Paketkästen: Der „PaketButler“ kommt teurer als erwartet

Mit dem „PaketButler“ wird seit dem vergangenen Herbst eine Alternative zum Paketkasten von DHL getestet. Jetzt ziehen die Projektverantwortlichen ein positives Fazit und planen den Marktstart für den PaketButler zum Jahresende. Dann sollen Verbraucher die XXL-Tasche für ihre Haustüre entweder für 179 Euro kaufen oder für unter zehn Euro im Monat mieten.

Paketbutler.comDer Paketbutler lässt sich vor der Wohnungstür befestigen (Bild: Screenshot)

Mit dem jetzt vorgestellten Pricing kostet der PaketButler allerdings mehr als erwartet. Denn gegenüber neuhandeln.de hatte man vor einem dreiviertel Jahr noch in Aussicht gestellt, dass die faltbare Box voraussichtlich 100 Euro kosten wird. Zum Vergleich: Einen Paketkasten von DHL gibt es bereits ab 99 Euro. Alternativ lassen sich die XXL-Briefkästen auch für 1,99 Euro im Monat mieten (bei einer Einmalzahlung von 14,99 Euro und 36 Monaten Mindestlaufzeit).

Doch nicht nur der vergleichsweise stolze Preis könnte Verbraucher abschrecken. Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass der Markt für Paketkästen zunehmend umkämpfter wird. Denn im Herbst wollen auch die Versanddienstleister Hermes, DPD, UPS und GLS zusammen eine eigene Lösung auf den Markt bringen und damit gegen den Paketkasten von DHL antreten.

Das Kartellamt hat diesem Vorhaben bereits grünes Licht gegeben, ein marktreifes Konzept für das Verbundprojekt soll auch schon vorliegen. Um sich im Wettbewerb mit DHL durchzusetzen, bauen DPD & Co. auf günstige Preise. So sollen Kunden für die Verbundlösung weniger zahlen als es bei DHL der Fall ist – womit das Angebot ebenfalls billiger wäre als der PaketButler.

Doch wer soll vor diesem Hintergrund dann aber noch den PaketButler nutzen – wenn andere Systeme billiger sind und die großen Logistiker ihre eigenen Entwicklungen vorantreiben?

DPD erklärt etwa auf Nachfrage, dass man zwar jede anbieterneutrale Lösung begrüße. Eine wichtige Voraussetzung sei aber, dass man als Zusteller solche Lösungen einfach im Rahmen der eigenen Prozesse nutzen kann. Das sei beim PaketButler noch nicht abschließend geklärt, weshalb man sich derzeit auf die eigene Verbundlösung mit Hermes & Co. konzentriere.

Auf Nachfrage von neuhandeln.de argumentieren die Projektverantwortlichen, dass der Markt für Paketkästen sich erst in der Differenzierungsphase befinde. Die eigenen Lösungen von DHL und DPD & Co. seien zudem als XXL-Briefkästen für Einfamilienhäuser konzipiert, während man den PaketButler einfach an der Wohnungstür anbringen könne und sich das System so auch für Mehrfamilienhäuser eigne. Das stimmt zwar prinzipiell. Seit kurzem bietet DHL aber auch einen Paketkasten für Mehrfamilienhäuser an, der optisch an eine Packstation erinnert. Allerdings ist DHL Paket auch einer der Projektpartner beim PaketButler – bei dem Verfahren mit einer faltbaren Box wittert daher augenscheinlich auch DHL Paket ein Marktpotenzial.

PaketButlerÜber einen PIN-Code lassen sich Pakete entnehmen (Bild: Deutsche Telekom)

Der PaketButler ist eine faltbare Box, die aus reißfestem und brandsicheren Material besteht und einen Aluminium-Rahmen hat. Die Box lässt sich vor einer Wohnungstür platzieren und über einen Sicherheitsgurt befestigen, der zwischen Tür und Zarge eingeklemmt wird. In die Box lassen sich Pakete stecken, wenn zum Zeitpunkt der Zustellung der Empfänger nicht zu Hause ist. Auf diese Weise sollen Nutzer sicher gehen, dass sie keine Sendung mehr aus Versehen verpassen. Öffnen lässt sich die Box vom Zusteller über einen Handscanner oder einen PIN-Code. Der Empfänger wiederum kann Pakete über seinen PIN-Code entnehmen.

Von den DHL-Paketkästen unterscheidet sich der PaketButler unter anderem dadurch, dass Nutzer über eine App informiert werden, wenn die Box beispielsweise beschädigt wird.

Am Projekt beteiligt sind neben DHL die Telekom (Provider, Lizenzgeber), Hyve Innovation Design (Produktion) und die Feldsechs Service Gesellschaft (Produktion, Vermarktung).

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Über Stephan Randler 2531 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar zu Paketkästen: Der „PaketButler“ kommt teurer als erwartet

  1. Naja, bei einem Fahrer der zu faul ist sich in ein Mehrfamilienhaus reinzukriegen und nen Nachbarn zu suchen der das Paket abnimmt nützt auch so ein Paketbegleitadresse nicht und in der Praxis dürfte dies in Mehrfamilienhäusern das Hauptproblem sein. Warum Treppensteigen, wenn man das Paket auch in der Filiale oder Parkstadion loswerden kann?

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