfazit. Um das jetzt aber richtig einordnen zu können, muss man sich die Rahmendaten des Pilotprojekts ins Gedächtnis rufen. Zur Erinnerung: Zum Einsatz kamen Versandtaschen des Logistik-Dienstleisters RePack (siehe Foto), der ein Mehrwegsystem anbietet.

Wenn Kunden bestellten, bekamen sie ihre Ware in einer faltbaren Tasche aus recyceltem Kunststoff zugeschickt. Diese Mehrwegpackung sollten die Kunden anschließend wieder zurück an Otto schicken – und zwar nicht nur, wenn Kunden einen Artikel oder ihre ganze Bestellung retournieren wollten.

Denn Otto wollte die Mehrwegpackungen auch dann zurück, wenn Kunden ihre Bestellungen behalten hatten. In diesem Fall konnten Verbraucher die Versandtasche einfach leer dem Hermes-Boten geben oder in einem PaketShop von Hermes abliefern. Ein Aufpreis oder ein Pfand wurde nicht berechnet.

Zuspruch von Kunden – aber auch Aufwand in der Logistik

Vielmehr hatte Otto an den guten Willen seiner Kunden appelliert, damit diese die Mehrwegpackungen zurücksenden. Danach wurden diese gereinigt und aufbereitet, um darin die nächsten Bestellungen zu versenden. Welche Verbraucher von Otto beim Bestellen eine RePack-Mehrwegtasche erhalten hatten, wurde übrigens zufällig ermittelt. Insgesamt wurden Mehrwegtaschen an 5.000 Otto-Kunden verschickt, die dann zu diesem Test befragt wurden. Die zentralen Erkenntnisse aus dem Projekt sind demnach:

  1. Positive Resonanz: Der Mehrheit der Nutzer sei die Mehrwegtasche positiv aufgefallen und der Mehrheit der Testpersonen habe gefallen, dass Otto eine alternative Verpackung testet.
  2. Rücklauf besser als gedacht: 75 Prozent der verschickten Taschen kamen wieder bei Otto an. Zurück geschickt wurden allerdings nicht nur leere Taschen – sondern eben auch Taschen mit Retouren, die Kunden wohl auch in einer anderen Verpackung zurückgeschickt hätten.
  3. Hohe Zahlungsbereitschaft: Die Mehrwegpackungen hatten Otto-Kunden ja ohne Aufpreis oder Pfand erhalten, da die Testpersonen zufällig ermittelt wurden. Ein Großteil der Testpersonen wäre dennoch bereit gewesen, ein Pfand zu hinterlegen oder einen Aufpreis zu zahlen. Ob Verbraucher das dann aber nachher tatsächlich tun, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Otto betont im Gegenzug allerdings auch, dass der Aufwand für die Reinigung, Aufbereitung und auch die Desinfektion der Mehrwegtaschen „nicht zu unterschätzen“ sei. Aktuell ist daher noch völlig offen, wann und ob es bei Otto einmal dauerhaft Mehrwegtaschen gibt. Das liegt allerdings auch daran, dass wegen Corona das Projekt gerade auf Eis liegt. Denn in der Pandemie lässt sich nicht ausschließen, dass Kunden vielleicht aus Angst vor einer Corona-Infektion eine Mehrwegtasche nicht zurückschicken oder überhaupt erhalten wollen. Die Krise könnte deswegen die Projektergebnisse verfälschen. Der Test mit den Mehrwegtaschen wird daher wieder aufgenommen, sobald sich die Corona-Lage normalisiert hat.

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Über Stephan Randler 2796 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.