Kunden von Otto und Tchibo sollen jetzt Versandverpackungen mehrmals nutzen

„Wir müssen Müll vermeiden im E-Commerce“: Das sagt Benjamin Köhler, der bei dem Otto-Versand die Abteilung für Nachhaltigkeit leitet. Und daher testen die Hanseaten nun in einem Pilotprojekt, wie und ob sich wieder verwendbare Verpackungen im Versandhandel sinnvoll nutzen lassen – zusammen mit den Kollegen von Tchibo und dem Avocadostore, der ohnehin ja nachhaltige Produkte anbietet.

Benjamin Koehler
Benjamin Köhler (Bild: Otto Versand)

Alle drei Anbieter testen nun die Versandtaschen des Logistik-Dienstleisters RePack, der ein Mehrwegsystem für Versandverpackungen anbietet. Wenn Kunden bestellen, erhalten sie hier ihre Ware in einer Tasche aus Kunststoff statt in einem Pappkarton oder eingeschweißt in Plastikfolie. Die Kunststoff-Tasche schicken Kunden dann wieder an den Shop zurück – und zwar nicht nur bei einer Retoure, sondern, auch wenn sie den Artikel behalten wollen.

Im Anschluss wird die Tasche wieder aufbereitet, so dass der Online-Händler die nächste Ware darin verpacken und einem anderen Kunden senden kann.

So sollen Online-Händler perspektivisch Ressourcen sparen, da weniger herkömmliche Versandtaschen benötigt werden. Im Gegenzug erhöht sich für Shop-Betreiber allerdings auch der Aufwand. Schließlich müssen die Mehrweg-Taschen erst einmal wieder zurück zum Händler, der sie dann reinigen und seiner Versandabteilung erneut zuführen muss. Das Mehrwegsystem funktioniert zudem nur, wenn Kunden die Taschen auch wieder zurückschicken – und nicht aus Versehen oder aus Faulheit in den Müll werfen.

Otto setzt hier auf „den guten Willen“ seiner Kunden. Anders verfährt der Avocadostore, der Kunden für die Rücksendung einen Gutschein spendiert. Beim Marktplatz für nachhaltige Produkte können Kunden zudem bei der Bestellung selbst auswählen, ob sie eine normale Versandverpackung erhalten wollen – oder eine Mehrweg-Tasche. Dafür müssen die Kunden dann allerdings auch einen Aufpreis bezahlen.

System spart Ressourcen – wenn die Kunden mitmachen

Anders läuft es bei Otto, wo zufällig ermittelt wird, welche Kunden die RePack-Tasche erhalten – und daher auch kein Aufpreis beim Versand berechnet wird. Generell lässt sich die Mehrweg-Tasche vom Kunden auf Briefgröße zusammen falten und über die Post frei zurücksenden. Wenn Kunden in den Taschen eine Bestellung retournieren, geht die Verpackung direkt an den Versender. Wenn die Tasche leer zurückgeschickt wird, übernimmt RePack für die Projektpartner die Reinigung und Aufbereitung.

Repack
Wieder verwendbare Versandtaschen im Versandhandel sollen die Umwelt schonen (Bild: RePack)

Anschließend gehen die aufbereiteten Taschen wieder an die Händler, die darin neue Ware versenden können. Der logistische Aufwand ist daher also deutlich größer als beim Standardprozess, wo einfach eine neue Verpackung verwendet wird. Dazu kommt: Alle Artikel lassen sich ohnehin nicht in einer Mehrweg-Tasche versenden. So werden in den RePack-Taschen zum Beispiel nur Textilien oder Waren wie Staubsaugerbeutel verschickt, die sonst vor allem in einer Plastiktüte an die Kunden gehen.

Doch ob diese wirklich auf Mehrweg-Taschen gewartet haben? Der Mode-Versender Zalando hat das Mehrwegsystem von RePack jedenfalls bereits im vergangenen Herbst in Skandinavien getestet. Doch das Fazit hört sich recht verhalten an. „Während des Piloten konnten wir feststellen, dass es prinzipiell möglich ist, wiederverwendbare Verpackungen einzusetzen“, erklärt Zalando. „Herausforderungen sehen wir noch in Bezug auf die Prozesszeiten, Rückverfolgung und Rücksendung der Verpackung.“

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Über Stephan Randler 2630 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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